Neues Restaurant in Viscosistadt eröffnet

EMMEN ⋅ In der Viscosistadt hat am Mittwoch eine neue Kantine eröffnet, geführt wird sie von der IG Arbeit. Auch sonst ist im neuen Stadtteil schon viel Leben eingekehrt – und die erhofften Synergien entstehen.
13. September 2017, 10:24

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

«Nylon 7» heisst die neue Kantine, welche die IG Arbeit am Mittwoch in der Viscosistadt in Emmen eröffnet hat. Sie befindet sich in den Räumlichkeiten der ehemaligen Viscosuisse-Kantine an der Spinnereistrasse 1, direkt am Geländeeingang bei der Gerliswilstrasse. «Wir hoffen, auch dank der prominenten Lage, auf viele Gäste aus der ganzen Umgebung», sagt Marc Pfister, Geschäftsführer IG Arbeit.

Während des letzten Jahres führte die IG Arbeit bereits eine provisorische Kantine im Gebäude nebenan, die vor allem von Mitarbeitern der ansässigen Unternehmen sowie von der Hochschule Luzern – Design + Kunst genutzt wurde. Daneben betreibt sie die Cafeteria in der Kunsthochschule und wird künftig auch im Tramhüsli einen Gastronomiebetrieb führen. Somit hat sie momentan fast ein gastronomisches Monopol in und um die Viscosistadt. Doch: «Wir rechnen damit, dass bald weitere Angebote ko

mmen werden – das ist auch wünschenswert», so Pfister. Dass die IG Arbeit so prominent in diesem Gebiet vertreten ist, hat mit einem strategischen Entscheid zu tun. «Wir wollten eine Rolle spielen bei der Entwicklung dieses Stadtteils.» Dass sie als soziales Unternehmen den Zuschlag erhalten habe, sei besonders schön, sagt Pfister. In der Kantine schafft die IG Arbeit erstmals Arbeitsplätze für Menschen mit Beeinträchtigung ausserhalb der Stadt Luzern.

Beim Umbau der Räumlichkeiten wollte man den Charme der Industriezeit erhalten. Wo möglich wurden alte Elemente erhalten, wie die Originaldecken, das Wandbild und die charakteristischen Kugellampen. Der Umbau des Lokals dauerte acht Monate und kostete 2,5 Millionen Franken, die aus Eigenmittel und Krediten finanziert wurden.

«Ein einzigartiger Groove»

Die neue Kantine in der Viscosistadt ist auch ein Indiz dafür, dass sich das ehemalige Industrieareal zu einem lebendigen Stadtteil entwickelt – obwohl die geplanten Wohnbauten noch fehlen und bisher hauptsächlich die alten Fabrikgebäude umgenutzt werden.

Ansässige Unternehmer sind voll des Lobes für den Arbeitsort. «Dass hauptsächlich Firmen mit einem kreativen Fokus angesiedelt werden, schafft Synergien und einen einzigartigen Groove», sagt Gerry Meier, Geschäftsleiter von der AST beschriftet AG. Die Firma gestaltet und produziert Beschriftungen aller Art in der ehemaligen Schlosserei an der Fadenstrasse 22. Die 2012 bezogenen Räumlichkeiten seien ideal für ihre Bedürfnisse, so Meier, und der industrielle Charme gefalle den Mitarbeitern.

Das Nebeneinander verschiedener Firmen im Kreativbereich soll deren Zusammenarbeit fördern, so die Vision der Viscosistadt. Laut Gerry Meier funktioniert das: «Wir konnten für das Tatort-Studio Requisiten herstellen, weil wir aus Versehen in Dreharbeiten hineingetrampt sind.» Auch die Kunsthochschule passe in das Netzwerk – schon mehrmals habe es Projekte mit Hochschule und Studenten gegeben. Und in der provisorischen Kantine der IG Arbeit sei es «beim Anstehen» zu Begegnungen gekommen, die eine Zusammenarbeit zur Folge hatten, so Meier. Er sieht grosses Potenzial für das ehemalige Industriegebiet, sei es bei der Neuansiedlung kreativer Firmen oder beim gastronomischen Angebot: «Es ist toll, dass alles langsam aufgebaut und nicht erzwungen wird.»

Nähe der Hochschule Luzern wird geschätzt

Ähnlich sieht dies Martin Elmiger, Geschäftsführer Auviso. Der technische Dienstleister für Veranstaltungen und audiovisuelle Installationen ist Anfang Jahr mit 90 Mitarbeitern in die Viscosistadt gezogen. «Wir fühlen uns hier sehr wohl», sagt Elmiger. «7000 Quadratmeter bezahlbare Lagerfläche findet man nur selten in einem so urbanen und gut erreichbaren Umfeld.» In Sachen Synergien hat die Auviso vor allem die Nähe zur Kunsthochschule gesucht: «Dort werden Leute in unseren Tätigkeitsfeldern ausgebildet. Wir bieten regelmässig Praktika für HSLU-Studenten an.» Die Nähe anderer Firmen sei «gäbig», strategisch aber weniger wichtig, so Elmiger. Trotzdem bezeichnet er sich als Fan des «Technopark-Gedankens».

Zurück zum «Nylon 7»: Auf dem Geländeteil, in dem sich die Kantine befindet, wurde einst – wer hätte es gedacht – Nylon hergestellt. Seinen Namen hat das «Nylon 7» konkret von einem Produkt, das zwar entwickelt aber nie hergestellt wurde. Laut Marc Pfister haben die «Viscösler» seinerzeit das Restaurant Emmenbaum – ihr Treffpunkt fürs Feierabendbier – scherzhaft so genannt. «Der Name soll auf die Geschichte unseres Lokals und des Quartiers hinweisen», erklärt Pfister.


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