Nico Dünner geniesst die rare Freizeit

EISHOCKEY ⋅ Der Emmenbrücker Nico Dünner ist Profi beim NLB-Klub SC Langenthal. Der 22-jährige Stürmer hat bereits NLA-Erfahrung beim EV Zug gesammelt.
06. Dezember 2016, 05:00

Sein Terminkalender ist proppenvoll. Der Donnerstag ist der einzige freie Tag im derzeitigen Leben von Nico Dünner. Er ist Eishockeyprofi beim SC Langenthal, dem derzeit Zweitplatzierten der National League B. Ausserdem absolviert er berufsbegleitend die Matura in Wirtschaft. Zwei Mal die Woche hat er im Kantonalen Berufsschulzentrum in Zug zu erscheinen. Der dritte Schultermin ist flexibel gestaltet. «Gewisse Sachen kann ich im Fernstudium erledigen, oder ich muss den Stoff in einer anderen Klasse vor- oder nachholen», sagt Dünner, der sich letzten Donnerstagnachmittag in Luzern Zeit für unsere Zeitung genommen hatte. Er geniesst diesen freien Tag, «weil ich immer wieder gerne in diese wunderschöne Stadt zurückkomme». Wahrscheinlich war es einer der letzten schönen und wärmeren Tage in diesem ausklingenden Jahr, und die Wetterlage passt auch zum Gemüt des Nico Dünner. Er ist mit sich und der Welt zufrieden.

Das hat auch mit seinem Klub im Oberaargau zu tun. Der 22-jährige Emmenbrücker erhält auf dem Eis viel Verantwortung. Langenthal feierte zuletzt acht Siege in Folge – ehe am letzten Freitag Visp in Langenthal dank eines 4:2-Erfolgs dieser Serie ein Ende bereitete. Der letzte dieser Achterserie kam in Sursee zu Stande (4:2), dort trug die EVZ Academy ihr Heimspiel aus. Dünner lief am letzten Dienstagabend bereits zum 100. Mal für die Berner auf. Und etwas hat er den meisten Academy-Spielern voraus: Er hat wettbewerbsübergreifend 32 Partien als Profi des Zuger NLA-Teams absolviert.

Mit 14 Jahren hat Dünner dort­hin gewechselt. Als Novize traf er auf einen anderen Luzerner: Lino Martschini (23). Dünner hält grosse Stücke auf den inzwischen überaus erfolgreichen EVZ-Stürmer. «Er hatte damals schon unglaubliches Talent. Erstaunlich, wie viel er mit seiner ­Körpergrösse von 167 Zentimetern aus sich herausholt. Nicht viele haben ihm den Durchbruch zugetraut, doch er hat die Skeptiker Lügen gestraft. Er ist auch neben dem Eis ein super Typ, ich habe auch jetzt noch Kontakt zu ihm.»

Ein Sohn sportlicher Eltern

Mittelstürmer Dünner selber bezeichnet sich als Zweiwegstürmer, «als Arbeiter, der versucht, seine Flügelspieler besser zu machen. Ich glaube, das ist mir bisher ganz gut gelungen». Als Center sieht er sich hauptsächlich als Vorbereiter. Das spiegelt sich in seiner Skorerstatistik: Letzte Saison erzielte er in 59 Spielen (inklusive 7 für Biel) 8 Tore und 29 Assistpunkte. In dieser Spielzeit steht er nach 25 Partien bei 2 Treffern und 7 Vorlagen. Auffallend ist: Dünner fehlte bisher nie. «Ich hatte grosses Glück, nie verletzt zu sein.» Auch wegen seiner Robustheit vertraut ihm Trainer Jason O’Leary. Der 38-jährige Kanadier steht erst in seiner zweiten Saison als Cheftrainer an der Bande. «Er ist sehr streng, achtet auf viele Details. Der Erfolg gibt ihm recht, und auch menschlich ist er herausragend», sagt Dünner.

Nico Dünner ist in Emmenbrücke aufgewachsen. Seine Eltern sind Sportlehrer. Entsprechend polysportiv wuchs Klein-Nico auf. «Ich spielte Tennis, Kung Fu, auch im Fussball habe ich mich versucht.» Ferien in Grindelwald waren für den damals 7-Jährigen dann der Auslöser, wieso er zum Eishockey gefunden hat. Schlechtes Wetter, die Alternativen waren Hallenbad oder Eisfeld. «Zu Beginn hatte ich gar keine Lust, am Ende der Woche brachte man mich fast nicht mehr weg vom Eis.» Zu Hause angekommen, nahm Papa Dünner das Telefon in die Hand, rief beim HC Luzern an. So nahm Dünners Karriere seinen Lauf. Wohlbetreut von Roland Flückiger, sah dieser in Nico Dünner bald einmal ein Talent. «Mit den wenigen Möglichkeiten, die der HC Luzern hat, holt man viel heraus», erinnert sich Dünner gerne an seine Anfangszeiten. Mit 14 Jahren wechselte er dann zum EV Zug. Auf der höchsten Stufe, bei den Elite-Junioren, wurde er sogar zum Captain befördert.

Bruder Oliver spielt in US-Juniorenliga

Auch wenn er derzeit «nur» in der NLB spielt, Dünner will sich nicht beklagen. «Es war immer mein Traum, vom Eishockey leben zu können. Er ist für mich in Erfüllung gegangen.» Langenthal ist ein Traditionsklub, der in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen feiert. Dünner kann bei diesem Klub viel Selbstvertrauen tanken. So wie es im Moment ist, passt es für ihn.

Auf die Frage, was er sich zu Weihnachten wünsche, kam nicht etwa «eine möglichst erfolgreiche Karriere» über seine Lippen. «Ich wünschte, mein Bruder Oliver wäre am Weihnachtsfest hier und könnte mit meiner Familie und den Verwandten mitfeiern. Die Familie ist sehr wichtig für mich.» Oliver Dünner (20) ist ebenfalls Eishockeyspieler und befindet sich seit letztem Sommer in den USA, wo er in der Juniorenliga für Springfield spielt. Die Aussage Nico Dünners spiegelt sein Wesen: Er ist ein junger Mann mit Bodenhaftung und gesundem Ehrgeiz. Es darf niemanden wundern, wenn er eines Tages wieder für einen NLA-Klub auflaufen wird.

Nico Dünner

Geboren 19. April 1994
Wohnort Emmenbrücke
Beruf Eishockeyspieler, Kaufmann
Grösse 182 Zentimeter
Gewicht  86 Kilogramm
Position  Mittelstürmer (Center)
Grösste Erfolge Bronze an Jugend-Olympia, Teilnahmen an U-18- und U-20-WM, 29 NLA-Spiele mit dem EV Zug
Hobbys Snowboarden, Freunde
Lieblingsessen Fondue chinoise
Lieblingsgetränk Fanta

SC Langenthal wurde vor 70 Jahren gegründet

Klubgeschichte Der Berner Traditionsclub feierte 2012 den grössten Erfolg in seiner Geschichte. Er wurde NLB-Schweizer-Meister und scheiterte danach in den Relegationsspielen (Auf-/Abstieg) an Ambri-Piotta. 

Langenthal vertritt die Region Oberaargau und spielt seit dem Wiederaufstieg 2002 permanent in der zweithöchsten Spielklasse. Die Wurzeln des SCL reichen bis in die Winter während der Kriegszeit 1941 bis 1945 zurück. Junge Burschen richteten drei Plätze her, sodass darauf mittels Haselstecken und Hornusser-Nuoss oder gefrorenen Pferdeäpfeln Eishockey gespielt werden konnte. 1946 wurde der Klub dann offiziell gegründet.

National League B. Rangliste: 1. La Chaux-de-Fonds 25/59. 2. Langenthal 25/54. 3. Rapperswil-Jona Lakers 24/47. 4. Olten 23/46. 5. Red Ice Martigny 23/40. 6. Visp 25/38. 7. Ajoie 25/34. 8. EVZ Academy 24/31. 9. GCK Lions 24/29. 10. Winterthur 24/25. 11. Hockey Thurgau 25/21. 12. Biasca Ticino Rockets 25/14.

René Barmettler

rene.barmettler@luzernerzeitung.ch


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