Hauptlin folgt dem Ruf des Vereins

HANDBALL ⋅ Annika Hauptlin macht am Master-Cup mit den Schweizer U-18-Juniorinnen einen starken Eindruck. Grössere Probleme stellen sich der 16-jährigen Zugerin neben dem Platz.
17. Januar 2017, 05:00

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

 

Drei Spiele, drei Siege, 19 Tore. Die persönliche Bilanz von Annika Hauptlin lässt sich sehen. Sie war eine der tragenden Figuren im Schweizer U-18-Nationalteam, das von Freitag bis Sonntag beim Master-Cup gleich dreimal die Altersgenossinnen aus Finnland bezwang. «Es ist ein megacooler Event. Heimspiele mit der Schweiz sind immer etwas Besonderes. Und dann noch in Zug, in meiner Heimhalle. Das sorgte bei mir schon für etwas Aufregung. Wenn ich so viele Leute kenne, muss ich ja treffen», erzählt die 16-jährige Rückraumspielerin lachend und nimmt sogleich ihre Leistung vom Sonntag ins Visier: «Der Auftakt war grauenhaft, aus der Distanz habe ich kein Tor erzielt.» Im Verlauf der Partie fing sich Hauptlin allerdings und führte ihr Team mit sieben Treffern zum 29:22-Sieg.

Seit dieser Saison spielt die Linkshänderin im Aufbau des LK Zug in der SPL 2. Davor war die Aargauerin bei den Elitejuniorinnen ihres Stammklubs Rotweiss Buchs engagiert. «Ich hätte auch zu GC Amicitia Zürich oder Thun gehen können. Zug passte mir aber am besten. Hier wird voll auf Frauenhandball gesetzt, und es hat bereits einige Aargauerinnen im Team.» Der Ruf des Vereins sei im Aargau ohnehin vorzüglich. Als sie wechselte, hiess es bei ihren Kolleginnen nur: «Oh mein Gott! Zug?»

Hauptlin mag die Schnelligkeit, sowohl auf den Skiern, bei ihren Ausfahrten auf dem 50er-Supermotard als auch im Handball. «In Zug kann ich dieses schnelle Spiel ausleben.» Neben ihren Shooter-Qualitäten gefällt die 1,77 Meter grosse Athletin mit ihrer Coolness vom Penaltypunkt. «Sie ist die Jüngste im meinem Kader. Anfänglich hatte sie die üblichen Anpassungsprobleme in Sachen Tempo und Härte. Sie ist aber ein sehr vielversprechendes Talent mit dem Bonus einer Linkshänderin», sagt Christoph Sahli, ihr Trainer bei der zweiten Equipe des LK Zug –mit 44 Treffern ist sie bereits die zweitbeste Torschützin seines Teams. Jürgen Fleischmann, ihr Coach im U-18-Nationalteam, hält fest: «Annika ist für uns eine ganz wichtige Spielerin, sie ist schon seit drei Jahren dabei. Sie soll nun in der SPL 2 eine tragende Rolle einnehmen und sich dann in ein, zwei Jahren auf dem obersten Niveau etablieren. Dann wird sie auch ein Thema für die A-Nationalmannschaft.»

Spagat zwischen Lehre und Sport ist Knacknuss

Auch wenn die Vorschusslorbeeren für Hauptlin gross sind, so bleibt die Miene von Fleischmann doch skeptisch, wenn er an ihre Zukunft denkt. Das liegt nicht an ihren Leistungen auf dem Platz, sondern vielmehr an den Umständen daneben: «Ihre grösste Herausforderung ist, Sport und Ausbildung unter einen Hut zu bringen.» Aktuell steht sie in ihrem ersten Lehrjahr ihrer kaufmännischen Ausbildung bei einer Firma in Gränichen, wohnhaft ist sie in Buchs. Die Tage und Anfahrtswege sind lang, «Team, Schule, Lehrbetrieb – alles ist neu. Das ist schwierig, alle zehren an mir», erzählt Hauptlin. Sogar ans Aufhören habe sie schon gedacht, nun hoffe sie wegen des bevorstehenden Abteilungswechsels an der Lehrstelle jedoch auf mehr Flexibilität. In Zug hat sie ihr Trainingspensum reduziert, wozu Nationaltrainer Fleischmann sagt: «Dank ihres grossen Vorsprungs klappt das im Moment, doch auf Dauer geht das nicht. Im Verband ist sie im Förderkader. Könnte sie mehr trainieren, wäre sie am Master-Cup mit dem U-20-Nationalteam aufgelaufen.»

Die Hoffnung, dass Hauptlin den Spagat zwischen Sport und Beruf hinbekommt, hat man auch in Zugs erster Mannschaft, wo man seit Jahren im rechten Rückraum auf eine gross gewachsene Linkshänderin verzichten muss. Annika Hauptlin jedenfalls gibt sich kämpferisch: «Noch ist die SPL 1 für mich etwas weit weg, doch irgendwann dahinzukommen, ist sicher mein Ziel.»

Hinweis

Resultate: www.mastercup.ch

  • Luzerner Zeitung AG
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Der Handball Master Cup 2017 fand dieses Jahr in der Sporthalle Zug statt. Impressionen vom Spiel der Selection Zug und Slowakei FU20.


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