Baar
Ausstellung zweier einheimischer Künstler: Ihre Kunst reflektiert die Umwelt

In der Galerie Billing verbindet die Ausstellung Installationen von Quido Sen mit den Malereien von Claude Seeberger.

Monika Wegmann
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Claude Seeberger (links) und Quido Sen stellen gemeinsam in der Galerie Billing Bild in Baar aus.

Claude Seeberger (links) und Quido Sen stellen gemeinsam in der Galerie Billing Bild in Baar aus.

Bild: Roger Zbinden (19. Februar 2022

Auf den ersten Blick erstaunt der Gegensatz der beiden Kunstsparten im Galerieraum, dennoch ist diese Begegnung spannend: An den Wänden leuchten die Kompositionen der Zugerin Claude Seeberger (68), und die Raummitte belegen die Installationen und akustischen Objekte des Baarers Quido Sen (73). Das Publikum zeigt sich am Samstag, 19. Februar, an der Vernissage sehr interessiert.

Viele Fragen und leichte Irritationen lösen die Objekte von Quido Sen aus, die er aus alten Stücken oder Wegwerfmaterialien wie PET-Flaschen geschaffen und wie in einem Labor mit technischen Geräten kombiniert hat. Beim Eingang wundern sich manche über ein surrendes Geräusch, das plötzlich aus der Gray-White-Box am Boden ertönt. Ist es ein Alarm, und wozu dient die Box? Quido Sen schmunzelt:

«Es gibt immer mehrere Antworten, vieles ist hier mehrdeutig. Ich mache mir keinen Plan. Die Entstehung der Werke ist ein Prozess. Ich habe viele alte Dinge zu Hause oder erhalte Stücke, die mich zu Kombinationen anregen. Vieles geschieht spielerisch.»

Dabei verweist er auf das Objekt III, wo auf einem Kartonsockel ein Plastiksack mit PET-Flaschen liegt, der mit Röhren an eine Kartonbox angeschlossen ist. «Die Pappe des Sockels war Teil eines Raumschiffes. Ich habe sie zerlegt wie alles, was ich mit dem Auto transportieren muss, so auch die grosse Installation ‹Experiment› am Ende des Raums.»

Eine Installation von Quido Sen.

Eine Installation von Quido Sen.

Bild: Roger Zbinden (19. Februar 2022

Will Sen so auf den Abfallberg in der Welt hinweisen? «Das Wort Abfall ist eine Interpretationsfrage. Für mich ist es das nicht», so der Künstler und ergänzt: «Vor drei Jahren haben wir in den Ferien einmal die PET-Flaschen gesammelt und über die Menge gestaunt. Wir nahmen alle mit, so wurde aus dem Material ein Kunstwerk. Mein Ziel ist es, nicht viel zu recyceln, sondern weniger zu brauchen oder mehrfach zu nutzen.» Vor allem möchte Quido Sen zum Nachdenken anregen. Das eine oder andere Werk löst neben der Überraschung auch Schmunzeln aus, wie beispielsweise die Smith-Videobox: Hier gibt die kleine Öffnung einen Blick auf Zugs Unterwasserwelt frei, wo eine Taucherin das Aussenglas von Roman Signers Werk Seesicht putzt.

Es lohnt sich zudem, im Gang seine älteren Computerzeichnungen zu beachten, wo Quido Sen mit der Kreativität der Maschine experimentiert hat. Er ist ein sensorischer Tüftler, der durch den früheren Beruf über das technische Wissen verfügt, um mittels Elektronik spezielle multimediale Installationen und akustische Objekte zu schaffen, die zwar vordergründig absurd scheinen, aber ernste Fragen zur heutigen Gesellschaft auslösen. Sein Schaffen findet international Beachtung, und er wurde mehrfach ausgezeichnet.

Bilder von Claude Seeberger.

Bilder von Claude Seeberger.

Bild: Roger Zbinden (19. Februar 2022

Bildsprache schöpft aus der Sakralkunst

Die neuen Malereien von Claude Seeberger leuchten im Raum und erzählen diverse Geschichten. Meist ist die schmale, abstrahierte Figur von Tüchern, Blumen und anderen Objekten umgeben – scheint zu schweben. Viele Inspirationen schöpft sie von der Sakralkunst des Mittelalters und der Renaissance und von Besuchen alter Kirchen und Bauten aus diesen Zeiten. Ihre Eindrücke aus dem Palazzo des Kardinals Branda Castiglione im italienischen Olona verarbeitet die Zugerin in einer symbolhaften Bildsprache.

«Ich nehme deren Gestaltung auf und setze sie in meinem Kontext um; so entstand die Serie Branda, sie beschäftigt mich schon seit über einem Jahr. Manche Werke übermale ich immer wieder, man sieht es an den Schichten»,

sagt die Künstlerin, die auch Stillleben präsentiert. Diese Arbeiten entstehen zumeist in pastelliger Mischtechnik auf Holzfaserplatten. Im Gegensatz dazu ist ein Teil der Serie Fuge, die das Thema Flucht beleuchtet, auf kleinen leuchtend roten quadratischen Platten entstanden. Hier verweist die Künstlerin auf die Migration und gegenwärtige Probleme.

Hinweis: Die Doppelausstellung läuft bis 3. April in der Galerie Billing, Haldenstrasse 2, Baar: Mo, Do, Fr: 14 – 18 Uhr, Sa: 10 – 16 Uhr. Sonntag, 13. März, 14.30 Uhr, Kunsthistorikerin Sibylle Omlin führt mit beiden ein Künstlergespräch.