Bald zieht neues Leben ins Lagerhaus ein

CHAM ⋅ Die 570 Quadratmeter grosse Fläche auf dem Papieri-Areal wird geteilt. Ein Nebeneinander von Sport und Kultur ist geplant. Eine Interessengemeinschaft musste sich nach dem Zuschlag des Gemeinderats aber erst wieder sammeln.
20. Oktober 2017, 05:00

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Der umgangssprachliche Name Langhaus kommt nicht von ungefähr, denn das damit gemeinte Lagerhaus auf dem Chamer Papieri-Areal ist ein langgezogenes Gebäude, das parallel zu den Gleisen steht. Vor einem Jahr hat die Mehrheit der Stimmberechtigten ein Ja für den Bebauungsplan des Gebiets in die Urne gelegt. Damit sollen die 570 Qua­dratmeter des Lagerhauses an die Gemeinde fallen. Diese will die Fläche für eine mindestens fünfjährige Zwischennutzung zur Verfügung stellen und hat nun offiziell kommuniziert, wer von den sieben Gruppen einziehen wird: der Verein Shinson Hapkido und die Interessensgemeinschaft (IG) Langhuus.

Letztere war von der Entscheidung der Jury, dass der Zuschlag an zwei Vereine geht, enttäuscht. Ihr Konzept war für die gesamte Fläche ausgelegt. Anfang Juli vermeldete sie auf der Homepage langhuus.ch: «Unser Gesamtkonzept steht in Widerspruch mit dem nun eingeschlagenen Weg der Gemeinde. Daher haben wir beschlossen, unser Projekt offiziell zurückzuziehen, um den Weg für neue Ideen, neue Köpfe und Konzepte freizumachen.» Dazu lancierten die Mitglieder einen Informationsabend in der letzten Augustwoche und siehe da: «Wir haben ihn wieder – unseren Langhuus-Groove», verkündeten die Verantwortlichen – Nic Baschung, Xaver Inglin und Roman Ambühl – im Internet. Baschung bestätigt: «Nach anfänglicher Enttäuschung haben wir uns aufgerappelt.» Und präzisiert: «Die Faszination für den Raum, auch wenn es ‹nur› sechs Elftel sind, hat uns neu gepackt.» Geplant ist, die Fläche etwa mit einem Marktplatz, Kunst, Design und Handwerk, Ausstellungen sowie einer Bühne zu beleben. Die Elemente sollen gleich bleiben, aber natürlich stehe weniger Platz für sie zur Verfügung. «Die einzelnen Bereiche werden konzentrierter», sagt Nic Baschung. Auf den Grundgedanken wird aber nicht verzichtet: «Zentral ist und bleibt es, ­einen für alle zugänglichen Raum für vielfältige Ideen zu bieten.» Als nächster Schritt steht die Vereinsgründung auf dem Plan: Die Versammlung dazu findet am 1. Dezember statt.

Vor zwei Jahren mit der Projektarbeit begonnen

Bereits seit 25 Jahren gibt es den Kampfkunstverein Shinson Hapkido in Cham: Dieser belegte im Ranking der Jury des Ideenwettbewerbs den ersten Platz. Für sein Projekt benötigt der ortsansässige Verein aber nur fünf Elftel der Fläche. Thomas Werder, Leiter des Vereins, sagt stellvertretend für das Projektteam lagerhus.ch – dieses besteht neben Werder aus Andrea Durrer, Marco Müller, Urs Pfändler und Daniel Rempfler: «Dass die Jury und auch der Gemeinderat nun unsere Arbeit und Idee als Gewinner gewählt haben, macht uns auch etwas stolz.» Das Projekt biete einen «vielseitigen Bewegungs- und Begegnungsort, der auf verschiedene Arten genutzt werden kann.»

Zudem hat das Konzept den ersten Voting-Platz (2227 Stimmen) beim Jubiläumswettbewerb der Zuger Kantonalbank belegt. Der erzielte Gewinn von 50 000 Franken beschert dem Verein eine Anschubfinanzierung. Geplant ist ein multifunktionaler Raum im Gebäude, für den es Anfragen für beispielsweise Yoga, Pilates, Zumba, Indoor-Bogenschiessen, Ausstellungen oder Workshops gibt. Im Aussenbereich soll es ein Bistro in einem ausrangierten Eisenbahnwagen geben. Das Team hat bereits 2014 mit der Projektarbeit begonnen und sich im Dezember 2016 dafür entschieden, beim Ideenwettbewerb der Gemeinde mitzumachen.

Der Bebauungsplan ist noch nicht rechtskräftig

Als nächster Schritt hat der Gemeinderat eine Ad-hoc-Kommission Lagerhaus ins Leben gerufen. «Die Nutzer, die Gemeindevertreter und die fachliche Be­gleitung arbeiten gemeinsam die Nutzungsvereinbarung aus und planen die Umsetzung des Lagerhauses und die dazu erforderlichen Instandstellungs- und Umgebungsarbeiten», gibt Bauchef Rolf Ineichen Auskunft.

Auch auf die Gemeinde kommen noch einige Arbeiten zu: die Sanierung des Daches, der Fenster, Türen, Sanitär- und Elektroanlagen. Für die Arbeiten liegen erste Kostenschätzungen von einem Architekturbüro vor: «Diese Grobkostenschätzung beläuft sich auf ungefähr 756 000 Franken. Beide Nutzer haben Fronarbeiten und Eigenleistungen in Aussicht gestellt, was der Gemeinderat sehr begrüsst», verkündet der SVP-Politiker. Um der Stimmbevölkerung einen Sanierungs- und Ausbaukredit bis Ende 2018 vorlegen zu können, müsste der Bebauungsplan bis März 2018 rechtskräftig sein. Gegen jenen hat der VCS Sektion Zug Beschwerde eingereicht.

Der Zuger Regierungsrat hat nun entschieden, den Bebauungsplan mit gewissen Auflagen zu genehmigen, und dies am 13. Oktober im Amtsblatt publiziert. Die Beschwerdefrist beträgt 30 Tage. So ist das Lagerhaus momentan noch im Eigentum der Immobilien AG Cham. «Die Planungsarbeiten können aber trotzdem gestartet werden», meint Ineichen.

 

 


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