LZ-Weihnachtsaktion
Mutter von drei Kindern wurde schwer misshandelt: «Mein Mann sagte immer: ‹Du kannst das sowieso nicht!› Und ich habe ihm geglaubt»

Die dreifache Mutter Monika B. wurde von ihrem Mann gedemütigt und später auch geschlagen. Die LZ-Weihnachtsaktion hilft ihr bei einem Neuanfang.

Arno Renggli
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Menschen, die in Beziehungen Gewalt erleben, halten die leidvolle und demütigende Situation oft viel zu lange aus.

Menschen, die in Beziehungen Gewalt erleben, halten die leidvolle und demütigende Situation oft viel zu lange aus.

Symbolbild: Getty

Die Schläge sind schlimm. Sogar ins ­Gesicht. Und das auch vor den Kindern. Einmal zieht er sie an den Haaren und schleudert sie zu Boden. Doch noch sucht sie keinen Schutz. «Das war falsch», sagt Monika B. rückblickend. Im Frauenhaus Luzern meldet sie sich erst, als sie von ihrem Mann SMS mit Todesdrohungen erhält. Dann erst sucht sie mit ihren drei Kindern Zuflucht.

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Braucht es immer zwei, dass es in einer Beziehung zur Eskalation kommt? Vielleicht, doch Gewalt kann man dadurch nicht rechtfertigen. Im Fall von Monika B. spielt eine nicht untypische Konstellation von Abhängigkeit und entsprechender Machtausübung mit.

Viele Jahre hält sie eine Beziehung aus, in welcher ihr Mann das Sagen hat und sie dies immer wieder spüren lässt.

Sie demütigt mit Aussagen wie: «Du kannst das sowieso nicht.» Etwa, wenn sie den Gedanken äussert, sich einen Teilzeitjob zu suchen. Auch um endlich wieder etwas unter die Leute zu kommen.

Als sie unabhängiger wird, greift er zur Gewalt

«Ich habe ihm geglaubt, dass ich so etwas nicht könne», sagt sie. Doch jede seiner abfälligen Äusserungen lässt ihre Liebe etwas sterben. Aber ihn verlassen? Da sind doch die Kinder. Und sie ist doch auch abhängig von ihm. Finanziell und sozial, denn ursprünglich ist sie nicht aus der Region. Es gibt nur ­seine Familie, seine Freunde. Und ihr Mann schottet sie ab, sodass sie sich kein eigenes Umfeld aufbauen kann. Zementiert ihre Abhängigkeit.

Dann ergreift Monika B. die Ini­tiative. Bewirbt sich um einen befristeten Job mit Nachtschichten. Ihr Mann nimmt das nicht ernst: «Du kannst das sowieso nicht.» Aber sie kann es, arbeitet nachts, kommt mit wenig Schlaf aus und ist tagsüber für die Kinder da. Und ihr Chef ist begeistert von ihrer Arbeit. Bietet ihr bald eine Festanstellung an. Und da wird ihr bewusst, dass es die Abhängigkeit, die sie in der Beziehung festhält, nicht mehr gibt. Und irgendwann findet sie den Mut, ihrem Mann zu sagen, dass sie ihn verlassen will.

«Fixiertes Verständnis von Rollen und Macht»

Noch fällt bei ihm der Groschen nicht. «Du kannst das sowieso nicht.» Doch als er realisiert, dass es ihr ernst ist, schlägt die seelische Gewalt auch in körperliche um. Es kommt zu dramatischen Szenen, etwa als er einmal betrunken in der Wohnung auftaucht, mit einem grossen Messer herumfuchtelt und mit Suizid droht. Der älteste Sohn muss die Polizei rufen. Am Arbeitsort versucht sie, die Verletzungen zu kaschieren. Was schlecht geht, wenn sie ein blaues Auge hat. Auch Gespräche, um die sie der Ex-Partner bittet und auf die sie sich aus Goodwill einlässt, münden oft in Gewalt. Diese endet erst mit der Zuflucht ins Frauenhaus.

Rückblickend ist ihr vieles klar: «Ich denke, dass mein Mann ein sehr fixiertes Verständnis davon hatte, wie die Rollen in einer Beziehung verteilt sind. Dass er totale Macht und Kontrolle über mich wollte. Und als er beides verlor, begann er mit dem Dreinschlagen.»

Inzwischen ist Monika B. mit den Kindern in ihre alte Wohnung zurückgekehrt. Ihr Ex-Mann hat ein Kontaktverbot. Sie hofft aber, dass sich bei ihm ein Einsehen entwickelt und er ihre Entscheidung nun akzeptiert. Seine Beziehung zu den gemeinsamen Kindern würde sie ja gerne ermöglichen. Die frühere Wohnung will sie verlassen und etwas Neues suchen. Die LZ-Weihnachtsaktion unterstützt beim Neuanfang. «Es geht mir heute gut», sagt Monika B. «Für mich war es wichtig, zu erfahren und zu erleben, dass ich in meiner Situation Hilfe bekommen kann. Das war mir vorher überhaupt nicht bewusst. Und dafür bin ich sehr dankbar.»