Merz holt Sieg dank Exploit

RUDERN ⋅ An den Schweizer Meisterschaften an den Ergometern in der Zuger Sporthalle sind aus Sicht der Gastgeber zwei Siege besonders erfreulich.
30. Januar 2017, 12:38

Simon Scheurer

sport@zugerzeitung.ch

Der Ergometer wird im Rudersport gleichwohl gehasst und geliebt. Für die einen ein hocheffizientes und im Winter unverzichtbares Trainingsgerät, für die anderen ein modernes Foltergerät, das Leistung auf eine simple Zahl reduziert. Was für einen Aussenstehenden so einfach aussieht, ist für die Sportler eine physische Grenzerfahrung.

Die Ausreizung physischer und psychischer Leistungsfähigkeit, bis auch noch der letzte Muskel übersäuert ist, fordert den Athleten alles ab. Gefahren wird über eine virtuelle Renndistanz von 2000 Metern. Die Rennen können an einer Leinwand in Echtzeit mitverfolgt werden. Dabei werden die einzelnen Ruderer virtuell als Boot in einem Rennen dargestellt.

Seit fünf Jahren finden diese Meisterschaften in Zug statt. Mit über 500 Teilnehmern blieb die Veranstaltung knapp unter Melderekord. Als einer der Zuger Höhepunkte an den diesjährigen Meisterschaften stand das Rennen der Frauen-Leichtgewichte unter Beobachtung des Publikums. Patricia Merz zählt nun schon seit mehreren Jahren zur nationalen und internationalen Spitze im Leichtgewichtsrudern. Der Schweizer-Meister-Titel auf dem Ergometer ging jedoch immer an ihre Bootspartnerin Fréderic Rol (Lausanne-Sports SA).

Merz kämpft gegen Bootspartnerin

Im spannendsten Rennen des Tages kämpften gleich drei Ruderinnen um den Titel bei den Frauen-Leichtgewichten. Zu Merz und Rol gesellte sich Ladina Meier (RC Thalwil). Rol und Meier lieferten sich auf den ersten 1500 Metern einen wahren Schlagabtausch. Mal war Meier auf der Leinwand einen Meter vor Rol, mal Rol den einen Meter vor Meier. Merz war währenddessen in ständiger Tuchfühlung mit den beiden auf Platz drei, vier Meter dahinter. «Ich hatte mich bei Rennhälfte noch nie so gut gefühlt wie dieses Jahr. Ich wusste, ich war gut unterwegs, hatte aber keine Ahnung, wo ich im Rennen stand. Ich habe auf meiner Anzeige nur auf den Rennschnitt geachtet. Nach 1500 Metern habe ich dann realisiert, dass ich führe und dann gedacht: Das packst du!», kommentierte Merz ihr Rennen. Und in der Tat konnte sich die 23-jährige Baarerin auf den letzten 500 Metern leicht von Rol und Meier absetzen und gab den Vorsprung bis ins Ziel nicht mehr her. Merz pulverisierte ihre Bestzeit gleich um 5 Sekunden auf 7:11,7 Minuten – auf diesem Niveau fast schon ein Exploit. Ergänzt wurde die starke Leistung der Zuger Leichtgewichte durch Andri Struzina. Der Steinhauser absolviert die Spitzensport-RS und kann sich momentan voll auf den Sport konzentrieren. Das zahlt sich für ihn aus. Er wurde in einem beherzten Rennen Dritter hinter Michael Schmid (SC Luzern) und Pascal Ryser (RC Thalwil).

Ein weiterer Höhepunkt war das Rennen von Jana Nussbaumer bei den Juniorinnen U 19. Die Juniorin des See-Clubs Zug ging als Favoritin ins Rennen und liess von Anfang an nichts anbrennen. In abgeklärter Manier liess sie sich durch den schnellen Start von Stify Kawtar (CC Lugano) nicht beeindrucken und zog nach Rennhälfte an der Luga­nesa vorbei. Schlag um Schlag konnte sich Nussbaumer vom Feld absetzen und fuhr den Sieg souverän nach Hause. Für Jana Nussbaumer war es nach dem letztjährigen Sieg bei den U 17 nun der erste offizielle Titel auf dem Ergometer.

Eine starke Bilanz der Zuger

«Mit 42 Meldungen stellten wir die grösste Delegation an den Meisterschaften. Mit den zwei Meistertiteln, zwei weiteren Medaillen und einer sehr kompakten Klubleistung sind wir aus Zuger Sicht sehr zufrieden,» sagte der Trainer Stephan Wiget. Neben den starken Zuger Leistungen gab es auch zwei Schweizer Rekorde zu bestaunen. Jeannine Gmelin (Ruderclub Uster) und Barnabé Delarze (Lausanne-Sports SA) verbesserten die Bestmarken. Die Rennen der beiden Olympiateilnehmer von Rio waren auch sonst fast identisch. Gmelin wie Delarze zeigten von Anfang an ein souveränes Rennen und distanzierten ihre Gegnerinnen und Gegner schon früh. Es war klar, dass für beide nicht nur der Sieg im Vordergrund stand, sondern vom ersten Schlag an Schweizer Rekord zu fahren. Während Gmelin ihren eigenen Rekord um drei Sekunden auf 6:53,0 Minuten verbesserte, darf sich Delarze neu Rekordhalter nennen. Er entriss André Vonarburg den Rekord um 0,3 Sekunden und setzte die Marke neu auf 5:47,3 Minuten.

Der toporganisierte Anlass war auch aus Sicht des OK-Präsidenten Daniel Schaer ein voller Erfolg: «Mit Ausnahme eines kleinen technischen Unterbruchs lief der Anlass problemlos ab. Es freut uns, dass wir auch dieses Jahr sowohl dem Zuger wie auch dem nationalen Publikum Rudersport auf höchstem Niveau bieten konnten. Die vielen Teilnehmer und nicht zuletzt auch die vielen Zuschauer zeigen die zunehmende Popularität des Rudersports – ob er nun auf der Maschine oder auf dem Wasser stattfindet.»

Hinweis Die Resultate finden Sie unter: www.rowingindoors.ch


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