Besonderes Bistro im Langhaus

CHAM ⋅ Für die Umnutzung des Lagerhauses auf dem Papieri-Areal haben zwei Projekte das Rennen gemacht. Ob sie je nebeneinander existieren werden, ist aber unklar.
08. Juli 2017, 08:01

Raphael Biermayr und Andrea Muff

gemeinden@zugerzeitung.ch

Die Expertenjury hat sich nicht für eines, sondern für zwei der insgesamt sieben Projekte entschieden, die sich um die künftige Nutzung des «Langhuus» beworben haben. Wie Recherchen unserer Zeitung ergeben haben, soll im Lagerhaus auf dem Chamer Papieri-Areal einerseits der ortsansässige Kampfkunstverein Shinson Hapkido einen Multifunktionsraum, ein Atelier sowie ein besonderes Bistro betreiben. Andererseits soll die Interessengemeinschaft (IG) Langhuus ihre Idee eines «beständig lebendigen» Treffpunkts mit verschiedenen Aktivitäten verwirklichen können. Allerdings: Sie beansprucht für ihr Projekt das ganze Gebäude. Nun wird fast die Hälfte von Shinson Hapkido belegt sein. Die IG äussert sich auf Anfrage nicht zu dieser neuen Situation.

Thomas Werder ist Leiter des Vereins Shinson Hapkido und dessen «Langhuus»-Projekt. Dieses sieht unter anderem einen Begegnungsort in Form eines besonderen Bistros vor. Es befindet sich in einem Eisenbahnwagon, der auf den übrig gebliebenen, denkmalgeschützten Papieri-Gleisen steht. Dieser Speisewagen ist über eine Terrasse mit dem «Langhuus» verbunden, die als Schönwetterlokal und für Anlässe genutzt werden kann.

Die Räume im Innern des «Langhuus» werden vom Verein genutzt sowie für Anlässe und Aktivitäten untervermietet. Shinson Hapkido wünscht sich, dass die Gemeinde Cham, die Eigentümerin des Lagerhauses sein wird, «die Grundkosten für die Gebäudehülle und die Anschlüsse übernimmt». Der Verein selbst würde für die weiteren Arbeiten aufkommen, wofür er mit Kosten von bis zu 100 000 Franken rechnet. Die Betriebskosten schätzt er auf bis zu 20 000 Franken pro Jahr. Diese Zahlen gehen aus der ausführlichen Projektdokumentation hervor, die für jedermann auf der Homepage der Zuger Kantonalbank einsehbar ist. Denn Shinson Hapkido nimmt mit seiner Idee an deren Jubiläumswettbewerb teil, der den Gewinnern bis zu 50 000 Franken auslobt. In diesem Wettbewerb stösst die Idee der Chamer ebenfalls auf Anklang. Gegenwärtig liegt sie in der Publikumsgunst auf Platz zwei. Mit grossem Abstand an der Spitze steht übrigens das Projekt für eine Freestyle-Sporthalle, das sich auf das «Langhuus» bezieht und nun gegebenenfalls andernorts verwirklicht werden muss.

Entscheid ist einstimmig gefallen

Wann Shinson Hapkido mit der Umsetzung seines Projekts beginnt, ist offen. Gemäss Thomas Werder sind die Detailabsprachen für die Nutzung mit der Gemeinde im Gang. Obwohl diese die Namen der Gewinner noch nicht offiziell kommunizieren will, ist von Rolf Ineichen, Chamer Bauchef und Jurymitglied, zu erfahren: «Wir haben uns in der Jury einstimmig entschieden, die grosse Fläche von 600 Quadratmetern nicht nur einer Organisation zur Verfügung zu stellen.» In der Jury haben externe Fachpersonen, eine für Zwischennutzungen und eine aus dem Kulturbereich, sowie Vertreter der Cham Paper Group und aus der gemeindlichen Verwaltung Einsitz. Das Gremium habe bei der Auswahl das grösste Gewicht auf das Kriterium «Belebungsqualität, Mehrfachnutzen, Nutzen für Öffentlichkeit» gelegt, erklärt der SVP-Politiker. So habe ein Projekt mit Teilnutzung den ersten Rang belegt. «Darum bieten wir dem Zweitrangierten an, die verbleibende Fläche zu bespielen.» Bis Ende August hätten die beiden Gruppen Zeit gewünscht, um zu entscheiden, ob sie mit der zugeteilten Fläche einverstanden seien, sagt Ineichen weiter. «Wir sind gespannt, wie sich die beiden ausgewählten Organisationen arrangieren werden, und warten nun auf die definitive Zu- oder Absage», sagt Rolf Ineichen. Voraussichtlich im September wird der Gemeinderat bekanntgeben, wer ins Lagerhaus zieht.

Und wer weiss: Vielleicht wird damit dank des Eisenbahnwagon-Bistros das identitätsstiftende Papieribähnli auf seine alten Gleise nach Cham zurückkehren. Dieses verschenkte die Eigentümerin Cham Paper Group im Juli 2014 nach 93 Einsatzjahren an eine Museumsbahn in die Ostschweiz.


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