Das Projekt Wärmeverbund liegt auf Eis: Es fehlen die Abnehmer

CHAM ⋅ Die Abwärme der Pavatexwerke und der Kläranlage Schönau werden nicht wie geplant in einem Wärmeverund genutzt. Das Projekt war von Verzögerungen und einer juristischen Auseinandersetzung geprägt. Jetzt wird es offiziell sistiert.
11. Oktober 2017, 16:04

Rahel Hug und Raphael Biermayr

redaktion@zugerzeitung.ch

Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) lässt die Planungen für den Wärmeverbund ruhen. Damit ist das von der Gemeinde Cham forcierte und stark beworbene Projekt in der ursprünglich gedachten Form wohl vom Tisch. Es hat zum Ziel, mittels der Abwärme der Pavatex sowie der Kläranlage Schönau zahlreiche Haushalte im Zentrum mit umweltfreundlicher Energie zu versorgen. In einer Mitteilung der Gemeinde Cham von gestern wird der Entscheid des EWZ mit der geringen Zahl an Kunden begründet. Auf die Frage, wie viele konkret nötig gewesen wären, antwortet das Unternehmen mit allgemeinen Angaben.

Klar ist: Die Zurückhaltung in der Chamer Bevölkerung ist in der Verunsicherung durch die ständigen Verzögerungen begründet. Im Dezember des Jahres 2014 hatte das EWZ den Zuschlag für den Aufbau des Wärmeverbunds erhalten, die Gemeinde strich bei ihrer Entscheidung die attraktiven Tarife heraus. Der Zürcher Gemeinderat sprach auf Empfehlung des Stadtrats dafür einen Kredit von 19,3 Millionen Franken.

Verunsicherung bei potenziellen Kunden

Doch die Wasserwerke Zug (WWZ) sahen sich durch das Vorhaben in der Verwirklichung ihrer eigenen Ausbaupläne in Cham eingeschränkt und reichten Verwaltungsbeschwerden gegen die Vergabe ein. Deren Behandlung sorgte dafür, dass das EWZ nicht mit den Bauarbeiten beginnen und deshalb zugesicherte Liefertermine im Herbst 2016 nicht einhalten konnte. Daraufhin sprangen Kunden ab oder unterschrieben die Verträge gar nicht erst (Ausgabe vom 26. November 2016). Die Einsprachen wurden nach Angaben der WWZ per Ende Januar 2017 zurückgezogen. Offensichtlich war die Zeit für die EWZ seither zu knapp, um doch noch genügend Kunden zu finden. Der Konzessionsvertrag mit der Gemeinde Cham laufe zudem in zwei Jahren aus, schreibt Marc Amgwerd, der Leiter der zuständigen Abteilung Verkehr und Sicherheit.

Der Vertrag ist offiziell nur sistiert, könnte also wieder in Kraft treten. Dies ist «momentan nicht vorgesehen», schreibt die Mediensprecherin des Energieanbieters, Lena Harm. Eine Vertragsstrafe kommt wegen des Rückzugs nicht auf das EWZ zu, da der Kontrakt «vorbehaltlich der Realisierungsentscheidung von EWZ» abgeschlossen wurde. Marc Amgwerd bestätigt das. Der finanzielle Verlust für die Zürcher hält sich in Grenzen. Da sich das Projekt erst in der Planungsphase befand, seien gemäss Lena Harm noch keine Investitionen getätigt worden. Doch sind für Planung und Kundengewinnung natürlich Ausgaben angefallen.

Die WWZ sind mit der Gemeinde im Gespräch

Die grossen Profiteure sind die WWZ. Sie treiben nun ihre Pläne zur Zusammenführung ihrer Wärmenetze in Cham voran. Entsprechende Gespräche mit der Gemeinde sind im Gang, bestätigt das zuständige WWZ-Geschäftsleitungsmitglied Bruno Schwegler. Doch nicht nur das: Der grösste Energieanbieter im Kanton prüft derzeit, die Abwärme der Pavatex für ein eigenes Wärmeverbunds-Projekt zu nutzen. Inhalt dieser Prüfung ist, so Schwegler, «neben technischen und wirtschaftlichen Punkten» auch, ob «die ökologischen Vorgaben der Gemeinde eingehalten werden können».

Jene hofft, dass die Abwärme der Pavatex und der Kläranlage genutzt werden und die gemeindlichen Gebäude umweltfreundlicher beheizt werden können: Das geschieht gegenwärtig vorwiegend mit fossiler Energie.

Bleibt die Frage, ob die WWZ den Chamer Wärmeverbund gemäss der einstigen Vorstellungen umsetzen wollen. Bruno Schweglers Antwort fällt zurückhaltend aus. Da das EWZ «wegen mangelndem Kundeninteresse und den damit verbundenen wirtschaftlichen Zusammenhängen das Projekt» zurückgezogen habe, dürfte «eine Realisierung gemäss Ausschreibung auch für die WWZ schwierig werden».


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