Zwei Freunde wollen es wissen

KARATE ⋅ Florian Weber und Yannik Faes starten heute für die Schweiz an der Karate-WM in Lienz. Die Freunde aus Triengen erzählen, was sie von den Wettkämpfen in Österreich erwarten.
25. Oktober 2016, 05:00

Es ist eine WM der Superlative: 1238 Athleten aus 118 Nationen, über 500 Offizielle, mehr als 200 Trainer und Schiedsrichter werden am fünftägigen Turnier im österreichischen Lienz diese Woche teilnehmen, nie waren es auch nur annähernd so viele. Mittendrin werden dann auch Florian Weber und Yannik Faes stehen, die im Kumite bei der Elite teilnehmen. Die beiden Freunde von der Karateschule Sursee konnten sich aufgrund starker Leistungen in dieser Saison für das Turnier der besten Karateka der Welt qualifizieren.

Während Faes im Team antreten wird, bestreitet Weber zusätzlich noch den Einzelwett­bewerb in der Elite-Kategorie bis 84 Kilogramm. Dementsprechend freut sich der 26-jährige Maschinenbaukonstrukteur auf die WM: «Diese Weltmeisterschaft ist eine einmalige Gelegenheit für mich. Ich konnte mich in den letzten Jahren stets steigern, und nun zahlt sich die harte Arbeit aus.» Weber konnte in diesem Jahr bereits zweimal (Sursee, Fribourg) an den Swiss-Karate-League-Turnieren in der Schweiz triumphieren und befindet sich zurzeit in bestechender Form. «Ich fühle mich im Moment top vorbereitet, sowohl physisch wie auch psychisch. Ich gehe mit der Einstellung nach Lienz, dass ich jedem Gegner gleichgestellt bin und dass mit der besten Leistung alles möglich ist», so der Schweizer Meister von 2015, der in der Vorbereitung auch intensiv auf Mentaltraining zurückgegriffen hat. Zusammen mit Mentaltrainer Reto Faden hat Weber ein Konzept erarbeitet: «Wir kreieren zusammen Situationen, die ich im Kampf antreffen könnte, finden eine Lösung heraus und setzten diese im Unterbewusstsein fest. Zudem habe ich noch einen Einstellungsplan, wie ich an einen Kampf gehe», so der 26-Jährige.

Faes Premiere an der WM

Während Weber 2014 in Bremen mit dem Team bereits an einer Weltmeisterschaft teilnehmen konnte, steht sein Jugendfreund Yannik Faes zum ersten Mal unter den besten Athleten der Welt. «Für mich ist das ein spezielles Turnier, eine gewisse Nervosität ist da normal», betont der dreifache Schweizer Meister im Kumite bis 65 Kilogramm, der im Team-Wettkampf antreten wird. Dort bestreiten jeweils fünf verschiedene Kämpfer eines Teams einen Kampf. Das Spezielle am Teamwettbewerb ist, dass es keine Gewichtsklassen gibt und der eher schmächtige Faes somit auch auf ähnliche Kaliber wie Florian Weber treffen könnte.

«Das ist sicherlich speziell, aber ich bin als kleiner Athlet nicht unbedingt im Nachteil. Ich muss einfach meine Schnelligkeit ausnützen und mich viel bewegen», betont Faes, der seine Ziele für die WM eher bescheiden formuliert: «Ich will meine persönlich beste Leistung abrufen. Es spielen immer sehr viele Faktoren eine Rolle, die man nicht kontrollieren kann. Von einem bestimmten Resultat zu sprechen, wäre daher vermessen, vor allem weil andere Athleten diesen Sport professionell betreiben, während wir unser Hobby in den Berufsalltag einbinden müssen», so Faes, der sich aber nicht von Beginn an geschlagen geben will: «Wenn alle ihre beste Leistung abrufen können, ist eine gute Klassierung absolut möglich. Es wäre schön, wenn wir die ersten paar Runden überstehen könnten.»

So ähnlich und doch so verschieden

Die beiden 26-jährigen Karateka Weber und Faes verbindet eine lange Freundschaft. Seit der Kindheit trainieren sie jeweils Seite an Seite ihre Karatefähigkeiten und haben auch neben dem Kampfsport ähnliche Interessen. Dennoch sind sie in ihrem Sport durchwegs verschieden. Während Faes eher schmächtig daherkommt, scheint Weber wie das Gegenstück zu Faes. Der grosse und kräftige Athlet weiss aber um die Stärke seines Freundes: «Yannik hat eine extreme Schnelligkeit, die den Gegnern und auch mir häufig zu schaffen macht», lobt Weber seinen Freund. Faes auf der anderen Seite betont vor allem Webers starke Physis: «Bei ihm ist es die Reichweite, die ihn besonders ausmacht. Er ist gross und kann dadurch eine grosse Distanz überbrücken. Wenn er das gut ausnützt, wird es für jeden Gegner schwierig, gegen ihn zu kämpfen.»

Bereits am vergangenen Sonntag reisten die beiden zusammen ins österreichische Lienz, wo sie nun beweisen wollen, dass sich ihre wochenlange Vorbereitung gelohnt hat und dass sie auch gegen professionelle Karateka durchaus bestehen können.

Tokio 2020 ist das grosse Ziel

Der Aufschrei der Karate-Gemeinschaft war gross, als im Sommer bekannt gegeben wurde, dass die Kampfsportart 2020 in Tokio erstmals überhaupt olympisch sein wird. «Fürs Karate bedeutet das sehr viel. Alle Karatekas der Welt haben darauf gepocht, dass die Sportart endlich olympisch wird», zeigt sich Yannik Faes glücklich über den Entscheid.

Faes selbst setzt sich die Teilnahme nicht zum spezifischen Ziel, sondern will einfach einmal schauen, was sich ergibt. Ganz anders klingt dies bei Florian Weber: «Ich träume seit meiner Kindheit von Olympia. Die Teilnahme ist absolut ein Ziel, aber der Weg dahin wird sehr steinig und hart. Ich werde im Januar eine Planung für die nächsten vier Jahre machen und auf die Teilnahme hinarbeiten. Ob man das Ziel erreicht, wird sich dann zeigen.» Dass der Karate-Sport olympisch wird, ist allerdings nicht nur aus persönlicher Sicht eine Genugtuung: «Dieser Entscheid verschafft dem Karatesport extrem viele Möglichkeiten, weil er dadurch populärer wird. Man sieht das an den diesjährigen Teilnehmerzahlen an der WM», so Weber.

ram

Roger Amberg


Leserkommentare

Anzeige: