Chefsache

Abschaffung von Frühfranzösisch: Respektloses Anliegen

Chefredaktor Harry Ziegler über die Motion zur Abschaffung des Frühfranzösisch im Kanton Zug.
12. August 2017, 07:54

Alle tun es. Sämtliche Kantone schreiben das Erlernen einer zweiten Landessprache in der Primarschule vor. Nur im Kanton Zug soll nun diesbezüglich alles anders werden. Drei Kantonsräte aus SVP und FDP verlangen in einer Motion, dass Französisch als Unterrichtsfach aus den Zuger Primarschulen verschwindet. Sie begründen dies einerseits mit der Überforderung zahlreicher Kinder und wohl auch Lehrpersonen, neben Englisch ab der 3. Primarklasse noch zusätzlich Französisch ab der 5. Primarklasse lernen oder vermitteln zu müssen.

Andererseits sei Englisch für die Bedürfnisse der Wirtschaft und der Lehrbetriebe viel wichtiger als Französisch, argumentieren die drei Kantonsräte weiter. Sie befürchten, durch das Erlernen einer zweiten Landessprache blieben die Deutschkenntnisse der Schülerinnen und Schüler sowie die naturwissenschaftlichen Fächer auf der Strecke – mangels Unterrichtszeit. Abschaffen des Frühfranzösisch – dieses Anliegen erlitt 2006 im Kanton Zug mit einem Nein-Anteil von 58 Prozent eine durchaus deutliche Abfuhr. Es mag ja sein, dass auf dem Platz Zug mehr Englisch als Französisch gesprochen wird, dass die Geschäftssprache eher Englisch denn Französisch ist. Et alors? So what? Die Sprachenfrage ist nur am Rande eine wirtschaftliche, primär ist sie eine staatspolitische.

Der neue Anlauf zur Abschaffung des Frühfranzösisch kommt von jenen politischen Kräften, die regelmässig den inneren Zusammenhalt der Schweiz predigen. Nur: Der Zusammenhalt des Landes definiert sich nicht allein durch die Grenzziehung, sondern vielmehr durch den Umgang mit- und den Respekt voreinander. Die Frage ist nun: Wie respektlos will sich der Kanton Zug in dieser Frage verhalten?

Harry Ziegler,

harry.ziegler@zugerzeitung.ch


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