Zwei Schwestern starten durch

ROLLHOCKEY ⋅ Stephanie (17) und Maria (17) Gehlhaar wollen mit dem RHC Uri nächstes Wochenende Grosses erreichen. Sie erzählen, wie sie sich gegenseitig motivieren und was sie noch für sportliche Träume hegen.

24. Januar 2017, 08:00

Philipp Zurfluh

philipp.zurfluh@urnerzeitung.ch

Sie gehören wohl zu den grössten Talenten im Schweizer Rollhockeysport – das Geschwisterpaar Maria und Stephanie Gehlhaar aus Seedorf. Rollhockey ist eine Sportart, die in der Schweiz bei den Frauen höchstens eine Randnotiz einnimmt. «Ich wurde schon öfter gefragt, was Rollhockey überhaupt ist und wie man das spielt», sagt Stephanie lächelnd, die jüngere der beiden Schwestern.

Die Leidenschaft für den Ballsport auf Rollschuhen packte die Schwestern schon im zarten Alter: «Als wir 6-jährig waren, besuchten wir ein Schnuppertraining, seit diesem Tag können wir uns ein Leben ohne diesen Sport nicht mehr vorstellen», meint Maria. Stephanie hätte sich auch vorstellen können, eine Karriere als Leichtathletin einzuschlagen. Aber: «Rollhockey hat mich sofort gepackt», sagt die 17-Jährige. «Dieser Sport fasziniert mich deshalb, weil es eine Kombination aus Rollschuhfahren und ausgefeilter Stocktechnik mit dem Ball ist.»

Heute, über zehn Jahre nach den ersten Gehversuchen auf den Rollschuhen, stehen die beiden sympathischen und ehrgeizigen Sportlerinnen vor der Stunde der Wahrheit: Am Wochenende streben die Frauen des RHC Uri in der Rollhockeyhalle in Seedorf den Cupsieg an, die wie die Männer unter den letzten vier im Cup verbleibenden Mannschaften stehen. Die Urnerinnen sind heisser Titelanwärter: «Wir freuen uns extrem auf den Event und sind motiviert bis in die Zehenspitzen», kündigt Stephanie voller Selbstvertrauen und Überzeugung an. Nervosität lassen sich die beiden Talente noch nicht anmerken. «Es ist für uns eine Ehre, vor so viel Publikum zu spielen. Das macht uns mächtig stolz.» Erwartet wird eine gefüllte Halle mit bis zu 1000 Zuschauern.

Es ist gar noch nicht mal so lange her, da spielten die beiden Frauen in einem Männerteam, bei den U-17-Junioren des RHC Uri. Für eine Nachwuchsmannschaft bei den Frauen hat es nämlich zu wenige Spielerinnen. Sie hatten damit nicht das geringste Problem. Im Gegenteil: «Wir konnten nur profitieren», so Maria, die diesen Sommer an der Kantonalen Mittelschule Uri ihre Matura abschliesst. Mit diesem Team sicherten sie sich schliesslich den Schweizer-Meister-Titel.

Die Karriere der aufgestellten und unkomplizierten Schwestern geht steil bergauf. Bereits vergangenes Jahr konnten erste Erfahrungen auf europäischer Bühne gesammelt werden. Das U-17-Team des RHC Uri hat im Sommer erstmals in der Vereinsgeschichte am Eurockey-Cup in Spanien teilgenommen. Die beiden Seedorferinnen kommen bei diesen Erinnerungen ins Schwärmen. «Das Niveau war hoch. In Sachen Tempo und Effizienz waren uns die meisten Mannschaften voraus», meint die Jüngere der beiden. Maria pflichtet ihr bei, sagt aber: «Genau diese Erfahrungen sind enorm hilfreich für die Zukunft.»

Dank ihren Toren zur Bronzemedaille

Auch vor rund fünf Wochen trumpften Stephanie und Maria auf, als sie mit der Schweizer U- 17-Nationalmannschaft eine historische Marke setzten. Im rot-weissen Trikot der Schweizer U-17-Nationalmannschaft besiegte das Team einen spanischen Gegner – das ist einer Schweizer Mannschaft noch nie gelungen. Zu den Matchwinnern wurden die Gehlhaar-Geschwister. Sie waren für zwei der drei Treffer zuständig.

Die Harmonie zwischen den beiden funktioniert nicht nur auf dem Platz: «Wir sind nicht nur Schwestern, sondern auch beste Freundinnen.» Der Austausch nach einem Training oder Spiel ist ihnen wichtig: «Ist jemand von uns schlecht gelaunt, wird sie von der anderen aufgebaut und motiviert», betont Stephanie, die ihr 2. Lehrjahr bei der «Bürgin Gärtnerei AG» in Schattdorf absolviert. Maria ergänzt: «Wir können nach einem Training oder Spiel nicht gleich abschalten, und so analysieren wir auch Stunden danach noch fleissig weiter.»

Im Fokus der beiden Talente steht jetzt der Final-4, doch sie denken auch weiter in die Zukunft. Stephanie formuliert ihre Ziele vorsichtig: «Es wäre ein Traum, den Sprung in die Elite-Nationalmannschaft zu schaffen.» Doch sie möchte nichts überstürzen und sich Schritt für Schritt verbessern, wie sie sagt. Und Maria hofft auf ein erfolgreiches Saisonende mit den Frauen des Rollhockeyklubs Uri: «Schweizer Meister, das wäre unglaublich schön.»

Final-4 in Seedorf

In der Rollhockeyhalle in Seedorf kommen bald in den Genuss von nationalem Spitzen-Rollhockeysport. Die vier besten Männer- und die vier besten Frauenteams machen untereinander den Cupsieger aus. Die Männer des RHC Uri spielen am kommenden Freitagabend (19.00) gegen den RHC Dornbirn. Danach (21.00) kommt es zum Duell zwischen Genf und dem SC Thunerstern. Am Tag darauf spielen die Urner Frauen (10.00) gegen den RSC Uttigen, um 12 Uhr treffen der RHC Vordemwald und der RHC Diessbach aufeinander. Gleichentags findet um 18 Uhr der Final der Frauen und der Final der Männer (21.00) statt. (pz)


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