Echte Pferdestärken bestimmen sein Leben

REITEN ⋅ Andreas Hugener betreibt mit seiner Familie einen Ausbildungsstall im Alosen. Er bestreitet selbst Springturniere im In- und Ausland. Seine Pferde können Spitzenklassierungen bis zum Niveau Schwer vorweisen.
30. Mai 2017, 07:49

Nadine Wyss

sport@zugerzeitung.ch

Die Fahrt zum Reitbetrieb von Andreas Hugener wird jäh gestoppt. Kühe überqueren gemächlich die Strasse. Es ist Zeit, in den Stall zu gehen, die Euter sind prall gefüllt. Die Pause erlaubt einen Blick rundherum: Weiden und Hügel so weit das Auge reicht, sogar ein Blick auf die Spitze der Rigi ist zu erhaschen. Auf der Strasse weiter unten wird die ganze Anlage im Alosen sichtbar. Ein neuwertiges Stallgebäude mit grossen Auslaufboxen sowie ein überdachter Reitplatz mit aufgestellten Hindernissen offenbaren die Leidenschaft des Reitstallbesitzers – der Springsport.

Andreas Hugener (37) lebt mit seiner Frau Daniela (44), Tochter Lina (8) und Schäferhündin Tamara auf dem stattlichen Anwesen in einem Drei-Familien-Haus, wo auch Hugeners Vater lebt. Der Familienvater ist ursprünglich gelernter Elektriker. Nach dem Berufswechsel in die Pferdebranche arbeitete er in einem grossen Handelsstall und bestand die Berufsprüfung zum Bereiter. Inzwischen stehen 22 Pferde in seinen zwei Ställen, wovon 16 Ausbildungs- und Sportpferde sind. Die erste Box im neuen Stalltrakt besetzt eine Fuchsstute mit dem Namen «Eyjafjalla». Der Name der Schweizer Warmblutstute, die Hugener selbst gezüchtet hat, erinnert an den Vulkanausbruch in Island vor sieben Jahren, als sie auf die Welt kam. Die Mutter von «Eyjafjalla», eine ehemalige Sport- und Zuchtstute, geniesst inzwischen ihre Pension. Hugener ist überzeugt, dass bei guten Stuten jeweils viele Eigenschaften über die Mutter vererbt werden: «Hat die Stute gute Veranlagungen, ist der Hengst eigentlich sekundär.» Wie auch andere Züchter hoffte auch er, einen Coup zu landen. Dieser scheint dem Hobbyzüchter mit der Fuchsstute zu gelingen. «Eyjafjalla entwickelt sich prächtig», erklärt er stolz.

Abwechslung ist das Codewort

Die Boxen von rund 14 Quadratmeter und der dazugehörige grosse Auslauf bieten den Pferden optimale Bedingungen. Neben Kraftfutter werden die Pferde mit Heu und einem Mineralsalzleckstein versorgt, sie geniessen regelmässig Weidegang. Für den Ausgleich neben dem Dressur- und Springtraining sorgen Ausritte ins Gelände. Als Ergänzung und Vorbereitung für das tägliche Training kommt eine Führmaschine zum Einsatz. Rund 40 Minuten drehen mehrere Pferde in Abteilungen ihre Runden. «Die Pferde mögen das. Es ist nicht so, dass sie nach Ablauf der Zeit unbedingt da raus wollen», erklärt Daniela Hugener. «Pferde können nicht genügend Bewegung erhalten. In der Natur sind sie ständig in Bewegung und auf Futtersuche», pflichtet der Springreiter seiner Frau bei.

Die Pferde, die teilweise im Fohlenalter von ihren Besitzern erworben werden, verbringen die ersten drei Jahre ihres Lebens auf der Weide. Dann kommen sie zum Anreiten nach Alosen. Sind die ersten Lektionen absolviert, geht es wiederum auf die Weide. «Das ist wie beim Velofahren. Hat man es mal intus, verlernt man es nicht wieder», erklärt der Fachmann. Beim zweiten Anlauf steht bereits ein leichtes Springtraining auf dem Programm, und mit vier Jahren dürfen die Pferde das erste Mal Turnierluft schnuppern, bevor wiederum eine Weidepause ansteht. Hugener ist sich bewusst, dass dieses sachte Anreiten nicht überall so gehandhabt werden kann. Er gibt sich demütig: «Wir befinden uns in der privilegierten Lage, es so machen zu können.»

Hugener kann das Potenzial eines Jungtiers nicht anhand dessen Körperbau und Bewegungsablauf erkennen, im Gegensatz zu einem Berufszüchter oder Händler, gibt er offen zu. «Ich fühle es, wenn ich darauf sitze. Beim Reiten oder Freispringen offenbart sich das Talent. Es gibt Pferde mit viel Vermögen, welche man an die Sprünge heranführen muss. Andere besitzen nicht so viel Sprungkraft, arbeiten aber aktiv mit – jedes Pferd ist anders.»

An den meisten Wochenenden im Einsatz

Der Alösler steht jeden Tag um sechs Uhr auf und trainiert täglich zehn Pferde. Obschon Reiten gut für den Rücken sein soll, könne dieser zwischendurch auch mal Probleme bereiten. Hugener ist dankbar, bei bester Gesundheit zu sein. Seine Arbeit wird gekrönt durch die Erfolge bis zur Stufe S (Schwer) im Springsport. Mit der braunen Stute Irene feierte er Erfolge bis zur Hindernishöhe 1,45 Meter, mit Gondra und Pallina bis 1,40 Meter. Der Profireiter verdient seinen Unterhalt vor allem mit dem Geld, das er mit der Ausbildung und dem Beritt der Pferde verdient. Doch auch Preisgeld an Springprüfungen sind eine Einnahmequelle. So verbringt das Ehepaar die meisten Wochenenden auf den Turnierplätzen in der Schweiz, manchmal auch im Ausland. Tochter Lina hat sich daran gewöhnt. Sie profitiert davon, dass Mami und Papi unter der Woche für sie da sind, schliesslich können beide zu Hause arbeiten. Am vergangenen Sonntag war Lina Hugener selbst im Einsatz: Sie durfte mit ihrem hübschen Pony an einem Gymkhana (Geschicklichkeitsspiele für Pferd und Reiter) teilnehmen.

Mehrere Starts an der Springkonkurrenz

Ab kommendem Donnerstag findet die Zuger Springkonkurrenz auf dem Stierenmarktareal statt. Andreas Hugener wird mit einer hochstehenden Delegation vor Ort sein. Der 37-Jährige wird mit mehreren Pferden in verschiedenen Prüfungen am Start sein. Er wünscht sich, an die Erfolge und Klassierungen bis Stufe 1,40 Meter anknüpfen zu können. Hugener freut sich auf das Turnier in seinem Heimatkanton. «Dies ist immer etwas Besonderes», sagt er. Seine Freunde und Bekannten, aber auch Nachbarn und Bewohner aus dem Dorf fieberten mit. «Es kommen sogar welche, die sonst nichts mit dem Pferdesport am Hut haben.»

Auf den Videos der Vorstellungen, die er sich anschliessend in einer ruhigen Minute anschaut, könne er den Applaus und die Jubelrufe nochmals richtig geniessen.


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