Sie sind bereit für das Pfadi-Abenteuer

ZUG ⋅ Am Jamboree treffen sich 30 000 Pfader aus der ganzen Welt. Mit dabei sind auch Anna Hotz und Laurent Kamer. Sie können es kaum erwarten, bis die Reise nach Japan endlich losgeht.
24. Juli 2015, 00:00

Rahel Hug

Was habe ich bereits eingepackt, und was brauche ich noch? Diese Frage ist für Anna Hotz und Laurent Kamer derzeit zentral. Die beiden Zuger Pfadfinder starten nämlich in ein grosses Abenteuer: Am Montag reisen sie gemeinsam mit 38 weiteren pfadibegeisterten Zentralschweizern nach Kirara-hama in der Präfektur Yamaguchi im Süden Japans. Dort findet das World Scout Jamboree 2015 statt, ein Pfadilager mit fast 30 000 Teilnehmern aus der ganzen Welt (siehe Box).

Anna Hotz, in der Pfadi heisst sie Joker, und Laurent Kamer, auf den Pfadinamen Snirg getauft, blicken dem Lager mit einer Mischung aus Vorfreude und Respekt entgegen wobei die Vorfreude eindeutig den grösseren Anteil ausmacht: «So eine Chance gibt es nur einmal im Leben. Ich freue mich riesig auf dieses Abenteuer», sagt Laurent Kamer. Der 17-Jährige ist in der Pfadi Zug aktiv und beginnt nach den Sommerferien eine Lehre als Zimmermann. Anna Hotz (16) von der Pfadfinderinnenabteilung Zug (PAZ) pflichtet ihm bei: «Schon seit vier Jahren weiss ich, dass ich an diesem Lager teilnehmen will. Jetzt ist es endlich so weit», so die Kantischülerin.

Teilnahme kostet 4500 Franken

Schon lange träumten Anna Hotz und Laurent Kamer davon, ein Jamboree zu erleben. Beide hätten sich am liebsten bereits für das letzte Weltlager es fand 2011 in Schweden statt – angemeldet. Damals waren sie aber noch zu jung: Das Lager richtet sich an 14- bis 17-jährige Teilnehmer. Für das diesjährige Jamboree hat Anna Hotz bereits vor vier Jahren ein Kässeli aufgestellt. Denn für das Abenteuer müssen die Jugendlichen tief in die Tasche greifen: Bis zu 4500 Franken kostet die Teilnahme. Dabei spielt jedoch der Solidaritätsgedanke: Mit ihrem Beitrag unterstützen die Schweizer Pfader aus ärmeren Ländern, sodass auch Jugendliche mit weniger Geld die Gelegenheit erhalten, ein Jamboree zu erleben.

Um den Betrag zusammenzubringen, hat Anna Hotz mehrere Ferienjobs angenommen und lange gespart. «Ich habe es zu meinem persönlichen Projekt gemacht», erzählt sie. Trotzdem sei der Beitrag ohne die Unterstützung von Eltern und Verwandten kaum zu stemmen.

«Chrüüterchraft»

Die beiden jungen Zuger sind Teil des Trupps Chrüüterchraft, in dem auch Pfader aus Schwyz und dem Säuliamt vertreten sind. Im vergangenen September haben sie sich zum ersten Mal mit ihren Truppkollegen getroffen. In den Monaten darauf ist viel Kreatives entstanden: Die Jugendlichen haben ein Logo entwickelt und ein Abzeichen, Kleber, ein T-Shirt und viele weitere Gadgets gestaltet. Für den Namen Chrüüterchraft hätten sie sich entschieden, weil Ausländer das Wort nur schlecht aussprechen könnten, wie Laurent Kamer mit einem Lachen erzählt. Passend zum Namen, der vielen aus der Ricola-Werbung bekannt sein dürfte, werden die Zentralschweizer als Gastgeschenke die süssen Bonbons mit nach Japan nehmen.

Die Vorbereitungstage und -weekends haben Laurent Kamer und Anna Hotz sehr positiv erlebt. «Wir hatten viele Freiheiten und durften selbstständig planen», erzählt Laurent Kamer. Ausserdem hätten sie bereits viele neue Leute aus den anderen Abteilungen kennen gelernt. An den Trupptagen sind die jungen Pfader auch informiert worden, worauf sie im Umgang mit anderen Kulturen achten müssen. Pfader aus dem Ausland haben die beiden bisher nämlich nicht kennen gelernt. «Wir wissen nur, dass Pfadiabteilungen in einigen Ländern ziemlich militärisch organisiert sind und die Leiter im Alter unserer Eltern sind», berichtet Anna Hotz. Für die junge Oberwilerin ist es das erste Mal, dass sie ein Land ausserhalb von Europa bereist. Laurent Kamer war bereits einmal in Sri Lanka.

Besuch in Hiroshima

Im zweiwöchigen Jamboree, das unter dem Motto «WA A Spirit of Unity» steht, erhalten die Teilnehmer die Möglichkeit, Hiroshima und den Friedenspark zu besuchen. Im sogenannten Global Development Village wird über Umweltschutz und Menschenrechte diskutiert, und während eines Tages werden sich die Pfader mit Wissenschaft und Technik auseinandersetzen. «Ich bin sehr gespannt, was uns alles erwartet», sagt Laurent Kamer. Am meisten freue er sich auf das Tauschen: «Ich möchte möglichst viele Mitbringsel aus anderen Ländern mit nach Hause nehmen.» Das hat auch Anna Hotz vor. Sie freue sich darauf, andere Kulturen kennen zu lernen. Wie sie ihre japanischen Kollegen begrüssen werden, wissen Snirg und Joker bereits: Das «Konichiwa» (japanisch: guten Tag) beherrschen sie fast schon akzentfrei.


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