Finanzspritze für die Postagentur in Hünenberg

ZUG ⋅ Im Budget sind 12 000 Franken für den Weiterbestand der Postagentur im Seegebiet vorgesehen. Dies, weil die Creabeck AG nicht mehr bereit ist, die Agentur unter den aktuellen Umständen weiterzuführen. Das Vorgehen löst eine Kontroverse aus.
07. Dezember 2017, 07:25

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Das Netz der Postfilialen in der Schweiz wird künftig weiter ausdünnen, so viel steht fest. Als Alternative gibt es Postagenturen, die in bestehende Geschäfte integriert werden. So auch in Hünenberg See, wo seit 2012 im Creabeck eine Agentur besteht. Doch ob die Kunden auch künftig an der Luzernerstrasse 101 ihre Pakete werden aufgeben können, ist zurzeit unklar.

Das Problem: Die Creabeck AG ist wegen des grossen Aufwandes nicht mehr bereit, die Postagentur weiter zu führen. Dies ist der Vorlage zur Gemeindeversammlung vom Montag (siehe Box) zu entnehmen. Um den Weiterbestand vorerst zu sichern, hat der Hünenberger Gemeinderat beschlossen, der Creabeck AG ab September bis Ende Jahr mit einem monatlichen Betrag von 1000 Franken unter die Arme zu greifen. Ob dieser Betrag auch für 2018 bezahlt wird, soll nun die Bevölkerung bei der Behandlung des Budgets entscheiden. 12 000 Franken sind für das kommende Jahr im Voranschlag vorgesehen.

Von Leuten mit Zalando-Paketen überrannt

Doch weshalb kann das Unternehmen den Betrieb der Postagentur nicht mehr stemmen? Roman Fähndrich, Mitglied der Geschäftsleitung, klärt auf. Die Creabeck-Filiale im Zythus habe sieben Tage die Woche geöffnet. «Im Vertrag mit der Post ist festgehalten, dass die Öffnungszeiten für die Agentur die gleichen sein müssen.» Das stelle den Betrieb vor grosse Herausforderungen: «Am Sonntag zum Beispiel werden wir von Leuten mit Zalando-Paketen überrannt. Personell wird es dann eng, weil wir mit den Gästen im Café schon stark ausgelastet sind.» Es habe Reklamationen wegen der Wartezeiten gegeben, sagt Fähndrich. Kommt das Platzproblem hinzu. «Uns fehlt der Stauraum für diverse Sendungen.» Der Geschäftsleiter hat bei der Post eine Reduktion der Öffnungszeiten und eine höhere Vergütung beantragt. «Doch das ist chancenlos. Die Post will alle Agenturen gleich behandeln.» Nach einem Gespräch mit der Gemeinde habe man sich für einen neuen Anlauf entschieden. «So können wir den Betrieb einigermassen kostendeckend weiterführen.» Für Fähndrich steht aber fest, dass die ­Beiträge der öffentlichen Hand «eine Zwischenlösung» bleiben sollen. «Wir haben uns dem Postagenturverband angeschlossen und hoffen, dass sich auf dieser Ebene in den kommenden Jahren politisch etwas tut», sagt er.

Für die Hünenberger Gemeindepräsidentin Regula Hürlimann ist der geplante Beitrag «eine Dienstleistung an die Bevölkerung». Nach den Gesprächen mit der Creabeck AG habe man versucht, einen anderen Agenturpartner im Seegebiet zu finden. «Leider ohne Erfolg.» Der Gemeinderat habe dann entschieden, mit dem Unterstützungsbeitrag in die Bresche zu springen. «Wir sind uns bewusst, dass dies eine Kontroverse geben wird. Deshalb informieren wir in der Vorlage transparent über das Vorgehen. Es ist uns ein grosses Anliegen, dass die Postagentur in Hünenberg See bestehen bleibt», sagt Hürlimann. Genehmigt die Gemeindeversammlung die 12 000 Franken, würde auch für die folgenden Jahre jeweils via Budget dieser Unterstützungsbeitrag beantragt – bis maximal 2020. «Dann werden wir die Situation neu beurteilen müssen», so die Gemeindepräsidentin.

Das Vorgehen kommt nicht überall gut an. «Es kann nicht Aufgabe der Gemeinde sein, die Kernleistungen der Post derart querzusubventionieren», schreibt etwa die CVP Hünenberg in ihrer Stellungnahme. Es sei ein Beispiel dafür, wie die Sicherstellung eines attraktiven Service public ad absurdum geführt werde. Trotzdem unterstützt die CVP den Gemeinderat: «Im Wissen um die Bedeutung der Agentur im Dorfteil See sind wir bereit, für eine befristete Phase diese Zahlung mitzutragen.» Ähnlich äussert sich die SVP: «Der Post stellen wir ein schlechtes Zeugnis aus, da diese nicht willens ist, den Aufwand für die Agentur kostendeckend zu finanzieren.»

An der Versammlung wird auch der geplante Steuerrabatt von 2 Prozent zu reden geben. Während die SVP einen Rabatt von 4 Prozent beantragen wird, werden die SP und das Grüne Forum den Steuerrabatt ablehnen.


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