Zusammenleben wie die Jungen

BAAR ⋅ Auch im Alter wünscht man sich Abwechslung im Alltag, Gesellschaft und vielleicht etwas Unterstützung. In der Bahnmatt bietet sich dazu nun Gelegenheit: in der ersten betreuten Alters-WG.
24. März 2017, 19:53

Carmen Rogenmoser

carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch

Bei einer WG – Wohngemeinschaft – denkt man in erster Linie vielleicht an lustige Abende mit Mitbewohnern, die nach und nach zu Freunden geworden sind. Aber auch Geschirr, das sich in der Spüle stapelt, oder eine Warteschlange vor dem Gemeinschaftsbad kommen einem in den Sinn. Auf jeden Fall aber gehören junge Männer und Frauen in dieses Bild. Künftig aber muss diese Vorstellung revidiert werden: In Baar werden bald ältere Semester gemeinsam in einer WG wohnen. Es handelt sich dabei um die erste betreute Alters-WG der Region. Einziehen werden die fünf bis sechs Senioren in eine Parterrewohnung gleich neben dem Altersheim Bahnmatt. Bereits ist die «WG-Bahnmatt» mit einem Wegweiser gekennzeichnet.

Der genaue Bezugstermin ist noch offen. «Wir sind aber bereit», stellt Esther Pellegrini klar. Sie ist als Ansprechperson zuständig für die Wohngemeinschaft – und beantwortet momentan viele Fragen: «Was genau ist denn eine WG?», heisst es etwa, oder «Hat denn jeder ein eigenes Zimmer?» Ebenfalls öfters hört sie: «Ich kann mir das noch nicht so vorstellen.» Die Neugierde bei den Senioren sei durchaus da. «Es handelt sich halt um eine Generation, die noch nicht so WG-erprobt ist», erklärt Johannes Kleiner, Geschäftsführer der Altersheime Baar, und lacht. Er und Esther Pellegrini sind voller Vorfreude und genauso voller Energie für ihr neues Projekt. Mit den frei gewordenen Räumen, die vorher von der Spitex Baar-Steinhausen genutzt wurden, habe sich die ideale Gelegenheit dafür ergeben, so Kleiner. «Mit der WG bieten wir eine weitere Wohnform an.» Es soll keine Konkurrenz zu bestehenden Angeboten wie dem Altersheim oder Alterswohnungen sein, sondern eine Ergänzung.

«Wer Lust hat, macht mit»

Anfang Woche fand eine öffentliche Besichtigung der Pflegeeinrichtungen der Altersheime Baar statt. Dabei konnten auch die Räumlichkeiten der WG begutachtet werden. Mit grossem Interesse nahmen die teilnehmenden Senioren die Räume – und das Konzept – unter die Lupe. Bereits sind Wohnzimmer und Küche eingerichtet. Bilder hängen, Teppiche schmücken den Boden, und der Esstisch ist einladend gedeckt. Die Zimmer sind noch leer. «Die Bewohner sollen sich hier so einrichten, wie es ihnen gefällt», erklärt Pellegrini. Jedes Zimmer verfügt über einen Telefonanschluss, einen Notruf und einen Internetzugang. Eine Wohngemeinschaft mit «grösstmöglicher Selbstständigkeit und familiärer Atmosphäre ausserhalb des Heimbetriebs» strebe man an, sagt Pellegrini. Doch ganz auf sich alleine gestellt werden die Bewohner nicht sein. «Wir bieten Betreuung und Unterstützung im Alltag an, wie etwa bei der Planung der Woche, beim Putzen, Einkaufen und so weiter.» Die körperliche Pflege ist im Angebot nicht inbegriffen. Benötigt man diese, kann das bei der Spitex Zug separat organisiert werden.

In der WG lässt es sich gut leben. Drei Mahlzeiten pro Tag sowie diverse Angebote des Altersheims Bahnmatt, wie etwa Aktivitäten und Veranstaltungen, gehören dazu. Mit rund 2500 Franken pro Monat muss für ein Zimmer inklusive aller Annehmlichkeiten gerechnet werden. «Das ist etwa die Hälfte von einem Zimmer im Altersheim», erklärt Kleiner. Der Alltag könne ganz individuell gestaltet werden – bgestimmt auf die Bedürfnisse der Bewohner. Sie sollen die Wohnung mit Leben und eigenen Ideen füllen. So wird auch der Aussenbereich nach und nach gemeinsam mit den Senioren gestaltet. «Wer Lust hat, macht mit, wer nicht, der nicht», sagt Pellegrini. So einfach, wie das Zusammenleben laufen soll, gestaltet sich die Suche nach passenden Mitbewohnern nicht ganz. Das sei doch aufwendiger, sagt Esther Pellegrini. Es brauche viele Gespräche. Die künftigen Bewohner werden sorgfältig ausgesucht. «Es braucht Leute, die sozial kompatibel, umgänglich, offen, tolerant und neugierig sind», zählt sie auf. «Es ist aber auch wichtig, dass die Leute Unterstützung annehmen können und gerne in Strukturen leben.» Aktuell laufen mit vielen Interessierten Vorgespräche.

Kleiner und Pellegrini sind vom Erfolg der neuen Wohnform überzeugt. Dennoch sei die WG in der Bahnmatt als Nischenangebot geplant. «Nicht jeder möchte in einer WG wohnen», meint Johannes Kleiner. Laufe das Zusammenleben gut an und zeige Erfolge, könne man sich vorstellen, weitere WG zu gründen. Ämtliplan, gemeinsames Fernsehen und Putzen inklusive.

Hinweis

Weitere Informationen gibt es unter www.ah.baar.ch oder direkt bei den Altersheimen Bahnmatt und Martinspark.


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