Festival soll Kopfkino der Besucher anregen

ALTDORF ⋅ An den «Alpentönen» wird nicht nur auf der Bühne experimentiert. Eine akustische Manifestation, Fachgespräche, eine Jutz-Box, eine Radiosendung und der beliebte Klangspaziergang sollen das breite Kulturprogramm anreichern.
17. August 2017, 05:01

Mit dem «Prolog Schweizer Volksmusik» starten am Donnerstagabend die zehnten «Alpentöne» in Altdorf. Neben dem grossen Konzertprogramm wird das internationale Musikfestival wieder von verschiedenen Rahmenveranstaltungen begleitet. «Ein solches Rahmenprogramm belebt das Festival», erklärt Johannes Rühl, künstlerischer Leiter des Festivals. «Gerade für die Gäste von weiter her ist es toll, dass ihnen neben den Konzerten, die hauptsächlich am Abend stattfinden, noch mehr geboten wird.»

Die unterschiedlichen Institutionen und das Festival würden voneinander profitieren, sagt Rühl. So beteiligt sich auch wiederum das Haus für Kunst. Luigi Archetti, Ian Anüll, Marc Zeier und Gäste veranstalten unter dem Titel «Ultimate Records» eine akustische Manifestation. Die drei Künstler arbeiten für gewöhnlich visuell, haben aber eine starke Beziehung zu Akustik, Klang und Musik. Die Performance ist von Freitag bis Sonntag jeweils ab 11 Uhr zu hören. Das Haus schliesst um 18 Uhr, am Samstag um 20 Uhr. Gleichzeitig kann auch die Ausstellung von Ian Anüll «Peinture en Promo» betrachtet werden.

Prämierte Sendung wird im Theater abgespielt

Am Samstag wird um 13 Uhr im Theater Uri ein Radiofeature von Bettina Mittelstrass abgespielt. «Dass man gemeinsam Radio hört, ist schon etwas besonderes», sagt der künstlerische Leiter. «Es ist wie ein Film ohne Bild – Kino im Kopf.» Das ­Feature dreht sich um das Thema Echo und wurde mit einem Radiopreis ausgezeichnet. Im Anschluss gibt es ein Gespräch mit der Autorin sowie dem Musikkünstler Christian Zehnder im Schlüsselsaal.

Christian Zehnder ist es auch, der in der Galerie Niedervolta beim EWA-Hauptsitz eine Jutz-Rufstation eingerichtet hat. Besucher und Musikkünstler des Festivals können dort ihren Juchzer in Bild und Ton festhalten. Die beste Version wird dann im Theater Uri mit einer Tonanlage und einer Leinwand gezeigt. Dort ist auch zu erfahren, wann die Rufstation in der Galerie geöffnet ist. Später könnte sich der Erfinder vorstellen, ein Jutz-Archiv anzulegen.

Im «Schlüsselsaal» unterhält sich am Samstag um 22.15 Uhr Moderatorin Nina Brunner mit der Instrumentalistin Elisabeth Sulser, die wegen ihrer Synästhesie Klänge schmecken und farbig sehen kann.

Am Donnerstag und Freitag führt die Hochschule Luzern – Musik eine Fachtagung zum Thema Volksmusik ohne Grenzen durch. Diese findet im Rahmen des internationalen Hochschulmeetings statt, bei dem sich Schweizer mit irischen (Limerick) und niederländischen (Rotterdam) Studenten und Dozenten austauschen. Die Fachtagung kann am Donnerstag von 14.15 bis 17.30 Uhr und am Freitag von 10.15 bis 13 Uhr im «Schwarzen Löwen» besucht werden. «Die Fachtagung ist auf die Wissenschaft ausgelegt und nicht auf Unterhaltung», erklärt Rühl. Trotzdem sei sie frei zugänglich.

Spaziergang löst die Schwellen zur Kultur

Nicht mehr von den «Alpentönen» wegzudenken ist der Klangspaziergang im Reussdelta, der seit der ersten Ausgabe 1999 immer Bestandteil war. Johannes Rühl hat eine Erklärung für den Erfolg: «Der Klangspaziergang ist einfach sehr volksnah und ohne Schwellen.» Man könne das tun, was man am Sonntagnachmittag auch sonst machen würde: am Seeufer spazieren gehen. «Die Künstler können in einer gelösten Atmosphäre auftreten und wirken dadurch auch lockerer», sagt Rühl. Der Klangspaziergang findet am Sonntag von 13.30 bis 15 Uhr statt. Auf dem Rundweg am See können rund 20 verschiedene Klangerlebnisse genossen werden. Ein Shuttlebus fährt ab 12.15 Uhr vom Telldenkmal zum Schützenstand in Flüelen und um 15 Uhr retour.

Florian Arnold

florian.arnold@urnerzeitung.ch


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