Abstimmung
Zurlaubenhof: Im Juli soll das Geschäft bereits abgewickelt sein

Ein Resultat, das keine Zweifel offenlässt. In der Stadt sagen 90,8 Prozent der Stimmenden Ja zum Kauf des Zurlaubenhofs. Die Stimmbeteiligung betrug 39,12 Prozent.

Marco Morosoli
Drucken

Dieter Müller, er ist Leiter der städtischen Kommunikation, mag sich nicht an ein Abstimmungs-Resultat erinnern, bei welchem eine städtische Vorlage mit einem Ja-Anteil von 90,8 Prozenten über die finale Hürde sprang. In nackten Zahlen ausgedrückt: 5928 Ja-Stimmen standen 600 Nein-Stimmen gegenüber.

Eine seltene Eintracht. Und das bei einem Sachgeschäft, welches wohl noch im Juli zu einer Transaktion von 65 Millionen Franken führen soll. Empfänger des Geldes ist die Familie Bossard, welche das barocke Bauensemble seit 160 Jahren ihr Eigen nennen.

Für wertvermehrende Instandsetzungen steckt die Stadt Zug zudem noch fünf Millionen Franken in ihre neu erstandene Perle. Für den städtischen Kassenwart André Wicki ist auch diese Investition gut eingesetzt: «Wir müssen der Stadt Zug Sorge tragen.»

«Ich hatte es gehofft und auch vermutet, dass der Kauf des Zurlaubenhofs angenommen wird», sagte der für dieses Sachgeschäft zuständige Stadtrat André Wicki. Der Vorsteher des städtischen Finanzdepartements betont zudem, dass mit deutlichen Ja sich die Stadt «Zuger Geschichte» gesichert habe.

Stadt- und Gemeinderat müssen die Details regeln

Stadtrat André Wicki will auch noch erwähnen, dass jetzt mit dem Kauf des Zurlaubenhofs ein Zuger Wahrzeichen in die öffentliche Hand kommt. Der eigentliche Kauf der Liegenschaft war ein Schaulaufen. Möglicherweise gibt es bald stärkere Verwerfungen zwischen dem Stadtrat und dem Grossen Gemeinderat der Stadt Zug. Dies, weil die beiden Kräfte die künftige Nutzung festlegen müssen.

Stadtrat André Wicki nennt schon bereits früher geäusserte Pläne, die eine «moderate, teilweise Überbauung des Grundstücks auf Basis eines bereits erstellten Richtprojekts» vorsehen. Dabei betont der Finanzvorstand der Stadt Zug, dass der «barocke Garten» ein Kulturgut von nationaler Bedeutung darstelle.

Der ALG-Gemeinderat Stefan Hodel betont in diesem Zusammenhang, dass «Perlen Platz brauchen». Es soll auf dem Gelände des Zurlaubenhofs, so Hodel, möglich sein, «nicht mehr landwirtschaftlich genutzte Gebäudeteile» zu Wohnraum werden. Das Wort Wohnungsbau kommt in der Pressemitteilung der ALG hingegen nicht vor.

Im Weiteren regt der ALG-Gemeinderat an, dass nach dem rechtsgültig abgeschlossenen Kaufvertrag die Verbotsschilder auf dem Gelände der im Süden der Stadt Zug gelegenen, grosszügig mit viel Grünem ausgestatteten Liegenschaft verschwinden sollen.

Ob diese Forderungen bereits in naher Zukunft erfüllbar sind, ist jedoch zweifelhaft. Der Stadtrat will sich bei der Weiterentwicklung seiner Perle «genügend Zeit lassen». Womöglich ist es dann mit der Eintracht bereits wieder vorbei.

Bei diesem Kaufgeschäft haben wirklich alle aufs Gas gedrückt

Erwähnenswert in Sachen Zurlaubenhof ist, mit welchem Tempo der Kauf durch die verschiedenen Gremien fegte. Verkaufsabsichten äusserte die Eigentümerfamilie Bossard im Herbst 2020. Rund 20 Monate später fehlen nur noch ein paar Unterschriften und der Kauf ist perfekt.

Das ist geschichtsträchtig, und das gleich im doppelten Sinn. Die Familie Zurlauben war vom 17. bis ins erste Drittel des 18. Jahrhunderts die einflussreichste Familie auf dem Platz Zug.

Zu Reichtum kam das Geschlecht durch allerlei Geschäfte mit dem französischen Königshaus. Familienmitglieder erreichten höchste militärische Ämter, wie im historischen Lexikon der Schweiz zu lesen ist. Ein Zurlauben-Spross erreichte sogar einen Grafentitel.