Bulgariens Superstar brilliert am Chamer Top-Turnier

CHAM ⋅ Das Schachturnier ging gestern zu Ende – und hat einen verdienten Sieger. Bei der Schlussfeier glänzte ein Oligarch durch Abwesenheit.
01. Mai 2013, 15:40

Mit ernster Miene sitzt er da. Obwohl er sein letztes Spiel schon längst absolviert hat. Doch dann huscht dem Bulgaren Veselin Topalov (38) doch noch ein Lächeln über das Gesicht: Eben hat er den Siegerscheck in Höhe von 25 000 Euro entgegengenommen – und eine Schachtel mit Schokolade. «Er hat souverän mit 1,5 Punkten Vorsprung gewonnen», urteilt Werner Rupp (55). Er ist Präsident der Schachgesellschaft Luzern und Herausgeber des Magazins «Schachwelt». Rupp hat die Partien des Renova Group Grand Prix in Cham, der vom 18. April bis gestern dauerte, genauestens mitverfolgt. 12 Spieler aus den Top 20 waren vor Ort. «So ein tolles Turnier wird es in den nächsten Jahren in der Schweiz nicht mehr geben.» Im Internet schauten sich täglich rund 1200 Benutzer die Partien live an, welche der deutsche Grossmeister Sebastian Bogner direkt aus Cham kommentierte. Seine gestrige Schlussbilanz: «Topalov war immer sehr gut vorbereitet. Er hat ein gutes Turnier gespielt, obwohl das Niveau der Spiele nicht immer gleich hoch war. Es gab viele Fehler.» Aber das Turnier hier in Cham sei eine der Top-Veranstaltungen in diesem Jahr gewesen, weil so viele Superstars am Start waren.

Weiter nach Norwegen

Er habe sicher auch ein bisschen Glück gehabt, erklärt der Sieger Veselin Topalov im persönlichen Gespräch. «Die Atmosphäre hier in Cham war sehr gut, ich habe mich am Brett wohlgefühlt.» Auf einen freien Tag hat er verzichtet – während die anderen Spieler auf dem Zugersee eine Schifffahrt genossen, hat er im Hotelzimmer nochmals seine Züge analysiert und auch die Spiele seiner Gegner unter die Lupe genommen. «Von der Stadt Zug habe ich nichts gesehen, aber einmal mehr war der Besuch in der Schweiz aussergewöhnlich schön», schwärmt der Bulgare, der im spanischen Salamanca lebt. Morgen reist er wieder aus der Schweiz in Richtung Spanien ab. Doch schon bald wird er wieder stundenlang vor dem Schachbrett sitzen: In den nächsten Wochen stehen Turniere in Norwegen und Griechenland auf seinem Tour­programm.

In Bulgarien ist Topalov, der 2005/06 Schachweltmeister war, ein bekannter Superstar. Deshalb kam gestern die bulgarische Botschafterin der Schweiz, Meglena Plugtschieva, extra nach Cham. Sie gratulierte ihrem Landsmann persönlich. «Er ist in Bulgarien ein grosses Vorbild der Jugend. In unserem Land ist Schach sehr populär», so die Botschafterin.

Vekselberg in St. Petersburg

Grosser Abwesender an der gestrigen Abschlussveranstaltung war Viktor Vekselberg. Der Gründer und Besitzer der Renova-Group hat das Turnier gesponsert und es nach Zug geholt, wo er seinen Wohnsitz hat. Sein Kommen war eigentlich fest eingeplant – doch ein Treffen mit dem russischen Präsidenten Vladimir Putin in St. Petersburg kam dem Oligarchen kurzfristig dazwischen. Stattdessen verlas Alexey Moskov, Vekselbergs Stellvertreter bei der Renova-Group, ein paar Grussworte. «Ich gratuliere dem Sieger und allen Spielern, die am Turnier teilgenommen haben», so Vekselbergs nüchterne Botschaft.

Zug hat sich einen Namen gemacht

«Schach ist ein Spiel, das bildet», erklärt Regierungsrat Stephan Schleiss in seiner Rede. Und Bildung sei zentral und eines der Erfolgsgeheimnisse der Schweiz. «Zug ist nun auf der Weltkarte des Schachs aufgetaucht und hat sich einen Namen in der Schachszene gemacht», lobt Kirsan Ilyumzhinov, Präsident des Weltschachverbandes. «Ich danke Ihnen für die herzliche Gastfreundschaft», schliesst er gestern seine Rede und damit das Turnier.

Schlussrangliste

1. Veselin Topalov (Bulgarien, 8 Punkte); 2. Hikaru Nakamura (USA, 6,5 Punkte); 3. Ruslan Ponomariov (UKR, 6 Punkte).


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