Eine Plakataktion von links sorgt für eine Kontroverse

«Plakate verärgern Regierungsräte; Richter verfügt: Abstimmungsplakate müssen sofort weg», Ausgaben vom 19. und 21. April
22. April 2017, 04:41

Fakt ist, dass Regierungsräte fast 300000 Franken im Jahr verdienen. Sie verdienen es, um ganz deutlich zu sagen, zu Recht! Genauso Fakt ist es, dass man in Zug mit so einem Lohn bezahlbaren Wohnraum findet. Könnte man noch diskutieren bzw. würde man Argumente lesen, was ein gewisses Leseverständnis bedingt, was ich gerne zugebe, merkte man, dass die Aussage der Juso völlig korrekt ist. Mit diesem Lohn ist der Wohnraum in Zug bezahlbar, und man kann auch hier leben. Für viele Menschen ist Zug jedoch nicht mehr finanzierbar, und sie müssen wegziehen. Genau das sagt das Plakat, und es bemängelt die fehlende Sensibilität der Regierungsräte bei ihren Meinungsäusserungen. Hier auch nur daran zu denken, es könnte etwas strafrechtlich Relevantes vorliegen, ist absurd, und das abzuklären, ist Geld zum Fenster hinausgeworfen. Da kann man einen erstsemestrigen Jus-Studenten fragen, und er wüsste trotz Bologna die Antwort auf Anhieb.

Das ist jedoch nicht mein Hauptthema: Mich deucht, wir können nicht mehr diskutieren. Es gibt bestimmte Themen wie Gesundheit, Wissenschaft, politische Korrektheit, Gleichberechtigung, da darf man vom Mainstream nicht abweichen. Vergöttert man zum Beispiel die Wissenschaft nicht, ist man ein Verschwörungstheoretiker. Erlaubt man sich, anderer Meinung als der Staat zu sein, verbreitet man «Fake News», und dies soll bestraft werden können (Orwell lässt grüssen). Besonders bedenklich erscheint mir, dass man oft auf Anhieb merkt, dass die Kritik weder gelesen noch verstanden wurde. Statt Argumente zu widerlegen, wird mit verschiedenen Keulen geschwungen, und Argumente werden negiert. Eine argumentative Diskussion ist jedoch schwierig, und Keulen schwingen kann jeder. Ich bin jetzt halt ein Verschwörungstheoretiker. Ich lebe damit seit mindestens 37 Jahren und muss immer wieder feststellen, dass ich am Schluss nicht ganz Unrecht hatte.

Lernen wir doch wieder, hart zu argumentieren. Meinungen gegen den Mainstream sind Herausforderungen, sie anzunehmen, wäre sinnvoller, als sie niederzuknüppeln. Ich habe schon oft meine Meinung revidiert, aber aufgrund von Argumenten und nicht von Killerphrasen oder Keulenschlägen.

Michel Ebinger, Rotkreuz

Wenn die Jungsozialisten und die Junge Alternative Zug die Demokratie verabschieden, weil die Judikative, die richterliche Gewalt, eine superprovisorische Verfügung gegen ihre peinlichen Plakate unter der Gürtellinie verfügt, haben sie gar nichts verstanden. Zum Glück existieren in einer Demokratie Gewaltentrennung und Spielregeln des Zusammenlebens. Wer diese nicht einhält, muss die Verantwortung übernehmen und für die Folgen seines Tuns geradestehen. Die Gewaltentrennung in einer Demokratie sorgt ja eben gerade dafür, dass die Regierenden nicht willkürlich handeln können.

Wer aber die Spielregeln einer Demokratie ablehnt oder gar die Demokratie zum Teufel wünscht, sobald ihm etwas nicht passt, der gerät selbst in Verdacht, totalitäre Regimes zu bevorzugen. Und davon sind wir in der Schweiz noch weit entfernt. Zum Glück!

Philip C. Brunner, Präsident SVP

Stadt Zug, Kantonsrat, Zug


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