Zentralschweiz
Die Skisaison kann dank Wintereinbruch kommen

Endlich fällt Schnee bis in tiefe Lagen. So können die Skigebiete nun die Pisten präparieren, während im Flachland die Vorfreude gross ist. Gewisse Regionen haben im Vorverkauf sogar Rekorde erzielt.

Christian Glaus
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Viel Geduld brauchten die Betreiber der Skigebiete in diesem Jahr. Zu lange war es zu warm und zu trocken. Nun aber fällt endlich Schnee in grösseren Mengen und bis in tiefe Lagen. Das weckt bei vielen die Lust auf Schneesport. Doch wer bereits an diesem Wochenende auf die Pisten will, muss meist noch in höher gelegene Gebiete fahren.

Zum Beispiel in Sörenberg. Am Rothorn hat der Betrieb vor einer Woche begonnen. Für das restliche Gebiet wurde der Saisonstart um eine Woche nach hinten verschoben – auf den 17. Dezember. Dieser Entscheid sei trotz des Wintereinbruchs richtig gewesen, sagt René Koller, Direktor der Bergbahnen Sörenberg. «Die Böden waren noch zu warm. So konnten wir keine gute Grundlage schaffen.»

Saisonvorbereitung am Rothorn in Sörenberg.

Saisonvorbereitung am Rothorn in Sörenberg.

Bild: PD

Er ist froh, dass nun das Präparieren der Pisten beginnen kann. «Am Dienstag werden wir den Schnee ein erstes Mal mit den Maschinen festpressen.» Die Beschneiungsmaschinen laufen auf Hochtouren, um den natürlichen mit technischem Schnee zu ergänzen – und so eine möglichst gute Unterlage zu schaffen.

Titlis öffnet Talabfahrt am 17. Dezember

Dank des Gletschers kann man auf dem Titlis bereits seit dem 15. Oktober auf dem Gletscher Ski fahren. «Das stellt unsere Schneesicherheit trotz Rekordtemperaturen unter Beweis», sagt Sprecher Urs Egli. «Die Eröffnung war aber nur dank grösster Anstrengungen unseres Pisten- und Rettungsteams möglich.» Dass es nun richtig schneit, sei «vom Timing her perfekt». Am 17. Dezember soll die Talabfahrt geöffnet werden.

Ein Pistenfahrzeug im Skigebiet Engelberg-Titlis.

Ein Pistenfahrzeug im Skigebiet Engelberg-Titlis.

Bild: PD

Das gegenüber liegende Brunni hat seinen Winterbetrieb am 3. Dezember in reduziertem Umfang aufgenommen. Vorerst sind die Klostermatte und der Yeti-Park geöffnet, die weiteren Pisten folgen voraussichtlich am 17. Dezember. Geschäftsführer Roman Barmettler sagt: «Der Schnee kommt auf den letzten Drücker. Hätte der Winter noch länger auf sich warten lassen, hätten wir unser Sommerangebot mit Rodelbahn, Spielplatz und Grillstellen wieder hochgefahren.»

Anton Keller von der Brunnibahn präpariert die Skilifte auf der Klostermatte für den Skibetrieb.

Anton Keller von der Brunnibahn präpariert die Skilifte auf der Klostermatte für den Skibetrieb.

Bild: Roger Grütter (Engelberg, 9. Dezember 2022)

Stoos leidet unter dem Föhn

Auf dem Stoos ist diesen Samstag der offizielle Saisonstart – wobei dies bedeutet, dass vorerst eine Piste, das Fröneli-Winterland sowie die Wanderwege offen sind. Das Wintersportgebiet leidet derzeit unter leicht föhnigen Bedingungen. Für nächste Woche sind sinkende Temperaturen angekündigt. «Dann kann man sehr effizient beschneien. Darauf warten wir», sagt Sandro Widmer, Leiter Marketing und Verkauf.

«Mit allen Kräften» wird im Skigebiet Melchsee-Frutt gearbeitet. Wegen der Schneesituation hat Geschäftsführer Daniel Dommann auf einen frühzeitigen Saisonstart verzichtet. «Wir hätten nicht das bieten können, was passionierte Wintersportler erwarten.» Nervös sei er deswegen aber nicht geworden. «Irgendwann muss es ja kalt werden.» Dem Saisonstart am 17. Dezember stehe nun nichts mehr im Weg.

Frutt setzt im Vorverkauf 20 Prozent mehr Saisonkarten ab

Schnee, soweit das Auge reicht. Aktuelle Aufnahme von der Melchsee-Frutt.

Schnee, soweit das Auge reicht. Aktuelle Aufnahme von der Melchsee-Frutt.

Bild: PD (9. Dezember 2022)

Das stimmt Dommann auch mit Blick auf die Festtage zuversichtlich. Er weiss: «Die Lust auf Schneesport ist in der Bevölkerung sehr gross.» Im Vorverkauf seien rund 20 Prozent mehr Saisonkarten verkauft worden als üblich. Durchschnittlich zählen die Bergbahnen 4500 Saisonkartenbesitzer. Die grosse Nachfrage erklärt Dommann damit, dass die Leute seit der Pandemie mehr Zeit in der freien Natur verbringen wollten. Zudem seien wegen der hohen Inflation in den Nachbarländern die Preise stark gestiegen. In Österreich beispielsweise um bis zu 15 Prozent, während die Preise auf der Frutt auf Vorjahresniveau blieben. Dommann erwartet über die Festtage ein gutes Geschäft. Spielt das Wetter mit, seien ab dem 27. Dezember Spitzentage zu erwarten.

Einen neuen Rekord im Vorverkauf melden die Titlis-Bahnen. Der Vorverkauf sei «so gut wie noch nie gelaufen», sagt Urs Egli. Genaue Zahlen werden erst im Geschäftsbericht publiziert. Auch für die Bergbahnen Klewenalp-Stockhütte verlief der Vorverkauf besser als im Jahr davor. René Koller, Direktor der Bergbahnen Sörenberg, spricht von Zahlen, die vergleichbar seien mit dem Vorjahr. «Das ist angesichts der allgemeinen Teuerung ein gutes Zeichen. Die Leute haben nach zwei Wintern mit Einschränkungen grossen Nachholbedarf.» Über die Festtage dürfte im Dorf Hochbetrieb herrschen. Die Buchungsstände in den Hotels und Ferienwohnungen seien «sehr gut».

Auch bei den Brunni-Bahnen spürt man, dass das Bedürfnis, rauszugehen, gross ist. Fraglich ist für Roman Barmettler hingegen, wie sich die Teuerung auf die Zahlungsbereitschaft der Wintergäste vor Ort auswirkt. «Ich rechne damit, dass das Portemonnaie nicht mehr so locker sitzt.»