Walschützer wollen Metal-Sänger die Bühne verwehren

GALVANIK ⋅ Weil die Band Tyr mit Walfang in Verbindung steht, wollten Tierfreunde den Auftritt verhindern. Da sich die Organisatoren dies anders sehen, soll nun eine Demonstration vor dem Lokal stattfinden.
17. November 2016, 10:06

 

Dem Kulturlokal Galvanik steht ein teures Konzert bevor, das mit einigen Ungewissheiten verbunden ist. Denn morgen Freitag steht der Auftritt der Heavy-Metal-Gruppe Tyr auf dem Programm, und das Wal- und Delfinschutz-Forum WDSF will gegen diesen Auftritt vor der Galvanik demonstrieren.

Grund der Demonstration ist der Frontmann der Band, Heri ­Joensen. Er hat in seiner Heimat, den Färöerinseln, an der Jagd auf Grindwale teilgenommen, wie er selber in einem Video auf Facebook bestätigt. Er habe nichts Illegales getan. Ausgelöst wurde die Debatte durch ein Foto, welches den Frontmann beim Schlachten eines Grindwals zeigt. Dieses hatte er Ende Sommer auf Facebook gepostet. Die WDSF rief darauf zum Boykott der Band auf. Sie solle keine Bühne mehr erhalten. Wie die WDSF auf ihrer Homepage schreibt, wurden nach Protesten mehrere Auftritte in Deutschland durch die Veranstalter abgesagt. Auch die Galvanik erlebte einen Sturm der Entrüstung auf ihrer Facebook-Seite. Tierschützer kritisierten, dass das Konzertlokal eine solche Band auftreten lässt, und drohten mit einer Demonstration. Die Galvanik zog daraufhin in Betracht, den Auftritt der Gruppe abzusagen, wie das Onlineportal «Zentralplus» schrieb. Doch die Heavy-Metal-Fans protestierten heftig gegen dieses Ansinnen, worauf sich die Galvanik für die Durchführung des Konzertes entschied. «Ich wollte mich nicht erpressen lassen», sagt rückblickend die Leiterin der Galvanik, Eila Bredehöft. Zudem habe sie sich mit dem Fall auseinandergesetzt und sei zum Schluss gekommen, dass der Frontmann der Band nichts Illegales getan habe.

Hoffen auf friedliches Publikum

Nun steht das Konzert kurz bevor. Und die angekündigte Demonstration wird offenbar auch durchgeführt. So wurde für diese bei der Zuger Polizei ein Gesuch eingereicht, welches auch bewilligt worden ist, wie die Zuger Polizei auf Anfrage bestätigt. Galvanik-Leiterin Bredehöft erklärt, dass die Demonstranten auf dem Vorplatz der Galvanik ihre Meinung kundtun dürfen. Sie ist davon allerdings wenig begeistert: «Mit diesem Entscheid bin ich gar nicht zufrieden.» Denn sie sei von der Polizei dazu verpflichtet worden, vier Sicherheitspersonen einzusetzen, die für Ordnung und Sicherheit sorgen müssen. Die Galvanik sei für die Gäste verantwortlich und die Polizei für die Demonstranten. «Dies kostet uns rund 600 Franken zusätzlich. Normalerweise haben wir bei solchen Konzerten gar kein Sicherheitspersonal», sagt Bredehöft.

Auch auf der Facebook-Seite der Tierschützer wird die Demonstration angekündigt. Sie soll am frühen Abend stattfinden und friedlich verlaufen. «Macht bitte Banner und Schilder mit euren Worten, die ihr an die Menschen weitergeben möchtet. Wenn möglich, tragen wir alle rot und schwarz, rot für das Blut und schwarz für die Trauer», schreiben die Organisatoren in ihrem Aufruf. Zudem haben sie gestern eine Mitteilung an die Medien verschickt. Darin schreibt WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller: «Die Galvanik bezeichnet sich als Kulturhaus. Wenn dort eingefleischte Befürworter des alljährlichen hundertfachen Tötens von Grindwalen und anderen Delfinarten auftreten dürfen, hat das mit Kultur nicht viel zu tun.»

Galvanik-Leiterin Eila Bredehöft macht sich trotz allem keine grossen Sorgen wegen der Demonstration. «Das Heavy-Metal-Publikum ist als ein sehr friedliches Publikum bekannt», erklärt sie ihre Gelassenheit. Auch wenn die Kommentare Ende Sommer auf beiden Seiten heftig ausgefallen seien und man viele davon auch habe löschen müssen, erwarte Bredehöft keine Schwierigkeiten zwischen den beiden Seiten.

Zoe Gwerder


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