Taufe: Eine Tradition, die gelebt wird

ZUG ⋅ Die Taufzahlen sind im Kanton stabil, das bestätigen Vertreter der katholischen sowie der reformierten Kirche. Die Pfarrer haben aber anderswo Veränderungen festgestellt.
12. August 2017, 08:22

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

In einem Gottesdienst erhalten Neugeborene den Taufsegen. Bei der katholischen Kirche ist es gar das Grundsakrament, und der Täufling wird damit zum Mitglied der Kirche. Bei der reformierten Kirche gehört man allerdings auch dazu, wenn man sich nicht taufen lässt. Eine Tradition und ein Sakrament ist der Akt aber in beiden Kirchen. Zudem ist es oftmals das erste Fest für das Neugeborene. Nun titelte kürzlich die «Luzerner Zeitung», dass die Taufe an Anziehungskraft verliere – dies vor allem in der Stadt Luzern. Die Zahlen im Kanton Zug und auch die Pfarrer sprechen von einer anderen Entwicklung.

Für den gesamten Kanton Zug erfassen die katholischen Kirchgemeinden die Anzahl Taufen nicht. Stellvertretend stellen eine städtische und eine ländliche Pfarrei ihre Situation dar. Reto Kaufmann, Pfarrer in der Pfarrei St. Michael Zug, sagt: «Wir haben im Jahr zwischen 25 und 35 Taufen. Die Zahlen sind seit Jahren ziemlich konstant.» Die Schwankungen erklärt er mit geburtenschwachen und -starken Jahrgängen. Im Jahr 2016 wurden in seiner Pfarrei – in der Stadt Zug gibt es drei weitere Pfarreien – 28 Personen getauft, dies waren meist Neugeborene. Erwachsene seien eher selten, bestätigt Reto Kaufmann.

Auch Markus Burri, Diakon und Gemeindeleiter in der katholischen Pfarrei Heilige Familie in Unterägeri, kann keine Abnahme feststellen: «Die Zahl war in den letzten Jahren zwar Schwankungen unterworfen, aber über mehrere Jahre hinweg immer etwa zwischen 35 und 40 Taufen.» Seine Nachfrage in den Nachbarpfarreien Oberägeri und Neuheim zeigt das gleiche Bild: «Es gibt keine Abnahme der Tauf­anzahl. In Oberägeri wird festgestellt, dass die Zahl eher steigend ist gegenüber vergangenen Jahren», sagt der Unterägerer Gemeindeleiter. Er weist aber auf die aussergewöhnlich tiefe Anzahl im Jahr 2016 hin: weniger als 30 Taufen. «Wir stellten durch eine Rückfrage bei der Einwohnergemeinde fest, dass merklich weniger Kinder von katholischen Eltern geboren worden sind», erläutert Burri.

Bei der reformierten Kirche ist der Kanton Zug eine einzige Kirchgemeinde, die in verschiedene Bezirke aufgeteilt ist. Aus diesem Grund weiss Manuel Bieler, Pfarrer im Bezirk Baar Neuheim, dass 2016 120 Taufen im Kanton gespendet wurden. Er habe die Zahlen bis zurück ins Jahr 2008 verfolgt: «Diese sind stabil», versichert Bieler. So seien auch die Mitgliederzahlen seit zehn Jahren bei leicht unter 18 000 unverändert. Ein genauerer Blick in die Statistik zeige ihm aber ein interessantes Bild: «Die Anzahl Taufen im Kanton sind über die Jahre mit natürlichen Schwankungen gleich bleibend. In den einzelnen Bezirken hingegen gibt es teilweise mas­sive Schwankungen. Diese werden aber von anderen Bezirken jeweils wieder ausgeglichen, sodass die kantonalen Durchschnittswerte dann doch stabil bleiben.»

Der Taufritus hat sich nicht verändert

Die Gründe, weshalb sich die Eltern dazu entschliessen, ihr Kind zu taufen, sind bei beiden Konfessionen sehr ähnlich. «Es ist oft die Bitte um den Segen Gottes, eine Tradition, und die Eltern wollen ihrem Kind den Glauben mitgeben», erklärt Reto Kaufmann. Der reformierte Pfarrer Bieler sagt: «Eine Taufe ist auch eine Begrüssung des Kindes auf der Welt in einem gesellschaftlichen Rahmen – eine Art emotionales Ankommen in der Gesellschaft.» Der Unterägerer Markus Burri spannt den Bogen zur Vergangenheit: «Vor etwa 50 Jahren wurde oft aus Angst getauft, das Kind könnte sonst von Gott verlassen sein. Das ist heute nicht mehr so.»

Veränderungen hat es in den Wünschen, wie die Taufe aussehen soll, gegeben. «Heute gibt es Anfragen, ob die Taufe auch draussen stattfinden kann. Dies ist zwar nicht die Regel, aber auch schon vorgekommen», so der reformierte Pfarrer. Reto Kaufmann von der Pfarrei St. Michael macht klar, dass eine Taufe grundsätzlich in die Kirche gehöre – dort sei der Taufstein. «Wir machen selten eine Ausnahme.» Die beiden Katholiken sind sich einig: «Grundsätzlich hat sich am Taufritus nichts geändert. Aber die Zeremonie ist individueller geworden – es ist keine Taufe gleich wie die andere», sagt Reto Kaufmann.


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