Jetzt schiesst er den Ball übers Netz

FUSSBALLTENNIS ⋅ Claudio Vogel (19) wollte einst Fussballprofi werden. Vor gut einem Jahr entdeckte er für sich eine neue Sportart, die in der Westschweiz bereits populär ist.
14. Februar 2017, 07:27

René Barmettler

rene.barmettler@luzernerzeitung.ch

Geduldig zeigt Claudio Vogel dem Journalisten ein Video auf seinem Smartphone, das den Freiburger Gilles Grandjean beim Gewinn der WM-Bronzeme­daille zeigt. Fussballtennis ist nicht etwa Tennisspielen mit einem Fussball. Die Akteure spedieren den Fussball mit dem Fuss übers Tennisnetz. In Brno (CZE) bewies Grandjean 2016, dass Schweizer mit der Weltspitze mithalten können. Davon ist der Emmenbrücker Claudio noch ein gutes Stück entfernt. Der 19-Jährige will aber den nationalen Branchenleadern Gilles Grand­jean und Aurélien Kolly auf den Zahn fühlen. Gelegenheit dazu hat er am kommenden Samstag in der Utenberghalle Luzern, wo die diesjährigen nationalen Meisterschaften ausgespielt werden (siehe «Nachgefragt»). Zum Fussballtennis ist Vogel durch Kollege Luca Roth vom FC Zo­fingen gekommen. «Das war im November 2015, da spielte ich an einem Turnier in Meierskappel Einzel und mit Roth Doppel», erinnert sich Claudio Vogel.

Seither hat den Gymnasiasten diese Sportart «gepackt», und er kann bereits einen ersten Erfolg vermelden: Im Doppel gewann er mit Jan Walker (FC Eschenbach, 2. Liga inter) Ende Januar das Turnier in Basel. «Es braucht Technik, Beweglichkeit, Koordination und das richtige Timing», zählt Vogel auf. Wenig überraschend ist, dass alle in der hiesigen Szene eine Fussballlaufbahn hinter oder auch noch vor sich haben. Vogel gehörte zu den Innerschweizer Talenten. Beim FC Luzern (U 11 bis U 16 und U 18) sowie beim SC Kriens (U 16 und U 17) meldete er durchaus Ambitionen an. Doch mit etwa 16 Jahren hatte er bereits realisiert, dass es wohl nicht reichen würde, um weit zu kommen. «Ich bin Realist und habe festgestellt, dass es bei mir an Dynamik und der Athletik fehlt.» Nach Verletzungen wurde Vogel bei Kriens-Luzern U 17 aufgebaut, wechselte anschliessend zum FCL U 18. Nach der Vorrunde 2015/16, in der er vorwiegend zu Teileinsätzen gekommen war, hielt es Vogel für das Beste, einen Wechsel zu tätigen und für den SC Emmen (2. Liga regional) zu spielen. «Ich hatte eine schöne Zeit beim FCL, auch wenn Basel oder GC immer etwas besser waren. Das Ende war eine Enttäuschung. Aber es stimmt für mich, es war eine gute Lebensschule. Man lernt Disziplin und Respekt. Ich würde diesen Weg wieder gehen.»

Nun kann der junge Erwachsene neue Ziele verfolgen. Beruflich hat er sich noch nicht fest­gelegt. An der Kantonsschule Alpenquai absolviert er sein letztes Schuljahr, danach liebäugelt er mit einem Spanien- oder Südamerika-Sprachaufenthalt, auch, weil Mamas Eltern aus Spa­nien stammen. Danach käme für ihn ein Jurastudium in Frage.

Das Fussballtennistraining möchte Vogel im Winter künftig intensiveren. «Mein Ziel ist es, im Einzel noch besser zu werden und näher an die Westschweizer heranzukommen.» Nächsten Samstag wird Claudio Vogel Bescheid wissen, wie nah er an ihnen bereits dran ist.

Nachgefragt bei Mario Sager, Turnierorganisator und Inhaber von MS Sports

Am kommenden Samstag (9.00–18.00, Utenberghalle) wird der Swiss Cup im Doppel erstmals in Luzern über die Bühne gehen. Der Eintritt ist gratis. Organisiert wird dieser Anlass vom FTC Eschenbach um den technischen Leiter Mario Sager.

Mario Sager, warum braucht es aus Ihrer Sicht eine solche Schweizer Meisterschaft?

Jede Sportart trägt seine Meisterschaft aus, so auch der Schweizerische Fussballtennisverband. In der Vergangenheit fanden alle Turniere in der Westschweiz statt. Daher ist es grandios für die Sportart, dass wir den Anlass in Luzern austragen dürfen. Es hilft der Sportart, in der Deutschschweiz bekannter zu werden und neue Mitglieder zu begeistern.

In der Westschweiz ist diese Sportart weiter verbreitet als in unserer Region. Weshalb ist das so?

Die Franzosen gehören seit Jahren zur Weltspitze, daher ist es wohl in die Westschweiz gewandert. Die Westschweiz ist mit über zehn Vereinen sehr aktiv und stellt auch alle Nationalspieler. In der Westschweiz spielen viele Spieler nur noch Fussballtennis und nicht noch Fussball gleichzeitig.

Die Akrobatik, die diese Sportart erfordert, ist ja nicht unbeträchtlich. Wie hoch ist die Verletzungsgefahr?

Da es keine Zweikämpfe gibt, stufe ich die Verletzungsgefahr trotzdem viel niedriger als im Fussball ein. Aber es darf nicht unterschätzt werden, dass ein Turniertag in der Halle eine recht hohe Belastung für den Körper darstellt.

Welche bekannten Gesichter aus der Fussballerszene darf der Zuschauer am kommenden Samstag erwarten?

Neben den Westschweizer Gilles Grandjean und Aurélien Kolly, die zur absoluten Weltspitze im Fussballtennis gehören, sind mit Teams aus der Zentralschweiz einige bekannte Namen vertreten. Es spielt der Ex-SC-Kriens-Fussballer Roger Erni mit Norman Gautschi, und ich werde mit Ex-SC-Cham-Spieler Mike Winiger auflaufen. Insgesamt spielen acht Teams aus der Zentralschweiz.

Welche Erwartungen haben Sie an diesen Anlass?

Ich erwarte einen tollen, spannenden Fussballtennistag, der die wunderbare Sportart Fussballtennis wieder einen Schritt weiterbringt.

Fussballtennis: So wird gespielt

Das Fussballtennis-Spielfeld ist 9 Meter breit, 18 Meter lang und identisch mit dem Volleyball-Spielfeld. Das Netz ist 110 cm hoch. Es gibt Einzel- und Doppelwettbewerbe. Der Ball darf beim Anspiel in die Hand genommen und entweder volley oder nach dem ersten Aufprall mit dem Fuss ins Spiel gebracht werden. Es gibt im Gegensatz zum Tennis nur eine Chance für ein korrektes Anspiel. Ist der Ball einmal im Spiel, darf er mit allen im Fussball erlaubten Körperteilen gespielt werden. Der Ball darf zweimal den Boden berühren, jedoch nicht hintereinander. Der Ball darf nicht ausserhalb des eigenen Spielfeldes den Boden berühren. Berührt der Ball Einrichtungen des Platzes (Netz, Netzpfosten), darf er weitergespielt werden. Ein Satz geht auf elf Punkte. (pd)


1 Leserkommentar

Anzeige: