Kein Gefängnis trotz Sex mit 12-Jähriger

BAAR ⋅ Ein 37-Jähriger soll mehrfach mit der geistig beeinträchtigten Tochter seiner damaligen Partnerin Geschlechtsverkehr gehabt haben. Das Obergericht bestätigte nun den Schuldspruch des Strafgerichts, trotzdem kommt er glimpflich davon.
15. April 2018, 09:58

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Ob er in der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar 2016 Geschlechtsverkehr mit der zwölfjährigen Tochter seiner damaligen Partnerin gehabt habe oder nicht? Er habe es vergessen, antwortete der Angeklagte auf die Frage des Oberrichters. Und nach diesem Schema lief die ganze Obergerichtsverhandlung am 1. März 2018 ab.

Obwohl der 37-jährige Angeklagte leugnete, mit dem geistig beeinträchtigten Mädchen mehrfach Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, und sogar behauptete, die Spermaflecken seien auf ihr Bettlaken gekommen, weil er auf diesem Sex mit der Mutter gehabt habe, trug er nichts konkret Entlastendes vor. Vielmehr behauptete er oft, sich nicht erinnern zu können. Während seiner Untersuchungs- und Sicherheitshaft von insgesamt 363 Tagen habe er alles vergessen wollen.

Genugtuung von 5000 Franken

Die Zuger Oberrichter konnte er nicht überzeugen, diese bestätigen im jüngst schriftlich eröffneten Urteil das Urteil der Vorin­stanz. Der in Baar wohnhafte serbische Staatsangehörige wird wegen mehrfacher sexueller Handlung mit Kindern zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten unter Anrechnung der verbüssten Haftzeit sowie unter Gewährung des bedingten Strafvollzugs für eine Probezeit von drei Jahren verurteilt, was bei Strafen bis zu zwei Jahren üblich ist, falls keine weitere Straftat vom Täter zu erwarten ist. Des Weiteren wird dem Opfer, der Privatklägerin, eine Genugtuung von 5000 Franken zuzüglich Zinsen zugesprochen.

Zur Begründung der Verurteilung schreibt das Gericht. «Bei der Gesamtwürdigung aller vorhandenen Beweismittel ergibt sich, dass die Aussagen der Privatklägerin zum Kerngeschehen aufgrund ihrer geistigen Behinderung zwar nicht besonders detailliert, jedoch unter aussagepsychologischen Gesichtspunkten mit hoher Wahrscheinlichkeit als erlebnisbasiert anzusehen sind.» Demgegenüber seien die Aussagen des Beschuldigten zum Kerngeschehen – soweit er sich dazu geäussert habe – als unwahr beziehungsweise als Schutzbehauptungen anzusehen. Somit stehe fest, dass der Beschuldigte mit dem Mädchen – zweimal in dessen Bett und einmal im Wohnzimmer – den vaginalen Geschlechtsverkehr vollzogen habe.

Verminderte Schuldfähigkeit

Zur Frage der Bestimmung des Strafmasses schreibt das Gericht, dass in objektiver Hinsicht eine Strafe im oberen Drittel des Strafrahmens – der in diesem Fall eine Strafe von maximal fünf Jahren vorsieht – in Höhe von 48 Monaten angemessen wäre. Diese Strafe hatte die Staatsanwaltschaft gefordert. Nun wird dem Täter aber eine mittelgradig verminderte Schuldfähigkeit anerkannt, was zum deutlich tieferen Strafmass von 24 Monaten beiträgt. Denn gemäss Gutachten leide er an einer Intelligenzmilderung, «die an der Schwelle zwischen leichter und mittelgradiger geistiger Behinderung liegt und als schwere psychische Störung einzustufen ist». Weshalb die «Steuerungsfähigkeit» zur Tatzeit erheblich eingeschränkt gewesen sei. Des Weiteren schreibt das Gericht zur subjektiven Tatschwere zwar, dass der Täter die Behinderung des Opfers zur Befriedigung seiner Wünsche in verwerflicher Weise ausgenutzt habe. Aber auch, dass auf der anderen Seite festzuhalten sei, dass die Folgen der Tat für das Opfer aufgrund ihrer geistigen Einschränkung «wohl nicht sehr gravierend ausgefallen sind». Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.


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