Oona Emmeneggers Hartnäckigkeit zahlt sich aus

EISHOCKEY ⋅ Eine Medaille hat sie, eine weitere hat sie im Visier: Die 17-jährige Oona Emmenegger aus Rain spielt zurzeit an der U-18-WM in Tschechien.
10. Januar 2017, 05:00

Daniel Monnin

regionalsport@luzernerzeitung.ch

20. Februar 2016: Oona Emmenegger und mit ihr das ganze Schweizer Team posiert mit einer Bronzemedaille in der Hand. Soeben hat das Schweizer U-16-Team an den Youth Olympic Games in Lillehammer das Bronzespiel gegen die Slowakei gewonnen. Damit steht fest: Emmenegger und ihre Teamkolleginnen kehren als erst zweite Schweizer Frauen-Nationalmannschaft mit einer Medaille von einem internationalen Titelkampf zurück. Vor ihnen war nur die A-Nationalmannschaft zweimal mit Bronze erfolgreich: 2014 an den Olympischen Spielen in Sotschi und zwei Jahre zuvor an der WM in Burlington.

Heute, 11 Monate später, strahlt die Medaille nach wie vor ihren Glanz aus, doch der (Hockey-)Alltag hat Oona Emmenegger längst eingeholt. Eines jedoch ist geblieben: die Erinnerung und das Wissen, «dass man einiges erreichen kann, wenn man daran glaubt und hart an sich arbeitet». So gesehen ist die Medaille für die 17-Jährige täglicher Ansporn und Motivation zugleich. Und sie ist auch ein Mahnmal, denn «ein Nachlassen liegt nicht drin».

Trotz langer Verletzung nur Eishockey im Kopf

Emmeneggers Weg in die U-16-Auswahl und die U-18-Nationalmannschaft ist der eines Mädchens, das gemeinhin betrachtet einen doch eher ungewöhnlichen Sport ausübt. Mit «Ausdauer und Hartnäckigkeit», wie sie lächelnd sagt, hat sie bereits im zarten ­Alter von drei Jahren auf Rollerblades in einer Quartierstrasse begonnen, an ihrem Traum zu arbeiten. «Wenn mein grösserer Bruder in der Schule war, habe ich im Keller ab und zu seine Ausrüstung angezogen.»

Und so kam es, wie es kommen musste: Mit vier Jahren stand sie erstmals in voller Montur auf dem Eis. Die Reise ins Eishockey-Traumland konnte beginnen. «Meine Eltern schauten meinem Treiben mit Skepsis zu, sie dachten wohl, es sei nur ein momentaner Spleen.» Doch weit gefehlt: Klein-Oona spielte mit Leib und Seele Eishockey in den Nachwuchsteams des HC Seetal, zuerst als Torhüterin, später als Stürmerin.

Auch hartnäckige Kniebeschwerden, die sie vor drei Jahren eine ganze Saison lang von den Eisflächen und ein Jahr lang von sämtlichem Sport fernhielten, liessen sie trotz der Ungewissheit und den täglichen Bedenken, die an ihr nagten, nicht von ihrem Weg abbringen. «Es war extrem hart», umschreibt sie die einjährige Pause, «denn ich bin ein Bewegungsmensch.» Doch der Durchhaltewille wurde belohnt. Als sie wieder ins Sommer­training einstieg, fiel ihr der (Neu-)Aufbau zwar verständlicherweise nach der langen Pause äusserst schwer, aber ihr neuer Trainer Miro Ptacek brachte sie zurück in die Spur. «Ihm verdanke ich, dass ich wieder Eishockey spiele, er hat mich aufgebaut und motiviert.» Ja, sie geht sogar noch ­einen Schritt weiter und sagt: «Dank ihm und dem ganzen HC Seetal bin ich jetzt hier, wo ich bin.»

Neues Abenteuer in Prerov – Ziel ist der Ligaerhalt

Die Reise ging weiter, immer durch die verschiedenen Nachwuchsstufen des HC Seetal und im zweiten Jahr auch in der obersten Frauen-Liga, der Swiss Women’s Hockey League beim SC Reinach. Nicht nur Ptacek baute auf Emmenegger, auch die Coaches der ehemaligen U-15- und heutigen U-16-Auswahl setzten auf das «Bronzemädchen aus Rain». Und seit letztem Jahr gehört Oona Emmenegger auch dem Kader der U-18-Nationalmannschaft an. Mir ihr hat sie vor genau einem Jahr im kanadischen St. Catharines den Liga­erhalt geschafft, mir ihr strebt sie nun in Prerov diese Woche das gleiche Ziel an, auch wenn es natürlich gerne ein bisschen mehr (Viertelfinal-Qualifikation) sein dürfte. Es wäre das erste Mal in der 10-jährigen Geschichte der U-18-WM, dass sich eine Schweizer Auswahl für die Runde der letzten acht empfehlen könnte.

Noch vor der WM hatte sich Emmenegger vorgenommen, «mich zu zeigen und aus mir herauszukommen. Ich bin dankbar für jeden Einsatz, den ich erhalte. Ich werde mit Bestimmtheit Vollgas geben.» Sie wolle ruhig bleiben, Geduld haben und sich nicht unter Druck setzen, «auch wenn nicht immer alles auf Anhieb gelingt». Als sie dies sagte, wusste sie noch nicht, dass genau diese Geduld zu ihrem ersten WM-Erlebnis werden würde: Als ihre Teamkolleginnen am Montag zum WM-Startspiel aufliefen, lag sie mit einer ausklingenden ­Grippe im Bett. Untätig musste sie mit ansehen, wie die Schweiz gegen Finnland verlor. Und einen Tag später, war erneut Geduld gefragt. Obwohl sie diesmal auf dem Eis war, kam sie beim Sieg im Penaltyschiessen gegen Tschechien als Center der dritten Linie nur zu wenigen Einsätzen. «Ich fühlte mich zwar besser, aber die Kraft fehlte mir noch», sagte sie. Immerhin: Mit ihrer ­Linie sorgte sie ab und zu für Entlastung, denn Headcoach Andrea Kröni forcierte über die ganze Spieldauer ihre beiden besten Formationen. «Wir haben bis zum Umfallen gekämpft und als Team gewonnen», bilanzierte die Luzernerin.

Heute ist sogar der Viertelfinal-Einzug möglich

Geduld wird auch heute Dienstag gefragt sein, wenn es im entscheidenden Spiel gegen Japan um den Viertelfinal-Einzug gehen wird. Nur ein Sieg gegen ­Japan bringt die Schweiz in die Runde der letzten acht, vorher aber darf auch Tschechien gegen Finnland nicht mehr als einen Punkt gewinnen. Der Sieg gegen Tschechien werde dem Team «zusätzliche Kraft und Motivation geben», ist sie überzeugt. Was gäbe es für die Eishockey­begeisterte Schöneres, als ihren Geburtstag am Donnerstag mit dem bisher grössten Erfolg eines Schweizer U-18-Teams an einer WM zu feiern.

Die 17-Jährige denkt aber auch über die U-18-WM hinaus. Wie alle Sportler hat sie Ziele, kleinere und grössere, sportliche und persönliche. «Ich habe viele Ziele, aber ich werde nicht den Fehler machen und überhastet an die Sache rangehen, ich gehe Schritt für Schritt.» Das betrifft auch den erfolgreichen Abschluss in zweieinhalb Jahren als Kauffrau an der Frei’s Talent School in Luzern. «Denn danach ist der Weg frei, um in den USA oder in Kanada Eishockey spielen und eventuell studieren zu können.» Spätestens dann sollen auch die A-Nationalmannschaft und sogar Olympische Spiele zum Thema werden.

Oona Emmenegger

Geboren
12. Januar 2000 

Geburtsort
Luzern

Wohnort
Rain

Grosse
1,66 Meter 

Gewicht
55 Kilogramm

Klubs 
HC Seetal und
SC Reinach AG

Trainer 
Miroslav Ptacek
(HC Seetal); Melanie Häfliger (SC Reinach)

Nationalteam
Frauen U 18

Erfolge
2016: Bronzemedaille Youth Olympic Games in Lillehammer (NOR); Teilnahme U-18-WM in St. Catharines (KAN). – 2015: Debüt in der höchsten Schweizer Frauenliga

 


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