Experten diskutieren über aktuelle Bedrohungen für die Schweiz

ZUG ⋅ Gestern Abend diskutierten Sicherheitsexperten über zukünftige und aktuelle Bedrohungen für die Schweiz. Der stellvertretende Chef der Armee bedankte sich bei den Gästen für ihre «Sicherheitsprämie».
12. Oktober 2017, 07:22

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@zugerzeitung.ch

Alles drehte sich gestern Abend um die «Zukunft der Sicherheit». Der Anlass mit dem gleichen Titel, organisiert von Metall Zug, dem Technologie-Forum Zug und der Zuger Wirtschaftskammer, fand im oberen Stock des Zugoramas auf dem V-Zug-Areal statt, Hauptreferent war Aldo C. Schellenberg, der Kommandant der Luftwaffe und stellvertretender Chef der Schweizer Armee.

«Sicherheit garantiert wirtschaftlichen Erfolg und ein gutes Zusammenleben», sagte Schellenberg. Doch die Bedrohungen nähmen zu respektive würden umfassender. So sei heute die Cyberkriminalität wohl die grösste Bedrohung, gerade wenn durch Angriffe über das Internet wichtige Infrastrukturen, etwa Elektrizitätswerke, sabotiert würden. Aber auch bei bewaffneten Konflikten drohe diese Gefahr, «wenn zum Beispiel in die Steuerung von Drohnen eingegriffen wird».

Bedrohung durch Terrorismus steigt

Eine nicht zu unterschätzende, «sichtbare» Bedrohung bleibe der Terrorismus. «Diese hat sich in den letzten Jahren auch hier massiv erhöht. Ein Einzelner oder kleine Gruppen könnten jederzeit zuschlagen, so Schellenberg.

Zuletzt bedankte sich der Chef der Luftwaffe mit einem Augenzwinkern bei den anwesenden Gästen für die 5 Milliarden Franken, die die Armee jährlich erhalte. «Das ist auch Ihr Geld.» Man solle es als eine Art Sicherheitsprämie verstehen.

An der auf das Referat folgenden Podiumsdiskussion debattierten der Zuger Sicherheits­direktor und Regierungsrat Beat Villiger, Daniel Nussbaumer, Chef der Abteilung Cybercrime der Kantonspolizei Zürich, der Militärexperte und Dozent für schweizerische Sicherheitspolitik, Bruno Lezzi, sowie Luc Sergy, Direktor des Verbands Schwei­zerischer Sicherheitsdienstleistungsunternehmen und lang­jähriger Securitas-Chef. Villiger stellte dabei klar, dass man im Kanton Zug «eine gute gefühlte Sicherheit» habe, aber diese auch mit Statistiken der letzten Jahre belegen könne. Zentral für ein funktionierendes Sicherheitssystem sei, dass der Bürger den Polizisten kenne und spüre. «Man kann die Polizisten nicht einfach durch Roboter und Kameras ersetzen», so Villiger. Doch es sei nicht einfach, Sicherheit zu gewährleisten und diese nicht allzu sichtbar zu machen, etwa durch einen schwerbewaffneten Polizisten an jeder Kreuzung. «Dass das bei uns funktioniert, hat mit der Kultur zu tun. Die Leute melden Verdächtiges, und man schaut zueinander.» Lezzi pflichtete ihm bei: Das Zusammenleben in der Schweiz sei der Grund, warum vieles gut laufe. «Doch man muss dem Sorge tragen, denn es gibt erste Anzeichen, vielleicht nicht gerade von Parallelgesellschaften, aber von Gruppen, die das staatliche Gewaltmonopol und die hiesigen Regeln nicht respektieren», so Lezzi.

Daniel Nussbaumer wies darauf hin, dass Cyberkriminalität eine reale Bedrohung sei: «Wir gehen von jährlich 500 Milliarden US-Dollar aus, die umgesetzt werden. Zum Vergleich: Beim illegalen Drogenhandel sind es gut 400 Milliarden.» Man müsse angesichts der Komplexität und der hohen Kosten der Strafverfolgung auch die Frage nach Aufwand und Ertrag stellen. Luc Sergy, dessen Verband mit 23 000 Sicherheitsarbeitern mehr Personen vertritt, als die Schweiz Polizisten hat, machte sich derweil für die privaten Sicherheitskräfte stark: «Früher wurden sie als Abschaum angesehen. Heute kommt kaum noch ein grösserer Anlass ohne private Sicherheitsleute durch.»


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