Mit Kraft und Disziplin zum Erfolg

21. Oktober 2014, 00:00

Zug Für ihre Leidenschaft gibt Anja Zürcher alles. Jetzt greift die Vize-Schweizer-Meisterin im Natural Bodybuilding in Unterägeri nach der Goldmedaille.

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Für ihren perfekt geformten Körper nimmt Anja Zürcher vieles auf sich. Regelmässiges Krafttraining und eine strikte Ernährung sind für die 28-jährige Fitnesstrainerin und Bodybuilderin unabdingbar, Disziplin wird in ihrem Alltag grossgeschrieben. Was für viele andere vor allem Mühe und Aufwand bedeutet, ist für Anja Zürcher sowohl Leidenschaft als auch Beruf: nämlich sich fit zu halten, in Kraft zu üben und die Muskeln aufzubauen. Am kommenden Samstag gilt es für die junge Zugerin ernst: Sie startet in der Kategorie «Best Body Swim Suit» an der Schweizer Meisterschaft der Swiss Natural Bodybuilding and Fitness Federation (SNBF), die in der Ägerihalle in Unterägeri ausgetragen wird.

Vize-Schweizer-Meisterin

Fitnessbegeistert ist Anja Zürcher bereits seit jungen Jahren. Als gelernte Augenoptikerin blieb ihr allerdings nur wenig Zeit, Sport zu treiben. So beschloss sie vor rund drei Jahren, sich neu zu orientieren. Sie liess sich zur Aerobic-Instruktorin ausbilden und fand eine Stelle als Group-Fitness-Leiterin im Fitnesspark Eichstätte in Zug. Es folgten zahlreiche Weiterbildungen in verschiedenen Disziplinen wie Bodypump, Cardio oder Polefitness. Die Leidenschaft fürs Bodybuilding entdeckte Anja Zürcher Anfang 2013. Inspiriert von der Bodybuilding-Bewegung in den USA, beschloss sie, selber an Wettkämpfen teilzunehmen. Mit Mario Müller, dem Leiter des Fitnessparks Allmend in Luzern, fand sie einen Coach, der sie bei der Vorbereitung tatkräftig unterstützte. «Ich habe enorm viel trainiert, um mein heutiges Niveau zu erreichen», sagt die 1,64 Meter grosse Zugerin. Dieser Einsatz hat sich gelohnt. Im Oktober 2013 nahm sie an der Herbstmeisterschaft des IFBB (International Federation of Bodybuilding & Fitness), an der Schweizer Meisterschaft des IFBB sowie an der Schweizer Meisterschaft der SNBF teil und schaffte es bei allen drei Wettkämpfen aufs Podest: Seitdem ist sie Vize-Schweizer-Meisterin im Natural Bodybuilding.

Die Wettkämpfe sind für Anja Zürcher Herausforderung und Spass zugleich. «Ich liebe es, auf der Bühne zu stehen. Dann kann ich zeigen, was ich all die Monate zuvor aufgebaut habe», sagt sie. Sich nur mit einem knappen Bikini bekleidet den Juroren zu präsentieren, damit hat sie kein Problem: «Klar, Bodybuilding braucht eine gesunde Portion Selbstbewusstsein.» Während der Show denke sie aber kaum an das Publikum: «Man ist voller Adrenalin. Das motiviert, auf der Bühne alles zu geben. In dem Moment fühle ich mich einfach nur gut und habe Freude am Auftritt.»

Keine künstlichen Substanzen

Anja Zürcher betont, dass es bei den Wettkämpfen nicht darum gehe, speziell schlank zu sein: «Was zählt, ist ein definierter Körper. Dazu gehören kräftige Arme und Beine sowie weibliche Rundungen.» Doch genau dieses Schönheitsideal von Bodybuildern kommt nicht überall gut an nicht zuletzt, weil zu viele Muskeln und braun gebrannte Körper schnell einmal unnatürlich aussehen. Ein Thema, mit dem sich auch Anja Zürcher auseinandersetzt. «Sport darf nicht ungesund sein», zeigt sich die Fitnessinstruktorin überzeugt. Sie sei deshalb eine Gegnerin von künstlichen Substanzen für den Muskelaufbau. «Mit dem richtigen Training und gesunder Ernährung kann man viel erreichen.» Das sei auch ihr Antrieb, an Wettkämpfen teilzunehmen: «Ich möchte ein Vorbild sein und junge Leute anspornen, sich sportlich zu betätigen.» Dazu passt, dass sie im Jahr 2015 die Botschafterin für das Sportfestival Boardstock sein wird.

Nichtsdestotrotz ist die Vorbereitung auf eine Meisterschaft hart. Das Gewicht muss zusätzlich reduziert und die Flüssigkeitszufuhr eingeschränkt werden damit die Muskeln besser sichtbar werden. Das sei sicherlich nicht gut für den Körper – weil sie sich aber sonst gesund ernähre, sei das für die kurze Zeit vertretbar, sagt Anja Zürcher. Stimmen muss auch das Äussere: Damit die Körperkonturen besser zur Geltung kommen, werden die Bodybuilder am Vorabend und am Wettkampftag mit Spezialcreme eingecremt. Auch Make-up und eine perfekte Frisur gehören dazu. Ein nicht alltäglicher Auftritt, dem die junge Zugerin freudig entgegenblickt. Über die Goldmedaille würde sie sich riesig freuen, betont Anja Zürcher. Sie nehme aber auch teil, um einen tollen Tag zu erleben: «Ich möchte den Wettkampf von A bis Z geniessen.»

Geniessen wird sie auch die Zeit nach dem 25. Oktober, wenn es wieder etwas ruhiger zu und her geht: «Ich werde sicher viel Zeit mit meinem Freund verbringen», sagt die Sportlerin. Wenn sie einmal nicht trainiert oder Kurse gibt, ist sie zum Beispiel beim Salsatanzen anzutreffen. Ob die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft ein Thema ist? «Das könnte ich mir gut vorstellen», sagt Anja Zürcher. Was in den nächsten Jahren auf sie zukommt, weiss die ehrgeizige Zugerin derzeit noch nicht genau. Für sie steht vor allem eines fest: «Ich bin aktuell sehr zufrieden unter anderem, weil ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe.»

«Ich möchte ein Vorbild sein.»

Anja Zürcher


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