Aktionär kritisiert Casino-Chefs

LUZERN ⋅ Elmar Wohlgensinger wollte sein Aktienpaket an Yunfeng Gao verkaufen. Der Casino-Verwaltungsrat lehnte Gao als Aktionär jedoch ab. Nun zeigt sich: Der chinesische Investor war nicht der Erste, der nicht genehm war.
15. Februar 2017, 07:10

Roman Schenkel

roman.schenkel@luzernerzeitung.ch

Nach aussen hat das Casino Luzern keine Probleme. Am Dienstag wurde das Casino in einer Onlineumfrage zum dritten Mal in Folge zur beliebtesten Spielstätte der Schweiz gewählt. Hinter den Kulissen aber brodelt es nach wie vor. Die Ablehnung von Yunfeng Gao als Aktionär stösst auf Unverständnis (Ausgabe vom 18. Januar 2017).

Der Hergiswiler Unternehmer Elmar Wohlgensinger, mit 5 Prozent am Casino Luzern beteiligt, ist über den Verwaltungsratsentscheid verärgert. Der Mitgründer des IT-Händlers Also und des Marktforschungsinstituts IHA ist seit Jahrzehnten Casino-Aktionär. Seit Längerem spielte er mit dem Gedanken, seine Anteile zu verkaufen. «Das sollte aber nicht der erstbeste Interessent sein, ich will einen Käufer finden, der gut zum Casino passt», betont er.

Mit Yunfeng Gao, der in unmittelbarer Nachbarschaft das Hotel Palace erworben hatte, glaubte er, einen solchen gefunden zu haben. «Er ist Nachbar, er kommt aus China, wo es eine hohe Affinität zum Glücksspiel gibt. Das wäre doch eine ideale Lösung gewesen», sagt er. So hat er Gao beziehungsweise dessen Firma First Swiss Hotel Collec­tion AG im letzten Herbst die Aktien angeboten. Gao war interessiert und hat das Paket übernommen. Das Casino entschied jedoch, die Aktien nicht eintragen zu lassen. Somit waren sie für Gao wertlos. Das Nein des Casino-Verwaltungsrats hat Wohlgensinger sehr überrascht. «Die Ablehnung ist ein bewusster Entscheid gegen die Interessen der Gesellschaft», sagt er. Die Argumentation für die Nichteintragung Gaos empfindet Wohlgensinger als «fadenscheinig». «Wieso sollte Gao die strategische Ausrichtung des Casinos nicht mittragen?», fragt er. Soviel er wisse, habe Casino-Präsident Guido Egli Yunfeng Gao nie persönlich getroffen oder sich mit ihm darüber ausgetauscht.

Hinzu komme «das ganze Theater» wegen eines Anteils von 5 Prozent: «Ich habe noch nie gesehen, dass ein Aktionär mit einem Anteil von 5 Prozent eine ganze Gesellschaft umkrempelt.» Per Brief ist der Unternehmer beim Casino-Verwaltungsrat vorstellig geworden. «Ich bat, den Entscheid noch einmal zu prüfen», so Wohlgensinger.

Die schriftliche Antwort von Präsident Guido Egli kam jedoch postwendend: Ein Wiedereintreten komme nicht in Frage. Egli wies die Vorwürfe, der Verwaltungsrat habe gegen die Interessen des Casinos gehandelt, scharf zurück. Die Aktien werden nun wieder auf den Namen von Elmar Wohlgensinger eingetragen. «Ich mache den ganzen Deal mit Yunfeng Gao rückgängig – auch die Genussscheine werde ich zurückkaufen», sagt Wohlgensinger und betont, dass er beim gescheiterten Verkauf nicht einmal Gewinn gemacht hätte. «Ich hätte sogar leicht draufgelegt.»

Erster Interessent kam aus Österreich

Es ist schon das zweite Mal, dass Wohlgensinger mit einem Interessenten für sein Aktienpaket beim Casino-Verwaltungsrat auf Widerstand stösst. Bereits im April 2016 wollte der österreichische Spielautomatenhersteller Novomatic AG die Anteile am Casino Luzern erwerben. Novomatic ist ein Konzern, der 2015 3,9 Milliarden Euro Umsatz gemacht und sich vor einigen Jahren stark um die Casino-Lizenz in Zürich bemüht hat, den Zuschlag dann aber nicht erhielt.

In den Schweizer Casinos hat das Unternehmen den mit Abstand grössten Bestand aller Glücksspielgeräte. «Meiner Ansicht nach wäre auch das ein guter Partner für das Casino gewesen. Sie stellen Automaten her, kennen die Branche, sind aber keine Konkurrenz», so Wohlgensinger. Ein Anwalt habe damals für Novomatic bei Guido Egli vorgefühlt. «Doch Guido Egli hat ihm klargemacht, dass er die Österreicher nicht an Bord haben will», sagt Wohlgensinger.

Elmar Wohlgensinger hat nun keine Eile, einen neuen Käufer fürs Casino zu suchen. «Die Dividende ist ja eigentlich sehr gut», sagt er. Dennoch findet er es tragisch fürs Casino und den Platz Luzern, dass solche Chancen nicht gepackt werden. «Es ist eine sehr kleinräumige Sicht des Verwaltungsrats. Es ist, als ob er Angst vor jedem hätte, der kommt.» Casino-Präsident Guido Egli beantwortete die Fragen der LZ gestern mit einem allgemeinen Statement.

Er betonte darin, dass der Verwaltungsrat jedes Eintragungsgesuch nach gleichen Kriterien beurteile. «Der Verwaltungsrat prüft vor allem, ob ein neuer Aktionär mit den langjährig bewährten Stärken des Unternehmens übereinstimmt», so Egli im Schreiben. Diese Prüfung werde sorgfältig und vertraulich vorgenommen.


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