Motel Sihlbrugg wird nicht als Asylunterkunft genutzt

SIHLBRUGG ⋅ Nach langen Verhandlungen ist klar: Das Motel Sihlbrugg wird nicht zu einer Asylunterkunft. Die Besitzerin möchte wieder langfristig planen können. Der Kanton verneint, sich zu viel Zeit gelassen zu haben.
Aktualisiert: 
20.06.2017, 07:00
19. Juni 2017, 12:00

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@zugerzeitung.ch

Ewig Geduld habe sie nicht, sagte Ursula Röllin Ende April. Nun ist der Geduldsfaden gerissen: Im Motel Sihlbrugg wird keine Asylunterkunft eingerichtet. Besitzerin Röllin hat sich per sofort aus den Verhandlungen mit dem Kanton Zug zurückgezogen. Dies teilte die Direktion des Innern gestern mit.

Sie sei keineswegs frustriert, betont Röllin auf Anfrage. Auch gebe es kein böses Blut nach dem Abbruch der Verhandlungen, die grundsätzlich «gut» gelaufen seien. «Aber der Kanton konnte mir keinen Zeithorizont nennen, und diese Ungewissheit ist für mich keine Option mehr. Jetzt schaue ich wieder für mich, ich will wieder planen können», sagt Röllin. Lange habe sie nicht gewusst, ob sie etwa ein Zimmer langfristig vermieten könne oder ob doch bald Asylbewerber einziehen.

Zahl der Asylbewerber im Kanton stagniert

Dass der Kanton Zug der Betreiberin nicht sagen konnte, ob ihr Motel zur Unterbringung von Asylsuchenden genutzt werden wird und, falls ja, ab wann, begründet Frau Landammann Manuela Weichelt-Picard wie folgt: «Die Bereitstellung der richtigen Anzahl Betten und Unterkünfte – nicht zu wenige, aber auch nicht zu viele – ist anspruchsvoll.» Der Kanton müsse wegen schwankender Zuweisungen durch den Bund flexibel bleiben, so die Vorsteherin der Direktion des Innern. «Diese Flexibilität können wiederum nicht alle Liegenschaftsbesitzer aufbringen, was ebenfalls verständlich ist», sagt Weichelt.

Hat man sich bei den Verhandlungen nicht einfach zu viel Zeit gelassen? Röllin meldete sich vor zwei Jahren beim Kanton, wie sie sagt. Weichelt verneint: «Seriöse Verhandlungen brauchen immer Zeit, Schnellschüsse sind nicht opportun.» Bei älteren Liegenschaften brauche es manchmal mehrere Sitzungen und Gespräche, «weil noch abgeklärt werden muss, welche Instandstellungen nötig sind». Beim Motel Sihlbrugg wären Brandschutzmassnahmen sowie Investitionen in neue Küchen und eine Wäscheanlage nötig gewesen. Dies hätte 110000 Franken gekostet.

Der Kanton bedauert laut Weichelt, dass Röllin ihr Angebot nun zurückgezogen hat. Doch dies sei «das gute Recht der Eigentümerin».

Sie sei damals mit ihrer Offerte an den Kanton getreten, weil in Zug dringend Asylunterkünfte benötigt wurden und man mit anhaltend ansteigenden Zahlen gerechnet hatte, sagt Röllin. Mittlerweile habe sich die Lage bei den Asylunterkünften aber entspannt. Diese Aussage stützt ein Blick in die entsprechende Statistik der Direktion. Nach stetem Anstieg 2015 und 2016 stagniert die Zahl der Personen aus dem Asylbereich im Kanton seit Jahresbeginn bei rund 1200. 

Durch den Rückzug Röllins fallen nun bis zu 100 potenzielle Plätze weg. Gemäss dem gesetzlich verankerten proportionalen Verteilschlüssel auf die Gemeinden liegt Baar aber immer noch mit 57 Plätzen im Minus, wie Manuela Weichelt bestätigt. Der Kanton sei aber zuversichtlich, dass es der Gemeinde früher oder später gelingen wird, ihrer Aufnahmepflicht nachzukommen, «auch wenn nun das Motel in Sihlbrugg als Option wegfällt».

Inwiefern sich dieser Wegfall auf die zweite Option in Baar, dem geplanten Asylzentrum in der Obermühle, auswirken könnte, kann Weichelt nicht sagen. 

Sie verweist auf das laufende Verfahren vor Verwaltungsgericht. Gegen die Baubewilligung wurde Beschwerde eingereicht.


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