Leserbrief
Alte Zöpfe abschneiden

Gedanken zur Schweizer Energiepolitik

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Die Schweizer Energiepolitik befindet sich seit längerer Zeit in einem ideologischen Grabenkampf, der eine lösungsorientierte Planung und Bereitstellung der Energieproduktion verhindert. Auf der einen Seite die links-grüne Ideologie mit ihren Wurzeln in der Anti-Kernkraftbewegung und im Naturschutz. Diese beiden Positionen stehen sich wiederum selbst in den Bewilligungsverfahren neuer Kraftwerke gegenüber, wie bei der geplanten Bogenstaumauer im Triftgebiet geschehen. Die zweite Front bildet sich zwischen Fotovoltaik und Kernkraft. Alle diese Fronten verlaufen quer durch die politischen Parteien. Lobbyisten und PR-Kampagnen versorgen die jeweiligen Lager mit Argumenten resp. wissenschaftlichen Studien, damit ihre Auftraggeber möglichst viel aus den staatlichen Subventionstöpfen abschöpfen können. So sollen bspw. Fotovoltaikanlagen auf Autobahnen, Parkplätzen oder Seen installiert werden. Technisch alles machbar. Das Problem der grossindustriellen Speicherung dieser Energie muss allerdings erst noch gelöst werden. Ferner gilt es die Verteil- und Übertragungsnetze massiv auszubauen, damit unsere Netze nicht zusammenbrechen, wenn der letzte Tesla am Ende eines Tages mit Strom versorgt werden will.

Trotz der genannten Herausforderungen bei den Erneuerbaren ist es nur folgerichtig, dass wir den Bau von neuen KKW in der Schweiz verbieten. Dass bürgerliche Politiker trotzdem denBauvonKKWneuester Generation fordern, ist mehr einem Mangel an zukunftsweisenden Ideen und weniger dem Glauben an Marktwirtschaft und Innovation geschuldet.

Wer möchte schon im Kanton Zug freie Sicht auf ein KKW? Dann schon lieber Seeblick auf eine schwimmende Solaranlage.

Alte Zöpfe sind jetzt abzuschneiden, dazu gehört auch der erhobene Wasserzins, damit diese Regional- durch eine zukunftsweisende Energiepolitik abgelöst werden kann. Denn gerade für den Kanton Zug ist es ärgerlich, dass diese Einnahmen der Bergkantone nicht im Finanzausgleich berücksichtigt werden. Und zum Schluss muss die Energiefrage mit der EU geklärt werden. Die Vorstellung, die Schweiz sei bezüglich Energie eine Insel, ist schlicht realitätsfern.

Oliver Heiler, Unterägeri