Gossau
«Ich bin enttäuscht von der Stadt»: SP kämpft erfolglos für ein Verbot von Feuerwerk auf Gossauer Boden

Das Gossauer Stadtparlament will nichts wissen von einem Feuerwerksverbot. Hingegen hat es den Ausbau des Bädlibachs und die Verlegung der Alten Herisauerstrasse für 865'000 Franken einstimmig bewilligt.

Melissa Müller
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Es darf weiterhin geknallt werden: 1.-August-Feier mit Feuerwerk in Gossau.

Es darf weiterhin geknallt werden: 1.-August-Feier mit Feuerwerk in Gossau.

Bild: Urs Bucher (31. Juli 2010)

Viele Menschen und Tiere wären froh, wenn kein Feuerwerk mehr auf Gossauer Boden gezündet würde – davon ist Werner Bischofberger (SP) überzeugt. Er plädiert für ein Verbot von jeglichem Feuerwerk. Das geht dem Gossauer Stadtrat zu weit. «Ich bin enttäuscht von der Stadt», sagt Bischofberger an der Parlamentssitzung am Dienstagabend im Fürstenlandsaal. Er verweist auf Luftverschmutzung, Lärm und Abfall. Die Stadt mache auch noch mit beim «unsinnigen Vergeuden» und programmiere ein 1.-August-Feuerwerk:

«Da werden Steuergelder verpufft.»
Werner Bischofberger, SP.

Werner Bischofberger, SP.

Bild: PD

Die Begründung des Stadtrats, dass es zu aufwendig wäre, die Regelung im Polizeireglement zu überarbeiten, ärgert den Parlamentarier: «Ja klar muss ein Reglement geändert werden. Das ist ja der Sinn der Motion!»

Bischofberger fordert das Parlament auf, die Chance für eine Neuregelung zu ergreifen. «Gossau wäre für einmal keine graue Maus.» So wie Bündner Gemeinden wie Davos, Arosa und Brigels, die bereits solche Verbote kennen.

Die Motion «Ohne Knaller feiern» hat jedoch auch im Parlament keine Chance. Sie wird mit 23 Nein- zu 4 Ja-Stimmen nicht erheblich erklärt. Der Stadtrat weist darauf hin, dass auf nationaler Ebene bereits eine Volksinitiative für ein Feuerwerksverbot läuft.

Bädlibach wird verbreitert

Unbestritten ist jedoch, dass es beim Bädlibach einen Hochwasserschutz braucht. Das Gossauer Stadtparlament genehmigt den Kredit für den Ausbau des Bädlibachs von 350'000 Franken einstimmig. Der Kanton übernimmt voraussichtlich zwei Drittel dieser Kosten. In Zusammenhang mit dem ersten Modul der Sportwelt Gossau werden die Massnahmen zum Hochwasserschutz vorgezogen ausgeführt.

Der Bädlibach ist nicht so harmlos, wie er aussieht. Sollte er bei extremen Regenfällen übers Ufer treten, könnte er die Schulen und Sportanlagen im Gebiet Buechenwald, den Bahnhof und einige Häuser überfluten.

Der Bach soll nun so ausgebaut werden, dass er ein Hochwasser verkraften kann, wie es statistisch alle 300 Jahre vorkommt. Er wird vergrössert. Bei der Brücke zur Seminarstrasse wird eine Kragenmauer erstellt, die einen Abfluss unter Druck ermöglicht. Auch ein Schwemmholzrechen wird montiert, um Verklausungen von Schwemmholz bei der Brücke zu verhindern.

Alte Herisauerstrasse wird verschoben

Wird der Bädlibach verbreitert, muss die Alte Herisauerstrasse fünf Meter nach Norden verschoben werden. Sie wird im ersten Abschnitt zu einem Teil der neuen Zufahrtsstrasse, die bis zur neuen Tribüne führen soll.

Mannschaftsbusse, Lieferanten und Mitarbeitende werden künftig südlich zu den neuen Sportanlagen zufahren. Dazu wird ab der Seminarstrasse eine neue Zufahrt erstellt. Auf der Alten Herisauerstrasse, die nur 3,5 Meter breit ist, werden sechs Meter breite Ausweichstellen eingebaut, damit Feuerwehr und Sanität kreuzen können.

Für das Strassenbauprojekt sind 515'000 Franken veranschlagt. Die Hälfte davon ist im Mai mit dem Baukredit für die Sportwelt Gossau bewilligt worden. Nun hat das Stadtparlament auch die zweite Kredittranche von 257'500 Franken einstimmig beschlossen.

Nach dem aktuellen Stand der Sportwelt Gossau gefragt, erklärt Stadträtin Gaby Krapf, dass ab 21. November neun Teilprojekte öffentlich aufliegen werden. In der Fragerunde sagt sie zudem, dass der 2017 vom Parlament beschlossene Geh- und Radweg Wilerstrasse beim Bundesgericht hängig sei.

Keine Weihnachtssterne mehr an der Bahnhofstrasse

Stadträtin Claudia Martin führt aus, dass auch nach dem Ausstieg der Stadt aus der Energienetz GSG AG Fernwärmeprojekte in Gossau möglich bleiben. Momentan werde das Potenzial auf Stadtgebiet untersucht. Um Strom zu sparen, werden die Weihnachtssterne an der Bahnhofstrasse nicht mehr aufgehängt. Bereits im letzten Advent wurde darauf verzichtet. «Die Giebelweihnachtsbeleuchtung ist ausreichend», sagt Martin.

Wie geht es weiter mit dem geplanten Familienzentrum? Das Marienheim, in dem ein reduziertes Familienzentrum betrieben wird, stehe langfristig nicht mehr zur Verfügung, sagt Stadträtin Helen Alder. Für ein ausgebautes Zentrum sei ein Standort gefunden. Der Stadtrat will sich nächstes Jahr mit der Planung befassen.