Tempoteufel – in jeder Lebenslage

LANDHOCKEY ⋅ Hockey dominiert sein Leben: Wo Silvan Andereggen (25) Akzente setzt, geht es rasant voran. Im Sport als Hockeyaner, im Beruf als Militärpilot. Ein grosses Ziel hat er im Sport noch.
20. Dezember 2016, 05:00

Das Tempo, welches wir in unserem Gespräch anschlagen, das täuscht: Silvan Andereggen erzählt seinen sportlichen Werdegang und den – im wahrsten Sinne – beruflichen Höhenflug moderat, ohne Hast, auf den Punkt gezielt. Aber der Andereggen, wie er leibt und lebt: Das ist ein Tempoteufel. Tempo schlug der junge Mann an, als er als Leichtathlet im Juniorenalter die klassischen 100 Meter in beeindruckenden 11,3 Sekunden runterrasselte, Tempo ist sein Markenzeichen nach dem sportlichen Gesinnungswandel zu den Hockeyanern – und Tempo begleitet auch seinen Job. Doch davon später.

Ein paar Hürdensprünge neben dem Sportplatz Rothen in Reussbühl aufgewachsen, «spörtelte» Klein-Silvan schon früh nicht grad Tag und Nacht – «aber immer, wenn die Hausaufgaben erledigt waren. Ich hatte schon als kleiner Knirps einen enormen Bewegungsdrang. Mit den Freunden dem Fussball nachzujagen – was gabs Schöneres?» Bald gings in die Leichtathletikriege; Sprints, Sprünge und den Speerwurf absolvierte das Multitalent derart erfolgreich, dass man ihm in dieser Beziehung durchaus Karriere hätte versprechen können.

Leichtathleten sind Einzelkämpfer. Silvan Andereggens ausgesprochener Drang nach Teamkameradschaft drängte ihn im Sommer 2010 in ein Mannschaftsgefüge. «Bei einem Landhockey-Plauschturnier hats mir den Ärmel reingezogen, ich wusste sofort: Das ist es!» Silvan Andereggen, der Hockeyaner, war geboren. Der Newcomer wuchs als zartes Hockey-Pflänzchen beim Luzerner SC in einer Truppe auf, die sportlich schon ziemlich situiert war – um nicht zu sagen schon eine gewisse Überreife aufwies. «Ich bin mitten in den Generationenwechsel geplatzt», erzählt er, «und diese Entwicklung war unerhört spannend.» Jetzt ist der Umbruch vollzogen, und Andereggen weiss: «Wir brauchen noch Zeit, bis wir wieder ganz an der Spitze sind. Es gab schwere Zeiten. Doch wir haben sie gemeistert. Das ist das Tolle in einer sportlichen Gemeinschaft: man arbeitet, bangt, hilft sich, freut sich, feiert.» Es gäbe zwar noch diese und jene Automatismen, welche hie und da in die falsche Kerbe greifen: «Aber es kommt gut, da sind wir uns alle sicher.» Konkret auf die laufende Hallenhockey-Saison bezogen, sagt er: «Wir kämpfen hart um einen Playoff-Platz. Aber wir werden das schaffen.»

Auch dank Silvan Andereggen, dem Quereinsteiger, der als Stürmer die Bande fräst, mit seinem Speed den gegnerischen Defensivleuten die Ohren wackeln lässt: «Ich bin zu spät zu dieser Sportart gestossen, um die Technik je einmal perfekt nachbessern zu können. Aber was ich in meinem Repertoire habe: Das ist mein Antritt, meine Fähigkeit, mich mit schnellen Schritten vom Gegner zu lösen. Und ich habe ein Kämpferherz.» Und durchaus auch einen präzisen Torschlenzer.

Den Wechsel zum Hockey, bei welchem er – natürlich wegen des Tempos – eher die Halle präferiert, habe er nie bereut, betont der sportlich Universale. Die Parallelen zu dem, was sein momentanes Leben noch entscheidender prägt, sind unverkennbar: Silvan Andereggen absolviert nach einer Grundlehre als Hochbauzeichner eine Ausbildung als Militärpilot – und da sei, sagt er, «Teamkollegialität» halt auch «oberstes Gebot». Ein junger Mann in einer Zeit, da die Militäraktivitäten durchaus bei Gleichaltrigen auch in Frage gestellt werden, im Kampfjet? «Kein Problem», erwidert Silvan Andereggen, «wenn Sie jetzt glauben, dass ich ein Militärkopf bin, dann täuschen Sie sich aber bestimmt.» Seine Argumente («im Prinzip ist es ein Job wie jeder andere») sind nachvollziehbar, der Link zu seiner Jugend erscheint logisch. «Mir sind die Düsenjäger fast jeden Tag über den Kopf geflogen. Da hat sich eine ganz spezielle Faszination entwickelt. Mit dieser Ausbildung geht für mich ein grosser Bubentraum in Erfüllung.»

Einmal das Nati-Dress tragen

Die Fliegerei mit den Glücksgefühlen beim unbeschreiblichen Temposchub hatte ihn derart gepackt, dass er sogar seine hohen sportlichen Zielsetzungen leicht zurückzuschrauben gewillt war. Der passionierte Snowboarder figuriert zwar im erweiterten Kader der Hockey-Landesauswahl, doch gäbe es im Leben Prioritäten zu setzen: «Und so musste ich halt zu Gunsten der Ausbildung im Cockpit diesen und jenen Zusammenzug sausen lassen. Das hat natürlich die Chance auf eine Berücksichtigung eingeschränkt.» Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben: «Einmal das Dress der Nationalmannschaft tragen zu dürfen – das ist nun mein ganz grosses sportliches Ziel.»

Silvan Andereggen 

Geburtstag 5. Januar 1991 
Wohnort Reussbühl
Grosse 1,75 Meter 
Gewicht  75 Kilogramm
Ausbildung Lehre als Hochbauzeichner mit begleitender Berufsmatura. – Derzeit Berufsmilitärpilot in Ausbildung (3 von 5 Jahren absolviert)
Verein Luzerner Sportclub
Trainer Manuel Greder
Erfolge Zweimal Schweizer Hallenmeister mit dem LSC; 6. Platz Europacup in Hamburg
Vorbild Roger Federer
Hobbys Alles, was mit Sport zu tun hat; im Winter Snowboarden. – Musikalisch: viele Jahre Trompete gespielt
Ziel
Ziel Mindestens ein Spiel mit der Nationalmannschaft

Roland Bucher

regionalsport@luzernerzeitung.ch


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