Der Zuger Baudirektor geht in die Offensive

PROJEKTE ⋅ Der Kanton Zug will in den kommenden zehn Jahren kräftig in Hochbauten investieren. Die Kosten dafür betragen rund 340 Millionen Franken. Das alte Kantonsspital bildet das wichtigste Puzzleteil. Das hat auch mit der Vergangenheit zu tun.
06. Dezember 2017, 20:21

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Endlich. Der Kanton hat am Mittwoch seine Strategie präsentiert, wie er seine verschiedenen Baustellen im Hochbau abarbeiten will. In diesem Bereich hat beim Kanton in den vergangenen Jahren praktisch Stillstand geherrscht.

Die Federführung für die neue Vorwärtsstrategie liegt beim Baudirektor Urs Hürlimann. «Die Baudirektion hat zuhanden des Regierungsrates eine Auslegeordnung durchgeführt und eine Priorisierung vorgeschlagen», sagt Hürlimann. Erstaunlich ist die von der Baudirektion gewählte Vorgehensweise. Die verschiedenen Projekte sollen wie die Wagen eines Eisenbahnzuges miteinander gekoppelt werden. Aktuell stehen die Wagen aber noch irgendwo auf einem Abstellgleis. Dem Baudirektor obliegt nun die Aufgabe, unter Einbezug vieler helfender Hände, den Zug wie geplant zusammenzustellen.

Bezüglich der zu erledigenden Arbeiten hat sich der Regierungsrat einen ambitionierten Fahrplan aufgestellt. Wie Hürlimann erklärt, ist die Weiterentwicklung des Areals des alten Kantonsspitals im gewählten Szenario von zentraler Bedeutung. Es kann erst dann überbaut werden, wenn vorab einige kantonale Hochbauprojekte realisiert und die Nutzer dort eingezogen sind. So müsse für die im alten Kantonsspital einquartierten Asylbewerber eine andere Bleibe gefunden werden.

Durchgangsstation in Steinhausen soll neu gebaut werden

Vorgesehen ist deshalb, dass die Durchgangsstation Steinhausen abgebrochen und an gleicher Stelle ein Neubau entstehen soll. Die Baute ist 1993 als Provisorium erstellt worden und befindet sich in einem schlechten Zustand. «Einen Pinsel in die Hand zu nehmen, reicht hier nicht mehr», beschreibt Urs Hürlimann die dortige Bausubstanz.

Der Kanton hat nun auch nach jahrelangen Gedankenspielen entschieden, wie es mit dem Theilerhaus weitergehen soll. Das Verwaltungsgericht wäre dort am idealen Ort. Dieses Gericht ist derzeit im ZVB-Haus eingemietet. Dieses Mini-Hochhaus zwischen dem Bahnhof Zug und der Stadtbahn-Haltestelle Schutzengel wird zurückgebaut, wenn der dortige ZVB-Hauptstützpunkt ersetzt wird. Weiter verfolgt der Kanton die Idee einer Kantonsschule in unmittelbarer Nähe des Schulhauses Röhrliberg in Cham. Prognosen zeigen, dass diese Bildungsstätte um 2030 gebraucht wird.

Im Weiteren schlägt die Baudirektion vor, das kantonseigene Areal im Hinterberg in Steinhausen «als strategische Reserve» zurückzuhalten. Urs Hürlimann begründet diese Entscheidung so: «Es ist die letzte grosse Landfläche, die dem Kanton gehört.»

Zu guter Letzt hat der Kanton genaue Vorstellungen, wie das Areal des alten Kantonsspitals dereinst genutzt werden soll. Ein rechtsgültiger Bebauungsplan liegt seit 2016 vor. Die verschiedenen Baufelder sollen an Investoren im Baurecht abgegeben werden. Blumig stellt sich die Baudirektion die Nutzung vor. Es soll eine «publikumsattraktive, öffentliche Nutzung mit Ausstrahlungskraft» entstehen. Auch ein Hotel gehört dazu. Platz hat es gemäss der Landbesitzerin auch für ein Gastronomieangebot. Gebaut werden kann am dem Kantonsspital-Areal allerdings nur, wenn alle anderen vorgesehenen Hochbauten erstellt sind.

Es ist bereits der zweite Versuch die umfangreiche Landfläche neu zu überbauen. Am 28. September 2008 ist ein Projekt, das aus zwei Hochhäuser, einem Hotel und einer Altersresidenz bestehen sollte, vom Zuger Souverän mit 4878 Nein- zu 3983 Ja-Stimmen abgelehnt worden.

Der Zuger Baudirektor hat sich aber nicht nur überlegt, wo gebaut werden soll. Es gibt dafür auch ein Preisschild: 340 Millionen Franken in einem Zeitraum von 2018 bis 2026. Der Kanton kann diese Summe ohne Aufnahme von Fremdkapital aufbringen. Um Zeit zu gewinnen, werden die verschiedenen Projekte zeitgleich weiter entwickelt. Es liegen auch konkrete Vorgaben in Bezug auf den Fahrplan vor.

Der Baudirektor Urs Hürlimann und seine Mitarbeiter sind sich jedoch bewusst, dass es noch viele Hürden zu überwinden gilt. Innerhalb des Regierungsrates herrscht Konsens. Jetzt ist der Kantonsrat gefragt, um die notwendigen Kredite zu sprechen. Für die erforderlichen Bebauungspläne sind die Gemeinden zuständig. Allenfalls muss sich auch noch der Stimmbürger entscheiden.

Bereits Anfang 2018 wird es spannend, wenn der Kantonsrat den Standort des ZVB-Hauptstützpunktes festsetzen muss. Widerstand ist programmiert. Zwar ist dieses Projekt für die Kantonsstrategie nicht so essenziell wie andere.

Aber wenn schon die Bereitstellung des ersten Wagens für den Kantonszug stockt, wird es schwierig. Eines sagt der Baudirektor Urs Hürlimann klar und unmissverständlich: «Ein Plan B existiert nicht.


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