Schützin krempelt das Leben um

SCHIESSEN ⋅ Petra Lustenberger (26) aus Rothenburg setzt voll auf die Karte Sport und wird Profi. Zurzeit absolviert sie die Sportler-RS und hat grosse Ziele. Und was es mit der Bundesliga auf sich hat.
12. Februar 2017, 05:01

Theres Bühlmann

theres.buehlmann@luzernerzeitung.ch

Koffer packen, wegfahren, kurz in Rothenburg bei ihrer Familie Station machen und wieder weiterreisen. Die 26-jährige Schützin Petra Lustenberger hat zurzeit ein gewaltiges Pensum zu absolvieren, innerhalb von zwölf Tagen war sie an neun Wettkämpfen am Start: Den Haag, München, Innsbruck, um nur einige zu nennen. Ein erfolgreicher Einsatz, der den verdienten Lohn in Form der Qualifikation für die Gewehr-EM (Luftgewehr 10 m) in Maribor vom 6. bis 12. März brachte.

Petra Lustenberger gehört seit einigen Jahren zu den beständigsten und besten Schweizer Schützinnen und hat schon oft bewiesen, dass sie gegen die Besten der Welt bestehen kann. Den Final der besten acht möchte sie in Slowenien erreichen, «und dann ist alles möglich». Zur Austragung gelangt auch ein Mixed-Wettkampf, bei dem je eine Frau und ein Mann pro Land im Einsatz stehen. Wer sich für die Schweiz dann in den Stand stellt, wird erst vor Ort entschieden.

Sie hat sich für vier Jahre verpflichtet

Wie es sich auf einem EM-Podest anfühlt, konnte Petra Lustenberger im letzten Jahr in Ungarn erleben, als sie die Bronzemedaille gewann und für die Schweiz einen Quotenplatz für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro sicherstellte. Doch nach Brasilien reisen konnte sie nicht, dieser Quotenplatz wurde zu den Männern transferiert. Tempi passati, grosse Worte verliert sie nicht mehr darüber, keine Ressentiments, kein Hadern. Viel lieber blickt die ambitionierte Schützin vorwärts, peilte mit Tokio 2020 ein neues Ziel an, dort möchte sie in der Königsdisziplin Kleinkalibergewehr 50 m und Luftgewehr 10 m im Final der besten acht stehen. Podestplätze an grossen internationalen Meisterschaften und im Weltcup sind ihre Ziele für die nähere Zukunft. Um diese Vorhaben umzusetzen, krempelte sie ihr Leben teilweise um. ­Petra Lustenberger gab ihre 50-Prozent-Anstellung als Redaktionsassistentin beim Schweizerischen Schiesssportverband in Luzern auf, den sie während dreier Jahre versah, und dislo­zierte nach Magglingen. Seit dem 1. Oktober 2016 ist sie nun Berufssportlerin in einem 70-Prozent-Pensum. So bleibt ihr genügend Zeit, sich ihrer grossen Leidenschaft, dem Schiessen, zu widmen. Und wichtig ist, dass auf diese Art und Weise auch die Regeneration nicht zu kurz kommt. Dieser Entscheid sei ihr leichtgefallen, «denn ich kann nun mein Hobby zu meinem Beruf machen». Ihr Arbeitgeber ist nun der Schweizerische Schiesssportverband, verpflichten musste sie sich für vier Jahre.

Austausch mit Joel Wicki oder Dominique Aegerter

Petra Lustenberger weist nicht nur sportliche Facetten auf, auch beruflich hat sie schon einiges erreicht: Die dreijährige Lehre zur Fachfrau für Hauswirtschaft, und 2013 schloss sie erfolgreich die Frei’s Talent School in Luzern ab. Seit Ende Oktober absolviert sie die Sportler-RS. Erst zwei Wochen in Lyss, wo die militärische Grundausbildung wartete, in einem einwöchigen Lehrgang in Moudon machte sie sich mit der militärischen Administration vertraut, «und den Rest werde ich in Magglingen als Büro-Ordonnanz verbringen», sagte sie. Und immer wieder Training, Training, Training. Austauschen kann sie sich auch mit anderen RS-Sportlern, mit den beiden Schwingern Remo Käser und Joel Wicki zum Beispiel, die mit ihr diese militärische Grundausbildung absolvieren, oder mit dem Motorradfahrer Dominique Aegerter.

Zurück in den Schiessstand: Auf nationaler Ebene startet sie für die LG Nidwalden und KKS Büron-Oberdorf – und ist auch in der deutschen Bundesliga engagiert. Die Verantwortlichen des SV Buch, ein 1000-Seelen-Dorf zwischen Ulm und Stuttgart, sind vom Können der Schweizerin so angetan, dass sie diese engagierten. Mit Erfolg, denn der Verein schaffte den Aufstieg in die 1. Bundesliga.

Bei einer komplexen Sportart, wie es das Schiessen darstellt, einem Zusammentreffen von Kondition, Koordination und grosser mentaler Anspannung, ist auch ab und zu Abschalten angesagt. Die Seele baumeln lassen. Und dann lässt Petra Lustenberger ihrer Kreativität freien Lauf. Malen, basteln, Blumengestecke anfertigen, und kürzlich stellte sie für eine Kollegin, die ein Baby bekam, eine Geburtstafel her. ­Petra Lustenberger verfügt eben über viele Facetten.


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