Musikalische Schlachtplatte ist angerichtet

ALTDORF ⋅ Mit einer schrillen «Metzgete» eröffnete Stimmkünstlerin Erika Stucky das internationale Musikfestival Alpentöne. Eröffnungsgast Marco Solari lobte in seiner Rede das Publikum. Dieses müsse jedoch kritisch bleiben.
18. August 2017, 22:56

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

«Wir sind so ausverkauft wie noch nie.» Was Johannes Rühl, musikalischer Leiter der zehnten «Alpentöne», am Freitagabend verkündete, davon können einige Organisatoren von Veranstaltungen diesen Sommer nur träumen. Doch nicht nur die Besucherzahlen stimmen. Das Festival geniesst gar international Ansehen.

Dies brachte am Freitag auch Marco Solari zum Ausdruck. Der Präsident des Internationalen Filmfestivals von Locarno stellte in seiner Eröffnungsrede aber nicht die Veranstalter und Künstler in den Vordergrund, sondern das Publikum. Die Idee für ein neues Festival sei vor zwanzig Jahren fantastisch gewesen, sagte der 72-jährige Manager aus dem Tessin. Auch die Organisatoren, das Geld und die Presse hätten gestimmt.

Doch der wichtigste Punkt bei der Lancierung sei, dass das Publikum mitmache. «Ohne Publikum wächst kein Festival», stellte Solari fest. Und bei «Alpentöne» war dies offensichtlich der Fall. Trotzdem will Solari aber kein Publikum, das einfach nur zurücklehnt, sagte er im Gespräch mit Erich Herger, der Solari auf der Bühne im Theater Uri interviewte. «Es muss vielmehr engagiert und kritisch bleiben.»

Ein musikalisches Erlebnis auch fürs Auge

Zur Eröffnung des Festivals gehörte die Bühne im Theater Uri am frühen Freitagabend Erika Stucky. Sie lud zu einer «Metzgete» der besonderen Art. Auf ihrer Schlachtplatte richtete sie ein schrilles Musiktheater an, das vom Jazz über Rock bis hin zur Barockmusik reichte. Mit Bildern aus alten Fotoalben, kurzen Filmen und an die Wand projizierten übergrossen Schatten der Musiker war der Auftritt auch etwas fürs Auge. Eindrücklich erklang die Stimme des bekannten Countertenors Andreas Scholl. Begleitet wurden die beiden vom Barockorchester La Cetra aus Basel. FM Einheit von der legendären Punkband Einstürzende Neubauten steuerte eigenwillige Sounds bei. So richtig ins Zeug legen konnte sich FM Einheit aber erst bei der Zugabe, als er mit Kies einen akustischen Teppich für Stucky legte, den sie mit einem eigenwilligen, fast beschwörenden Betruf bedeckte.

Beim Eröffnungskonzert waren im Theater Uri alle Plätze besetzt. Kameras des Schweizer Fernsehens filmten den Auftritt. Und dieses Bild wird sich heute und morgen wiederholen.

Nur noch Tickets für Sonntag erhältlich

Johannes Rühl entschuldigte sich beim Festivalpublikum schon zu Beginn, dass es vielleicht etwas eng werden könne. Denn die Festivalpässe sowie Tagespässe für Freitag und Samstag waren bereits am Freitag ausverkauft. Einzig für den Sonntag sind noch Tagespässe erhältlich. Die Nachfrage sei die Frucht des Erfolgs, so Rühl.

Abwechslung und Überraschungen sind bei «Alpentöne» Programm. An den drei Festivaltagen gibt es wiederum rund 50 Konzerte und Veranstaltungen, darunter Premieren, Kompositionsaufträge und zahlreiche Formationen, die so nur bei «Alpentöne» zu hören sind. Einmal mehr wird der Urner Hauptort durch das alle zwei Jahre stattfindende Festival zu einem der interessantesten musikalischen Brennpunkte für innovative Musikgruppen der neuen Volksmusik aus dem gesamten Alpenraum.

Das macht auch den Altdorfer Gemeindepräsidenten Urs Kälin stolz. Erfreut blickte er auf die bald zwanzigjährige Geschichte des Festivals zurück. «Das Experiment wird höher gewichtet als die Routine», stellte er fest. «Alpentöne» sei zwar zur Tradition geworden. Es bestehe aber kein Grund zur Sorge. «Von musealer Erstarrung gibt es keine Spur.» Wie vielfältig die Musik aus dem Alpenraum tönt, werden am Festival dieses Wochenende in Altdorf wohl noch einige Formationen unter Beweis stellen.

Hinweis

Das Festival Alpentöne findet am Samstag und Sonntag im Theater Uri, im Winkel, in der Kirche St. Martin und auf dem Lehnplatz statt.


Leserkommentare

Anzeige: