Gerhard Pfister ist einziger Kandidat für Darbellay-Nachfolge

BERN ⋅ Nun ist es offiziell: Der Zuger Nationalrat Gerhard Pfister (53) ist der einzige Kandidat für die Nachfolge des abtretenden CVP-Präsidenten Christophe Darbellay.

Bis Sonntag um Mitternacht konnten sich Interessenten bei der Findungskommission melden. Für das Amt des Präsidenten ging nur eine Kandidatur ein - jene von Pfister, wie die CVP-Findungskommission am Montag mitteilte.

Dass Pfister der einzige Bewerber sein dürfte, hatte sich abgezeichnet. Andere mögliche Anwärter wie etwa der Solothurner Ständerat Pirmin Bischof und der Bündner Nationalrat Martin Candinas hatten bereits in den vergangenen Wochen abgesagt. Öffentlich über eine Kandidatur nachgedacht hatte der Berner Gemeinderat Reto Nause. Er entschied schliesslich jedoch, auf eine Kandidatur zu verzichten.

Entschieden wird erst am 23. April

Der 53-jährige Pfister gehört dem Nationalrat seit 2003 an und gehört zum rechten Flügel der Partei. Das passt nicht allen in der CVP. Der Walliser Nationalrat Yannick Buttet gab jüngst seine Kandidatur für das Vizepräsidium der CVP bekannt. Er sieht sich explizit als Gegengewicht zu Pfister.

Neben Buttet kandidiert auch die Luzerner Nationalrätin Ida Glanzmann für das Amt als Vizepräsidentin, wie die Findungskommission am Montag bekannt gab.

Der Entscheid, wer Nachfolger von Christophe Darbellay wird, fällt am 23. April an der Delegiertenversammlung der CVP Schweiz in Winterthur. Darbellay tritt nach zehn Jahren nicht mehr zur Wiederwahl an.

Die Kandidaten

Für das Amt des Präsidenten wurde gemeldet:

  • Nationalrat Gerhard Pfister (ZG)

Für das Amt eines Vizepräsidenten bzw. einer Vizepräsidentin wurden gemeldet:

  • Nationalrat Yannick Buttet (VS)
  • Nationalrätin Ida Glanzmann (LU)

Als Präsidiumsmitglieder wurden gemeldet:

  • Nationalrat Claude Béglé (VD)
  • Kantonsrätin Marianne Binder-Keller (AG)
  • Ständerat Pirmin Bischof (SO)
  • Nationalrat Martin Candinas (GR) 
  • Nationalrat Stefan Müller-Altermatt (SO)
  • Gemeinderat Reto Nause (Stadt Bern / BE) 
  • Grossrat und Präsident JCVP Schweiz Tino Schneider (GR)
  • Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter (BL) 
  • Regierungsrätin Heidi Z’graggen (UR)
  • Eine Vertreterin der CVP-Frauen Schweiz

Statuten der Partei als Vorgabe

Alle vier Jahre wird gemäss den Statuten der CVP Schweiz das Präsidium durch die schweizerischen Delegierten neu bestellt. Auch bestehende Präsidiumsmitglieder müssen sich einer Wiederwahl stellen. Eine Amtszeitbeschränkung gibt es dabei nicht.

Gemäss den Statuten zählt das Parteipräsidium total elf Mitglieder, wovon ein Präsident und zwei Vizepräsidenten. Dem Präsidium müssen mindestens vier Vertreter pro Geschlecht angehören. Von Amtes wegen ist der Fraktionschef der CVP-Bundeshausfraktion, Ständerat Filippo Lombardi, Mitglied des Präsidiums.

Gerhard Pfister: CVP-Mann vom rechten Flügel

Gerhard Pfister politisiert am rechten Flügel der CVP, was parteiintern auch schon für Kritik sorgte. Die Zuger Kantonalpartei traut dem 53-Jährigen aber zu, «die CVP wieder zu einer der führenden bürgerlichen Kräfte» in der Schweiz zu machen.

Der Walliser Nationalrat Yannick Buttet, der wegen Pfisters rechter Politik eine Annäherung an die SVP befürchtet, kandidiert explizit als Gegengewicht zu Pfister für das Vizepräsidium. Dass er nicht in der Mitte der CVP politisiert, ist Pfister bewusst: «Dennoch bin ich überzeugt, dass ich den Ausgleich schaffen kann», sagte er in einem Interview mit der «Ostschweiz am Sonntag».

Gerade die verschiedenen Positionen machen für Pfister die Partei aus: «Die CVP ist nach wie vor ein Fusionsprojekt aus Christlich-Sozialen und Katholisch-Konservativen.» Diese Vielfalt sei etwas vom Faszinierendsten an der Partei, sagt der Katholik aus dem Kanton Zug.

Kein Wortführer - kein Hinterbänkler

Der 53-jährige Pfister, der Mitglied des Parteipräsidiums der CVP Schweiz ist, sitzt seit 2003 im Nationalrat. Dabei ist er nicht gerade als Wortführer seiner Fraktion aufgefallen. Er gilt aber auch nicht als Hinterbänkler.

Pfister ist Mitglied der staatspolitischen Kommission und der aussenpolitischen Kommission. Zudem ist er Präsident der Immunitätskommission. 60 Vorstösse gehen gemäss Datenbank seit 2003 auf Pfister zurück. Als Schwerpunkte seiner politischen Tätigkeit bezeichnet er auf seiner Internetseite Wirtschaft, Bildung, Migration, Aussenpolitik und Staatspolitik.

Vor seinem Nationalratsmandat politisierte Pfister von 1998 bis 2003 im Zuger Kantonsrat. Von 1998 bis 2008 präsidierte er auch die Kantonalpartei.

Kampagnenleiter der Heiratsstrafe-Initiative

Derzeit ist Pfister Kampagnenleiter der CVP-Initiative «Für Ehe und Familie - gegen die Heiratsstrafe», über die am 28. Februar abgestimmt wird.

Pfister studierte Germanistik und Philosophie und war als Lehrer tätig, unter anderem im familieneigenen Internatsbetrieb, der allerdings 2012 seine Tore schloss. Aktuell ist Pfister Verwaltungsratspräsident und -mitglied mehrerer Unternehmen.

sda/red


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