Bossard schaltet einen Gang höher

ZUG ⋅ Die Zusammenarbeit mit Tesla wird für den Schrauben- und Logistikspezialisten immer lukrativer. Dank der Kooperation mit dem Autopionier hofft man nun auf weitere Rekordumsätze aus den USA.
09. März 2017, 08:22

Ernst Meier

ernst.meier@luzernerzeitung.ch

Die Zuger Bossard-Gruppe hat sich in den letzten Jahren zu einem verstärkt global tätigen Unternehmen entwickelt. Der einst klassische Schraubenhändler ist dank innovativer Produkte und Dienstleistungen zu einem führenden Anbieter von hochtechnologischen Lösungen für die industrielle Verbindungstechnik gewachsen. Auch 2016 hat sich dieser Trend verstärkt. Rund 58 Prozent des Umsatzes erzielte Bossard 2016 in europäischen Ländern, die Verkaufsregion Asien machte 15 Prozent aus, während rund 27 Prozent aller Einnahmen in der Region Amerika generiert wurden. In letztgenannter Region – zu der die USA, Kanada und Mexiko zählen – legten die Verkäufe mit 12 Prozent am stärksten zu (Europa: +4,7 Prozent, Asien: +0,6 Prozent).

Leicht wurde es Bossard in Amerika in den letzten Jahren jedoch nicht gemacht, denn die Umsätze des grössten US-Kunden gingen schlagartig zurück: Der Landmaschinenspezialist John Deere leidet seit einigen Jahren unter den rückläufigen Investitionen der Agrarbranche und kauft deutlich weniger bei Bossard ein. Der Umsatz habe sich gegenüber den besten Jahren mehr als halbiert, sagte Bossard-CEO David Dean an der gestrigen Bilanzmedienkonferenz in Zürich. «2016 hat die noch junge Zusammenarbeit mit Tesla erstmals mehr Umsatz generiert als die langjährige Kooperation mit Grosskunde John Deere», ergänzte David Dean. Rund 47 Millionen Dollar erwirtschaftete Bossard mit Tesla.

Das Beispiel zeigt, wo aktuell ein überdurchschnittliches Wachstum zu erwarten ist. Bos­sard rechnet zudem mit einer deutlichen Erholung der Agrarbranche und steigendem Auftragsvolumen von John Deere. Gleichzeitig baut man die US-Tätigkeiten mit neuen Geschäftsbereichen aus. Das Fundament dazu hat Bossard in den letzten Jahren gelegt: zum einen mit Akquisitionen wie Aero-Space-South­west (2015) und Arnold Industries (2016) sowie dem Bau eines Technologie- und Entwicklungscenters im Silicon Valley. Bossard will auch in der Luft- und Raumfahrtbranche wachsen.

Vertrag mit Tesla wurde verlängert

Weiter sieht man die Tesla-Kooperation erst «als Anfang eines nachhaltigen Booms». Nachdem die Technik von Bossard in den Tesla-Modellen X und S eingebaut wird, setzt man in Kalifornien auch beim neuen Modell 3 auf das Know-how aus Zug. Der Verkaufsbeginn des Kleinwagens ist auf Mitte Jahr angekündigt. David Dean: «Aus dieser Perspektive kündigen sich für uns 2017 ­rekordhohe Resultate aus der Zusammenarbeit mit Tesla an.»

Erfreulich sei ebenfalls, dass das kalifornische Unternehmen den Kooperationsvertrag um drei Jahre verlängert hat. Bei Bossard will man sich aber nicht nur auf Tesla beschränken. Im Bereich Elektromobilität arbeite man mit weiteren innovativen Herstellern wie Lucid Motors oder Faraday Future zusammen, heisst es. «Wie beim Start mit Tesla sind wir mit unseren Ingenieuren mit dabei und helfen in der Konstruktion in Sachen Verbindungstechnik», sagt David Dean. Er ist überzeugt, dass in den nächsten 15 Jahren Hybrid- und Elektro­antrieb zunehmend die heutigen Verbrennungsmotoren verdrängen werden.


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