Nachwuchs fürs Crypto Valley gesucht

WETTBEWERB ⋅ Dieses Jahr findet in Zug der erste Blockchain-Wettbewerb der Schweiz statt. Gesucht sind Start-ups, die Blockchain-­Lösungen für die Versicherungsbranche anbieten. Dem Gewinner winken unter anderem 100000 Franken und ein Büro in Zug.
02. März 2017, 09:00

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

In den letzten Jahren entwickelte sich der Standort Zug zum Anziehungspunkt für Start-ups im ­Bereich Blockchain (siehe Box). So ist der Wirtschaftsstandort auch zu seinem Beinamen ­Crypto Valley in Anlehnung an das bekannte Silicon Valley bei San Francisco gekommen.

Auch im Lakeside Business Center an der Gotthardstrasse 2 in Zug haben seit der Eröffnung des Gebäudes immer wieder Start-ups aus diesem Bereich gearbeitet. Initiator des Centers ist die Inacta AG, ein IT-Beratungsunternehmen, das auf die Digi­talisierung von Unternehmen, hauptsächlich Versicherungen und Banken, spezialisiert ist.

Zusätzliche Start-ups nach Zug locken

Ralf Glabischnig von der Inacta AG ist der Initiator der ersten Schweizer Blockchain Competition (Wettbewerb). «Blockchain ist ein immer grösseres Thema, auch weil die Technologie für Un­ternehmen grosse Einsparungsmöglichkeiten und neue innovative Geschäftsmodelle verspricht. Während Grosskonzerne sich eine eigene Forschungsabteilung für diesen Bereich leisten können, können dies kleinere und mittlere Unternehmen nicht. Wir sind der Meinung, dass Zug ein geeigneter Standort ist, um Kompetenzen zu bündeln. Mit unserem Business Center verfügen wir über ein geeignetes Umfeld dafür», sagt er.

2009 hat der 39-Jährige mit seinem Geschäftspartner Marco Bumbacher in Zug die Inacta AG gegründet, die auch Mitglied der Interessensgruppe Crypto Valley ist. Weil das Unternehmen in den Folgejahren stetig gewachsen sei, hätte es dreimal den Standort wechseln müssen. «Dann entschieden wir uns, das Business Center zu realisieren, wo wir unsere Nutzungsfläche flexibel unserem Wachstum anpassen können und die Räumlichkeiten, die wir nicht brauchen, gleichzeitig vermieten können. Inzwischen konnten wir mehrere Unternehmen dort ansiedeln, in zehn davon haben wir auch selbst investiert», sagt Glabischnig.

«Blockchain könnte Versicherung gar ersetzen»

Für die erste Blockchain-Competition suchen die Veranstalter Start-ups, die Blockchain-Lösungen im Bereich Versicherungen anbieten. So sind in die Organisation des Wettbewerbs mehrere bekannte Versicherer eingebunden. Unterstützt wird der Wettbewerb zudem unter anderem von Kanton und Stadt Zug und der Hochschule Luzern. Doch wie könnten solche Blockchain-Lösungen für Versicherungen überhaupt aussehen? «Die radikalste Lösung wäre natürlich, dass es die Versicherung gar nicht mehr braucht, so wie es eine Bank möglicherweise nicht mehr in jetziger Form braucht, wenn Personen über eine sichere Blockchain-Datenbank das Geld von A nach B schicken können», sagt Glabischnig. Im Fall der Versicherung würden sich dann einige Leute zusammentun, das Geld einbezahlen und sich gegenseitig in Schadenfällen unterstützen. Die Blockchain übernehme wiederum die Aufgabe des Kontrollsystems. Es gebe aber auch diverse weniger radikale Möglichkeiten: «Der Versicherungsnachweis könnte etwa auf einer Blockchain gespeichert werden. Diesen müsste man dann nicht mehr mit sich führen, hätte von überall Zugriff darauf, aber der Datenschutz bliebe trotzdem gewahrt. Auch könne die Blockchain das Problem der Mehrfachabrechnung ­beheben. «Der Fall würde einmal auf der Blockchain registriert, dann wüssten andere Versicherer, ob er schon behandelt wurde oder nicht.» Ein Grund, wieso gerade die Versicherungen in solche Technologien investieren würden, sei auch, dass viele Versicherer durch die Negativzinsen ihr Geld, statt auf der Bank zu haben, lieber investieren würden, indem sie beispielsweise ambitionierte Start-ups unterstützen würden. Doch soll die Blockchain Com­petition in Zukunft nicht nur hauptsächlich der Versicherungsbranche dienen. «Für die schon geplante, nächstjährige Competition wollen wir uns ­einen weiteren Schwerpunkt setzen und dann vielleicht auch Blockchain-Start-ups für Lösungen im Energie- oder Mediensektor suchen.»

Befragung der Teilnehmer über Skype

Doch wie läuft die geplante Competition überhaupt ab? «Ab Anfang April können sich Start-ups bei uns für den Preis bewerben, auch gehen wir selbst aktiv inter­essante Start-ups an. Wir rechnen mit mehreren hundert Bewerbungen», erklärt Glabischnig. Nach Teilnahmeschluss Ende Juli würden dann Interviews mit den Start-ups geführt und die 20 besten darunter ausgesucht. «Diese müssen allesamt die Bereitschaft haben, ein Standbein im Kanton Zug aufzubauen, zu wachsen, Unterstützung anzunehmen, zu lernen – und ein spannendes ­Angebot haben.» Die 20 besten würden dann durch die Jury bewertet, in der unter anderem der CIO der Suva, Stefan Scherrer, sitzt. Die zehn besten Start-ups werden dann zum Schlussevent in Zug im November eingeladen. Für dieses stelle die Stadt als Unterstützung des Wettbewerbs vermutlich den Casinosaal zur Verfügung. Dort soll es dann zwei unterschiedlich lange Präsentationsrunden vor der Jury geben – und schlussendlich das Gewinner-Start-up gekürt werden. Dieses erhält eine Unterstützung von 100000 Franken und in der ­Anfangszeit Räumlichkeiten im Business Center sowie Unterstützung durch Coachs. «Es soll ein Start-up sein, das noch in der ­Anfangsphase ist und eine überschaubare Grösse hat», sagt Glabischnig.

Blockchain - die Währung im Bitcoin

Blockchain, übersetzt Blockkette, ist die Grundlage von digitalen Währungen wie Bitcoin. Am besten lässt sich die Technologie als ein digitales Kassenbuchsystem erklären, in dem Ein- und Ausgänge verschlüsselt werden. Eine Besonderheit daran ist, dass das System dezentral ist und jeder Nutzer daran beteiligt ist. Das Konzept von Blockchain wurde erstmals 2008 von Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto praxistauglich beschrieben. Blockchain gilt als manipulationssicheres System. (cg)

Hinweis: Mehr Infos zur Blockchain-Competition: www.blockchaincompetition.ch


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