KOMMENTAR
Am virtuellen St.Gallen Symposium bleibt das Zwischenmenschliche auf der Strecke

Gezwungenermassen hat sich das St.Gallen Symposium 2021 grösstenteils ins Internet verlegt. Weil virtuelle Veranstaltungen viel einfacher zu organisieren sind als reale, müssen die Organisatoren künftig aufpassen, das Fuder nicht zu überladen. Und mit echten Treffen das Emotionale und Informelle zurückbringen. Zumal der Generationendialog wichtig ist und bleibt.

Thomas Griesser Kym
Thomas Griesser Kym
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Sterile Atmosphäre am St.Gallen Symposium: Virtuelle Referentinnen und Referenten vor virtuellem Publikum.

Sterile Atmosphäre am St.Gallen Symposium: Virtuelle Referentinnen und Referenten vor virtuellem Publikum.

Bild: Ralph Ribi (5. Mai 2021)

Das Coronavirus und seine Folgen stellen Organisatoren von Foren, Podien, Symposien und Tagungen vor existenzielle Fragen. Was tun, wenn sich wegen der Schutzmassnahmen nur wenige oder gar keine Leute physisch treffen können? Es gibt Veranstalter, die ihren Event kurzerhand absagen. Andere verlegen ihn ins Internet und straffen ihr Programm. Und nochmals andere klotzen, was das Zeug hält.

Zu Letzteren zählt das St.Gallen Symposium. Zumal vergangenes Jahr Corona ausgerechnet die 50. Ausgabe versenkt hatte. Deshalb galt es dieses Jahr beim Nachholen des Jubiläums zu demonstrieren, und am besten gleich der ganzen Welt: Hurra, wir leben noch!

Mit dabei von irgendeinem Flecken auf dem Erdball

So durften dank Onlineübertragung 2000 statt wie üblich 800 Teilnehmende dabei sein, wenn sich die aktuellen Anführer («Leaders of today») mit den Anführerinnen in spe («Leaders of tomorrow») austauschten. Rund um den Globus wurden zudem ein Dutzend Aussenposten eingerichtet, um möglichst viele physische Minizusammenkünfte zu bewerkstelligen.

Als Folge war das Programm reich befrachtet, am Rande des Überladenen. Unzweifelhaft ist die Kombination aus virtuellen und realen Treffen Modell für das Symposium der Zukunft. Die Organisatoren sind aber gut beraten, darauf zu achten, dass es nicht ausufert. Gerade digital kann man einfach und effizient beliebig Leute miteinander vernetzen, die Tausende Kilometer von­einander entfernt sitzen.

Spontane Treffen und Diskussionen bei einem Kaffee als Salz in der Suppe

Dabei pflegen jedoch die Emotionen, die direkte Interaktion zwischen den Referentinnen und Referenten, vor allem aber auch mit dem Publikum, auf der Strecke zu bleiben. Ganz zu schweigen von den fehlenden persönlichen, oft spontanen Debatten auf dem Campus in den Pausen an der Bar oder beim Lunch.

Und inhaltlich? «Trust matters» (Vertrauen zählt) lautete das Oberthema. Eine Binsenweisheit. Und Voraussetzung seit je, dass Menschen und Gesellschaften miteinander aus- und vorwärtskommen. So gab es denn auch viele bekannte Schlagworte zu hören wie Verantwortungsbewusstsein oder Nachhaltigkeit.

Immerhin: Das Symposium trägt dazu bei, dass der Dialog weitergeht, und dies auch zwischen den Generationen. Nächstes Jahr gerne wieder realer. Und virtuell in Massen.