Endlich kann sie wieder angreifen

LEICHTATHLETIK ⋅ Inola Blatty aus Triengen meldet sich nach einer Hüftoperation erfolgreich auf der Bahn zurück. An den Schweizer Hallenmeisterschaften gewann die 18-Jährige Gold und Silber.
14. Februar 2017, 10:00

Stefanie Barmet

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Dass sie 2017 überhaupt eine Hallensaison bestreiten könnte, hatte Inola Blatty im Sommer 2016 nicht gedacht. «Im April musste ich mich einer Hüftoperation unterziehen lassen. Ich hatte einen Labrumriss und einen Knorpelschaden. Ein Teil meines Hüftknochens musste operativ entfernt werden.» Nach der Diagnose brach für die damals 17-Jährige eine Welt zusammen. «Ich hatte Angst und wusste, dass ich eine extrem wichtige Saison mit den Junioren-WM verpassen würde. Da dachte ich schon kurz ans Aufhören.»

Doch direkt nach der Operation begann sie, gepusht von ihrem Betreuerteam, mit dem Aufbau. Bereits im August konnte die Sport-KV-Absolventin wieder zu joggen beginnen und im November den Saisonaufbau in Angriff nehmen. «Zuzuschauen, wie schnell meine Konkurrentinnen liefen, war schon hart. Viele hatten mich bereits abgeschrieben. Ich versuchte mir jedoch immer wieder vor Augen zu führen, wie gut ich eigentlich war und dass ich mit harter Arbeit stärker als vor der Operation zurück­kehren könnte, egal, was andere dachten.»

Persönliche Bestzeit über 200 Meter knapp verpasst

Schnell machte Inola Blatty grosse Fortschritte und stand im Januar erstmals wieder am Start eines Wettkampfes. Mit 7,61 Sekunden über 60 Meter und 24,71 Sekunden über 200 Meter war sie 2017 so schnell wie noch nie zuvor in der Halle. Auch im Freien lief sie die 200 Meter, welche die Triengerin als ihre Paradestrecke bezeichnet, mit 24,68 Sekunden nur unwesentlich schneller. Dank diesen starken Zeiten zählte sie auch anlässlich der Nachwuchs-Schweizer-Meisterschaften in St. Gallen vom vergangenen Wochenende in beiden Disziplinen zu den Favoritinnen. Über 200 Meter wurde sie von der Thurgauerin Yasmin Giger, ihres Zeichens U-18-Vize-Europameisterin über 400 Meter Hürden, herausgefordert. «Ich habe mich extrem auf die Meisterschaften gefreut und mich seriös vorbereitet. Ich war extrem nervös und wusste, dass ich mit genügend Vorsprung auf Yasmin auf die Zielgerade einbiegen musste, da sie das bessere Stehvermögen hat als ich.» Ein Unterfangen, das ihr gelang. Mit 24,78 Sekunden setzte sich die Athletin im Dress des TSV Rothenburg mit sechs Hundertsteln Vorsprung vor Giger durch und verpasste ihre persönliche Bestleistung nur knapp. «Meine Zeit hat mich überrascht», so Blatty.

Am Sonntag stand Inola Blatty über 60 Meter erneut im Einsatz. Mit 7,61 Sekunden konnte sie ihre persönliche Bestzeit egalisieren und sich trotz verpatztem Start hinter der Churerin Judith Goll, die im Vorlauf mit 7,49 die EM-Limite der Aktiven nur um sieben Hundertstel verpasst hatte, die Silbermedaille sichern. «Gerne hätte ich nach dem Komma eine fünf gesehen. Das perfekte 60-Meter-Rennen habe ich diesen Winter noch nicht gehabt», so Blatty, die sich als ex­trem ehrgeizige und motivierte Athletin bezeichnet. Am kommenden Wochenende wird die Athletin des TSV Rothenburg, die unter anderem von Andrea Thali trainiert wird, auch an den Hallen-Schweizer-Meisterschaften der Aktiven an den Start gehen. «Über 200 Meter möchte ich den B-Final erreichen und eine neue persönliche Bestleistung reali­sieren.» Im Sommer stehen die U-20-Europameisterschaften im italienischen Grosseto an. Dort möchte Inola Blatty über 200 Meter den Final erreichen. «Bereits mit 15 lief ich die 200 Meter unter 25 Sekunden. Nun möchte ich endlich wieder einen grossen Schritt machen und die 24-Sekunden-Marke knacken.»

Auf den Spuren von Mujinga Kambundji

Um ihre hohen Ziele zu erreichen, trainiert die 18-Jährige in der Aufbauphase acht Mal pro Woche. Neben Krafteinheiten, Techniktrainings und Hügelläufen stehen auch einmal die Woche Pilates beim Pilates-Studio in Luzern und ein wöchentliches Training in Bern bei Jacques Corday, dem ehemaligen Trainer der heutigen Weltklassesprinterin und EM-Dritten über 100 Meter Mujinga Kambundji, auf dem Plan. «Die Trainings bei Jacques, die ich seit November 2015 be­suche, bringen mich technisch weiter. In Zukunft möchte ich zweimal die Woche nach Bern fahren.» Längerfristig träumt die Triengerin von einem Start an der EM oder WM der Erwachsenen über 200 Meter oder mit der 4×100-Meter-Staffel.

Am meisten Verbesserungspotenzial sieht sie im Bereich des Stehvermögens. «Ich möchte am liebsten jetzt schon zehn- bis fünfzehnmal trainieren, was in meinem Alter aber noch keinen Sinn macht. Das Wichtigste ist, gesund zu bleiben und meine Ziele mit konsequentem Training im Auge zu behalten.» Dass mit ihr auch in Zukunft wieder zu rechnen ist, hat Inola Blatty bereits eindrücklich bewiesen.

Bilanz: 19 Medaillen

Die Zentralschweizer Nachwuchscracks standen in St. Gallen an den Nachwuchs-SM 19 Mal auf dem Podest. Bilanz: je sechs Gold- und Silber- sowie sieben Bronze-Auszeichnungen. Die erfolgreichste Athletin war einmal mehr U-18-Mehrkampf-Weltmeisterin Géraldine Ruckstuhl. Die heutige U-20-Athletin aus Altbüron holte die Meistertitel im Hochsprung und Kugelstossen sowie Silber im Hürdensprint und im Weitsprung. Mit der 4-Kilogramm-Kugel (13,26 m) stellte die Luzerner Hinterländerin eine persönliche Bestleistung auf.

Korina Küttel (Brunnen) gelang mit persönlicher Bestleistung im Stabhochsprung der Sieg bei den U 16. Weitere Siege gelangen dem U-16-Athleten Luca Diethelm (STV Reichenburg) im Kugelstossen und der U-16-Athletin Katrin Steiner (TSV Steinen) im Dreisprung. (hpr)


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