Mit einem Herz für blinde Läufer

CROSS-LAUF IN LUZERN ⋅ Renatus Birrer (61) startet am Samstag beim «Lozärner Cross». Das Lauf-Urgestein redet über seine langjährigen Erfahrungen als Läufer und sein Engagement für den Nachwuchs sowie blinde Läufer.
10. Februar 2017, 07:15

Stefanie Barmet

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Einen Tag vor seinem 62. Geburtstag lässt sich Renatus Birrer die Freude nicht nehmen, sich seine «Spikes» – die Laufschuhe mit Nägeln – zu schnüren und am «2. Lozärner Cross» hinter der Startlinie zu stehen. «Ich bin ein riesiger Cross-Lauf-Fan. Deshalb ist die Teilnahme für mich Ehrensache, auch wenn ich in den vergangenen Wochen aufgrund von Wadenproblemen nicht wunschgemäss trainieren konnte», so der gebürtige Zeller, der heute in Root wohnhaft ist.

Am Samstagmorgen wird er auch noch mithelfen, die Cross-Strecke einzurichten. Danach wird er Kinder und Jugendliche der Läuferriege Ebikon betreuen, ehe er um 14 Uhr selbst am Start des 6-Kilometer-Laufes stehen wird. «Ursprünglich wollte ich den Lauf gemeinsam mit einem blinden Läufer bestreiten – aufgrund einer Rippenquetschung kann er leider nicht am Start stehen.» Einmal pro Woche absolviert Renato Birrer, der sich im Verein Blind-Jogging als Guide engagiert, ein Training mit einem blinden Läufer. Jeden Samstag gibt er seine Erfahrungen an die Jungen weiter. In den Winter­monaten bietet er in Zusammenarbeit mit dem Innerschweizer Leichtathletikverband ein Cross-Training an, im Sommer ein Bahntraining.

Er holte Silber an den Berglauf-WM

Der Förster mit einer 10000-Meter-Bahn-Bestzeit von 30:45 war langjähriges Nationalkadermitglied im Berglauf. Sechsmal nahm er an Berglauf-Weltmeisterschaften teil, wobei der Vize-Weltmeistertitel 1992 den Höhepunkt seiner internationalen Karriere bildete. Rund zehnmal stand er an Cross-Schweizer-Meisterschaften zuoberst auf dem Podest, «nur bei den Senioren», wie Renatus Birrer bescheiden betont.

Heute stehen der Spass an der Bewegung und die Fitness im Zentrum. Der langjährige J + S-Leiter mit einer Laufleiter-C-Ausbildung von Swiss Athletics bestreitet ausser Cross-Läufe keine Wettkämpfe mehr. «Ich laufe nach wie vor sehr gerne und absolviere, wenn immer möglich, eine kleine Belastung wie beispielsweise ein Schwellentraining pro Woche. Mit dem Alter habe ich aber gelernt, mehr auf den Körper statt auf den Kopf zu hören und gehe, falls ich aufgrund von Schmerzen nicht laufen kann, eher mal aufs Velo.» Den Cross-Lauf bezeichnet das langjährige Mitglied der Läuferriege Ebikon als ideales Training für den Sommer. «Diese Art von querlaufen über Hügel, Acker und Hindernisse ist insbesondere für junge Läufer ein extrem gutes Training, um die Körperhaltung und -stabilität zu verbessern.» Auch vom Kopf her sei der Cross-Lauf eine ideale Herausforderung. «Der Untergrund wechselt von Lauf zu Lauf, genauso wie die Witterung. Es kann auch mal extrem dreckig und kalt sein. Darauf muss man sich mental einstellen. Ich bin überzeugt, dass der Cross-Lauf auch für Bahnläufer eine der besten Trainingsformen im Winter ist.»

«Lozärner Cross» ist ein Lauf für jedermann

Doch wie auch in der Bahnleichtathletik nimmt die Masse bei Cross-Läufen stetig ab. «Das liegt nicht nur an den Jungen, sondern auch an den Trainern, welche die Ausdauer nicht fördern und mit ihren Athleten nicht mehr an Cross-Läufen teilnehmen. So kann gar keine Freude daran entstehen», so Renatus Birrer kritisch. Als Folge des mangelnden Interesses wurde im vergangenen Jahr auch der langjährig erfolgreiche Jugend-Cross-Cup der Sport-Union Zentralschweiz abgeschafft. «Umso grösser ist die Freude, dass es nun in Luzern wieder einen Cross-Lauf gibt, der auch die Breite anziehen soll», so Renatus Birrer. Auch wenn er sich als geübter Cross-Läufer über ein paar Hindernisse oder Hügel freuen würde, gefällt ihm die Strecke auf der Luzerner Allmend. «Der ‹Lozärner Cross› ist ein Lauf für jedermann, den man auch ohne Nagelschuhe absolvieren kann. Dank den vielen Richtungswechseln ist die Strecke sowohl für Zuschauer wie auch für die Läufer attraktiv.»

Erst vor einer Woche entschied sich Renatus Birrer für ­einen Start in Luzern. «Mit so wenigen Trainings habe ich kein Ziel. Wichtig ist sicher, dass ich nicht zu schnell anlaufe. Das grösste der Gefühle ist für mich, dass ich überhaupt starten und dabei sein kann. Ich hoffe, dass die Schmerzen nun eine gewisse Zeit wegbleiben und ich meinem geliebten Hobby auch in den kommenden Wochen nachgehen kann.»

«Lozärner Cross». Samstag: Startzeiten zwischen 11.00 und 14.00 (Allmend). Nachmeldungen bis eine Stunde vor dem Kategorienstart. Infos: www.luzernercross.ch


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