Der SC Cham geizt nicht mit Selbstkritik

FUSSBALL ⋅ Der Sportclub befindet sich in der Winterpause. Einige Protagonisten ziehen ihr Fazit nach dem 17. Spieltag in der Promotion League. Die Meinungen unterscheiden sich – manchmal deutlich.
22. November 2016, 11:21

Etwas mehr als die Hälfte der Qualifikation ist in der Promotion League gespielt. Das Team von Trainer Jörg Portmann überwintert mit 23 Punkten aus 17 Matches auf dem achten Rang, mit einer Reserve von fünf Zählern auf den ersten Abstiegsplatz. Die Chamer, die Überflieger der vergangenen Spielzeit, werden nach einem durchzogenen Meisterschaftsverlauf im kommenden Frühling um den Verbleib in der dritthöchsten Liga kämpfen. Die zweite Meisterschaftsphase beginnt am 4. März.

Wie beurteilen die Protagonisten die zurückliegenden Monate? Unsere Zeitung hat sich umgehört beim SC Cham.

Jörg Portmann, Trainer:«Die Tabelle lügt nicht und zeigt ein reales Bild. Punktemässig bin ich nicht zufrieden, doch spielerisch und in Sachen Kampfgeist kann ich meinem Team bis auf ganz wenige Partien absolut keinen Vorwurf machen. Wir wissen, was wir können, und ich bin optimistisch, was den weiteren Verlauf der Saison betrifft. In dieser Liga geht es sehr schnell. Wichtig ist, dass wir im Frühling schnell punkten und uns Luft nach hinten verschaffen.»

Marco Trangoni, Torhütertrainer: «Nüchtern betrachtet haben wir das Ziel, einen einstelligen Tabellenplatz zur Winterpause zu erreichen, mit dem achten Rang erreicht. Doch die Tabelle zeigt, wie ausgeglichen die Gruppe ist. Wir haben einen Punkt Rückstand auf Rang sechs, jedoch nur fünf Zähler Reserve auf den Abstieg. Ungewöhnlich für Cham ist das Torverhältnis von 25:26. Hier müssen wir den Hebel ansetzen. Wir müssen im Abschluss effizienter sein und defensiv kompakter werden.

Sportchef Marcel Werder:«Wir haben aktuell 23 Punkte auf dem Konto, was in dieser starken und ausgeglichenen Gruppe nicht schlecht ist. Dennoch fanden wir leider nie die Konstanz, um noch besser zu sein. Auf ein gutes folgte auch immer wieder ein schlechtes Spiel. Uns fehlen in der Zwischenbilanz sicher sechs Punkte. Das Kader mit 18 Spielern war gegen Ende der Vorrunde sicher eng, auch aufgrund von Verletzungen und Sperren. Wir werden die Augen in den kommenden Wochen offen und auf dem Markt Ausschau halten. Doch Transfers tätigen wir nur, wenn es auch passt, auch menschlich.»

Fabio Niederhauser, Verteidiger:«Wir haben sehr viele Gegentreffer kassiert und so viele Punkte liegen gelassen. Und in offensiver Hinsicht hatten wir zwar Chancen. Aufwand und Ertrag stimmen jedoch in keinem Verhältnis. Das ist ärgerlich, denn wir haben die Qualitäten dazu, um in dieser Liga vorne mitmischen zu können. Wir haben gegen die Topteams gezeigt, zu was wir fähig sind. Der 2:0-Sieg über den Leader Kriens bestätigt dies. Das war kein Zufallsprodukt.»

Severin Dätwyler, Stürmer: «Der Eindruck ist zwiespältig. Wir stehen da, wo wir nach der 17. Runde auch hingehören. In einigen Partien haben wir uns selber um die Früchte gebracht, was schade ist. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass wir in dieser Liga gegen jedes Team bestehen können, wenn jeder seine Leistung abrufen kann.»

Pascal Nussbaumer, Verteidiger:«Mit der Punkteausbeute bin ich nicht zufrieden. Auch haben wir unsere Heimstärke etwas verloren. Aus den letzten drei Auftritten vor heimischer Kulisse resultierten nur drei Punkte. Positiv ist, dass wir uns in den letzten Wochen defensiv steigern konnten und in den letzten fünf Partien nur zwei Treffer kassierten. Ärgerlich ist die Tatsache, dass wir immer Mühe mit den Teams haben, die hinter uns liegen. Ich bin zuversichtlich, dass wir einen erfolgreichen Frühling erleben werden.»

Alessandro Merlo, Torhüter: «Wir könnten auch Vierter oder Dritter sein – problemlos. Wenn ich sehe, gegen wen wir Punkte verschenkten, wurmt mich das. Es ist sicher eine schwierige Saison, das Jahr der Bestätigung. Wir müssen sicher im mentalen Bereich arbeiten, damit wir in Zukunft auch gegen die Gegner punkten, die hinter uns in der Rangliste sind. Gegen die Topteams sind wir immer im Stande, Topleistungen zu vollbringen. Es ist also eine Kopfsache.»

Roman Herger, Stürmer:«Die Tabelle lügt nicht. Wir sind nicht besser, als wir klassiert sind. Das ist eine Momentaufnahme nach dem 17. Spieltag. Doch die Qualität ist vorhanden, um weiter oben mitmischen zu können, das wage ich zu behaupten. Was uns fehlte, waren konstant gute Leistungen über zwei oder drei Partien. Ich fühlte mich in den letzten Wochen wie in einer Achterbahn.»

Walter Riedweg, Teammanager und Hauptsponsor:«Ich bin zufrieden mit dem bisher Erreichten. Wir haben fünf Partien mit einer Differenz von einem Treffer verloren, was sehr frustrierend ist. Wir standen in jedem Spiel Punkten nahe. Ausser bei der höchsten Niederlage, dem 1:4 in Brühl, dem wohl schlechtesten Spiel dieses Herbstes. Der Gesamteindruck war aber positiv. Im Februar verreisen wir nach Zypern ins Trainingslager, wo wir den nötigen Feinschliff für den weiteren Verlauf der Meisterschaft holen werden.»

Adrian Krahn, Präsident:«Ich bin zufrieden, denn es ist eine schwierige Mission nach der letzten, äusserst erfolgreichen Saison mit dem zweiten Schlussrang. Die Mannschaft hat ihre Aufgabe bisher ganz gut gemeistert. Wir könnten sicher mehr Punkte haben. Das Ziel heisst und bleibt der Ligaerhalt. Ein Vorhaben, das wir auch realisieren werden.»

Bernhard Wüest, Finanzchef: «Ich bin zufrieden, und wir sind auf Kurs. Für Cham ist das höchste aller Gefühle der Klassenerhalt. Alles, was wir mehr erreichen, ist Zugabe. Die Erwartungshaltung ist hoch, doch die Realität zeigt nun ein anderes Bild. Nur schon, dass wir Fussball auf Promotion-League-Niveau-bewundern können, ist grossartig. Das muss man sich einfach auch einmal bewusst werden.»

Michael Wyss


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