Die Türkei baut den grössten Flughafen der Welt

ISTANBUL ⋅ Im Oktober 2018 soll Istanbuls neuer Flughafen in Betrieb gehen. In Rekordzeit stampft die Türkei den neuen Mega-Airport am Bosporus aus dem Boden – ein Prestigeprojekt Erdogans.
04. November 2017, 08:25

Gerd Höhler

Rund 35 000 Arbeiter bevölkern die grösste Baustelle der Türkei. Auf einer Fläche von 7650 Hektaren entsteht derzeit nordwestlich der Wirtschaftsmetropole an der Küste des Schwarzen Meeres der dritte Istanbuler Flughafen. Er soll den Atatürk-Airport, dessen Bahnsystem und Terminals seit Jahren weit über ihre Kapazität hinaus belastet sind, als Luftverkehrsknotenpunkt und Heimatbasis der schnell wachsenden Fluggesellschaft Turkish Airlines ersetzen.

Die Arbeiten sind bereits zu rund 70 Prozent abgeschlossen. Die vom deutschen Industriekonzern Thyssenkrupp gelieferten Fluggastbrücken werden bereits installiert, ebenso wie mehr als 300 Rolltreppen, Aufzüge und Laufbänder. Damit liegt der Bau im Plan für die Inbetriebnahme am 29. Oktober 2018, wenn die Türkei den 95. Jahrestag der Republikgründung feiert. Wie der neue Flughafen heissen wird, ist noch nicht bekannt. Es wäre aber keine Überraschung, wenn Präsident Recep Tayyip Erdogan – beim Spatenstich im Juni 2014 noch Premierminister – der Namensgeber wird.

Die Kosten liegen im Rahmen

Die Bauzeit von rund 50 Monaten ist rekordverdächtig – nicht nur im Vergleich zum neuen Flughafen Berlin-Brandenburg, mit dessen Bau 2006 begonnen wurde, ohne dass bisher klar ist, wann die ursprünglich für 2011 geplante Eröffnung stattfinden kann. Auch die Kosten des Istanbuler Airports liegen mit rund 10,5 Milliarden Euro im Rahmen. Zum Vergleich: Der neue deutsche Hauptstadtflughafen dürfte, obwohl mit einer Fläche von 1470 Hektar viel kleiner und nur für ein Viertel der Passagiere geplant, rund 6,5 Milliarden kosten.

Die Geschichte des neuen Istanbuler Flughafens geht zurück bis ins Jahr 2011. Die Pläne waren Teil der damaligen Bewerbung Istanbuls für die Olympischen Spiele 2020. Diese gingen zwar letztlich an Tokio, der Flughafen wurde aber trotzdem gebaut. Er soll in der ersten Ausbauphase über zwei in Nord-Süd-Richtung angelegte Bahnen von je 3,75 Kilometern Länge und ein zentrales Terminalgebäude verfügen. Damit ist er für jährlich 90 Millionen Passagiere ausgelegt. Bis Ende des Jahres 2019 ist der Bau einer dritten, in Ost-West-Richtung verlaufenden Piste geplant. In den Folgejahren soll der Flughafen schrittweise erweitert werden. Die Endphase des Ausbaus, die bereits Ende der 2020er-Jahre erreicht sein könnte, sieht sechs Start- und Landebahnen, ein Satellitenterminal und eine Kapazität von bis zu 200 Millionen Passagieren vor. Damit wäre Istanbul nach heutigen Massstäben der grösste Flughafen der Welt. Diese Spitzenstellung wird derzeit vom Flughafen Atlanta in den USA mit über 100 Millionen Passagieren pro Jahr gehalten. Es ist allerdings möglich, dass bis dahin in Asien andere Grossprojekte in Angriff genommen werden, die Istanbul noch überflügeln.

Drehkreuz für Europa, Asien und Afrika

Ein türkisches Firmenkonsortium baut und betreibt den neuen Flughafen auf zunächst 25 Jahre. Schon bei der Eröffnung im nächsten Jahr wird er eine grössere Kapazität als Frankfurt haben, wo im vergangenen Jahr knapp 61 Millionen Fluggäste abgefertigt wurden. Die Planung sieht bis zu 347 Fluggastbrücken vor. Im Endausbau sollen rund 100 Fluggesellschaften den neuen Airport anfliegen und Istanbul mit über 350 Destinationen weltweit verbinden.

Der Frankfurter Rhein-Main-Flughafen und die dort beheimatete Lufthansa bekommen damit ernst zu nehmende Konkurrenz: Turkish Airlines will Istanbul zum Drehkreuz für den Luftverkehr zwischen Europa, Asien und Afrika ausbauen. Die türkische Staatslinie war in den vergangenen Jahren eine der am schnellsten wachsenden internationalen Fluggesellschaften und nimmt in Europa unter den grössten Airlines bereits den sechsten Platz ein. Der neue Istanbuler Flughafen soll als künftige Heimatbasis für weiteres Wachstum sorgen.

Türk Hava Yollari, wie das Unternehmen offiziell heisst, wird dabei nicht nur von den grossen Kapazitäten des neuen Flughafens profitieren, sondern auch von seiner geografischen Lage: Von Istanbul aus sind nämlich viele Ziele in Afrika, Nahost und Asien kostengünstig mit Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen erreichbar.


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