Jungkoch will mit einer Beiz im Kleinformat durchstarten

GASTRONOMIE ⋅ Was in Barcelona schon länger praktiziert wird, kommt nun auch nach Stansstad. Dort hat der 32-jährige Christoph Aebersold eine Wohnung gemietet und wird in den Räumlichkeiten ab November seine Gäste bekochen.
29. Oktober 2017, 05:00

«Mit dem Kleinrestaurant in Stansstad erfülle ich mir meinen Traum vom eigenen Betrieb», sagt Christoph Aebersold. Was der 32-Jährige vorhat – zu Besuch beim Koch –, dürfte ein Novum sein für die Zentralschweiz. So jedenfalls beurteilt das Urs Heller, Chefredaktor des Gourmetführers «Gault-Millau». Gemäss dem Gastroexperten gibt es zwar vereinzelt Köche, die zahlende Gäste im privaten Rahmen bekochen. Aber dass das jemand in dieser Konsequenz durchzieht, sei ihm nicht bekannt.

An der Stanserstrasse 23 in Stansstad hat Aebersold ein Appartement gemietet. Ab nächstem Monat wird der gebürtige Stadtberner in diesen Räumen auf Reservation jeweils an den Abenden von Donnerstag bis Samstag Besucher empfangen. Maximal 18 Personen werden es sein, die zwischen einem Menü mit fünf Gängen für 150 oder einem Siebengänger für den Preis von 180 Franken wählen können. Die Art und Weise, wie er die Speisen zubereitet, basiert auf der französischen Küche.

Es wird in familiärem Rahmen gespeist

Das aber ist nicht das Alleinstellungsmerkmal dieses Projektes. Im Fokus steht vor allem das Intime, das Ambiente, der Umstand, dass sich eine kleine Gästegruppe im quasi privaten Rahmen bewirten lässt. Befreit vom Gewusel, das mitunter in Gastrobetrieben herrscht, kann der Besucher in familiärem Rahmen speisen und geniessen.

Die Preise, die Aebersold für seine kulinarischen Kreationen veranschlagt, sind ein Indiz dafür, dass es sich bei den Gerichten um hochklassig zubereitete Speisen handelt. Dass der Mann hinter dem Herd über das nötige Können verfügt, um auch anspruchsvollen Gästen zu genügen, zeigt ein Blick in seinen Lebenslauf.

Aebersold hat in seinem beruflichen Werdegang schon in hochdekorierten Betrieben gearbeitet und dabei viel gelernt. So arbeitete er etwa im «Solbar Calistoga» im nordkalifornischen Napa Valley, im «Talvo» bei St. Moritz, aber auch in der Gourmetmetropole von San Sebastian, im «Akelarre» von Pedro Subijana. All diese Restaurants sind mit mindestens einem Michelin-Stern ausgezeichnet, das «Akelarre» gehört gar zum erlauchten Kreis der Dreisternehäuser.

Aebersold gehörte auch zur Startcrew von Nenad Mlinarevic, als dieser vor wenigen Jahren als Küchenchef im Park Hotel Vitznau startete und das Restaurant in der Folge bis auf 18 Gault-Millau-Punkte hievte.

Liegenschaft gehört einem Gastroinvestor

Heute ist Aebersold, der in der Branche unter dem Namen Christoph Oliver bekannt ist, selbstständiger Unternehmer. Über die Einzelfirma, die in Weggis domizilierte Uniquisine, wickelt er seine verschiedenen Tätigkeiten ab, unter anderem auch als Störkoch.

Im Haus an der Stanserstrasse, dort, wo Aebersold sein Uniquisine-Atelier eröffnen wird, finden sich noch weitere 20 Appartements. Diese Wohnungen werden in erster Linie von Geschäftsleuten oder deren Arbeitgebern wie beispielsweise den Pilatus-Flugzeugwerken gemietet. Sie dienen somit vor allem als Domizil für Fachkräfte, die berufshalber nur Wochen oder Monate in der Schweiz verweilen.

Die Liegenschaft gehört Oliver Blättler. Der Hergiswiler ist kein Unbekannter in der Zentralschweizer Gastroszene. Im Haus an der Stanserstrasse finden sich im Parterre zwei seiner Lokale. Einerseits das Restaurant Schützen, andererseits das auf brasilianische Fleischspezialitäten ausgerichtete «Rio Churrasco», das 2016 mit dem Swiss Gastro Award ausgezeichnet wurde.

Im kommenden Monat kommt noch die Orson Wein& Cigar Lounge dazu. In Kombination mit Aebersolds Kleinrestaurant spricht Blättler daher von einem «Gastronomie-Hotspot», zu welchem sich die Liegenschaft entwickeln soll. Zu Blättlers rund zehn Betrieben zählt unter anderem auch das in diesem Jahr akquirierte Hotel Fasan in Emmenbrücke und das jüngst erworbene Hotel Central in Kriens. Der Gastroinvestor freut sich auf die Eröffnung von Aebersolds aussergewöhnlichem Lokal. Er sagt: «Ich kenne dieses Konzept von Barcelona und bin überzeugt, dass das auch in der Zentralschweiz funktioniert.»

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch


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