Musikalisches Wiedersehen am Blue Balls

LUZERN ⋅ Beim diesjährigen Blue Balls kann man neue Musik entdecken oder liebgewonnene Künstler erneut hören gehen.
10. Juli 2017, 09:43

Für viele der Künstler der diesjährigen Ausgabe ist das Blue Balls kein unbekanntes Terrain: Viele haben bereits einmal oder mehrmals im KKL gespielt. Aber bei einigen hat sich seit dem letzten Auftritt einiges getan. Zum Beispiel beim Brit-­Rocker Peter Doherty (Dienstag, 25. Juli): Bei seiner letzten Visite nannte er sich noch Pete und wich keiner Droge aus. Mittlerweile soll er einigermassen clean sein. Aber immer noch steht Doherty für die Gratwanderung zwischen Genie und Schlendrian. Es ist immer alles möglich: totaler Absturz oder tota-­ le Euphorie. Sein letzter Auftritt 2013 war deutlich näher bei der ­Euphorie.

Boy mit Gästen

Zu den weiteren Blue-Balls-Rückkehrern gehören unter anderen Macy Gray und Jamie Lidell (beide am Samstag, 22. Juli), Morcheeba und David Gray (beide Mittwoch, 26. Juli, David-Gray-Interview weiter vorne im Heft), Cody Chesnutt (Freitag, 28. Juli) sowie am letzten Abend (Samstag 29. Juli) Benjamin Clementine und Boy. Die letztgenannte Band, ein Frauen-Duo aus der Schweiz und Deutschland, bringt zusätzlich sogenannte Friends mit. Es sind dies der isländische Sänger Helgi Jónsson, die deutsche Band Fotos und der geniale Schnulzen-Balladen-Barde Dagobert aus dem Aargau. Das könnte ein sehr lustiger und stimmiger Abschluss für das Festival werden.

Bereits ausverkauft sind die Konzerte von Taj Mahal & Keb’Mo (Sonntag, 23. Juli) und das Eröffnungskonzert des unvermeidlichen Xavier Naidoo (Freitag, 21. Juli). Bleibt zu hoffen, dass er in Luzern mehr mit seiner Musik von sich reden macht als mit wutbürgerlichen Weltansichten. All die drei Künstler waren übrigens auch allesamt schon am Blue Balls, bei Taj Mahal & Keb’Mo ist es in dieser Konstellation aber eine Premiere.

Das Face aus London

Luzern-Erfahrung ausserhalb des Blue Balls haben auch Punk-Poetin Patti Smith (Donnerstag, 27. Juli), der schwelgerisch-schöne José Gonzalez (Samstag, 22. Juli), die eindringlichen Walking on Cars (Dienstag, 25. Juli) und der Weltenbummler Jeremy Loops (Montag, 24. Juli). Allesamt haben sie schon in anderen Konzerthäusern musiziert oder, im Falle von Patti Smith (im Rahmen des Woerdz-Festivals im Südpol), gelesen.

Natürlich gibt es auch mehrere Künstler, die zum ersten Mal nach Luzern kommen. Es würde aber den Platz sprengen, alle hier zu nennen. Darum nur einen noch: Samm Henshaw (Freitag, 21. Juli). Der Brite ist dieses Jahr das «Face» des Blue Balls und schaut von Hunderten Plakaten. Der Sound des 23-Jährigen steckt voller Seele und versprüht wahnsinnig viel Soul. Da kann man vielleicht etwas entdecken, dass dann mal richtig gross wird. Spätestens dann darf Hen­shaw dann auch gerne erneut ans Blue Balls kommen.

mg

Freitag bis Samstag, 21. bis 29. Juli,
KKL, Luzern

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