NZZ Online, 20. Februar 2012, 15:50
Was Facebook und Starbucks gemeinsam haben
F-Commerce als schwieriges Geschäft
GameStop hatte auf Facebook mit einem Online-Shop keinen Erfolg. (Bild: NZZ Online)
Das grösste soziale Netzwerk strebt an den Kapitalmarkt. Ein Dämpfer für Kursphantasien: Sein Geschäftmodell basiert fast nur auf Werbung. Dass dem so ist, dürfte auch damit zu tun haben, dass Online-Shops klassischer Händler bisher kaum den gewünschten Erfolg hatten.
«Facebook ist wie Starbucks: Jeder hängt dort herum, aber niemand kauft etwas», twitterte Chris Dixon unlängst. Der Gründer des Entscheidungshilfe-Portals Hunch fasst damit einen Artikel von bloomberg.com zusammen, in dem darauf hingewiesen wird, dass Gamestop, JC Penney, Nordstrom und Gap in den Jahren 2010 oder 2011 Online-Shops im weltgrössten sozialen Netzwerk eröffnet und mangels Erfolg mittlerweile geschlossen haben.
«Wir haben nicht die erhofften Erlöse erzielt, also haben wir den Markplatz schnell vom Netz genommen. Für uns war er eine Art, mit Kunden zu kommunizieren, anstatt ihnen etwas zu verkaufen», begründete Ashley Sheetz, Gamestops Marketingchefin, die Entscheidung. Hinzu komme, dass der Einkauf über die Website bereits so komfortabel sei, dass ein F-commerce keinen Zusatznutzen für Konsumenten bieten konnte.
Werbung als dickstes Standbein
Am 1. Februar reichte Facebook seinen Börsenprospekt ein. Demnach erzielte das Unternehmen 2011 bei einem Umsatz von 3,7 Milliarden Dollar einen Nettogewinn von knapp 1 Milliarde Dollar. 2010 betrug letztgenannter etwa 606 Millionen Dollar und 2009 rund 229 Millionen Dollar.
Analog zum Wort E-Commerce hat sich für Facebook der Terminus F-Commerce entwickelt. Doch 2011 erzielte Facebook etwa 85 Prozent des Umsatzes mit Werbung, 2010 waren es 98, im Jahr zuvor 95 Prozent. Die restlichen 15 Prozent wurden vorwiegend mit Beteiligungen an Einnahmen aus Social Games wie «Farmville» erzielt. In letztgenanntem können Spieler beispielsweise zusätzliche Landflächen kaufen. Das soziale Netzwerk erhält 30 Prozent von den Entwicklern. Mit zwölf Prozent ist Zynga in diesem Bereich führend.
Laut einer Untersuchung des Marktforschungsunternehmens ComScore sollen 2011 etwa 28 Prozent der Werbebanner für den US-Markt auf Facebook placiert worden sein. 2010 waren es erst 21 Prozent. Yahoo soll demnach im vergangenen Jahr auf einen Marktanteil von rund 11 Prozent gekommen sein, Google und Microsoft jeweils auf weniger als 5 Prozent.
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